Aktuell sehe ich Frauen – gut in den Vierzigern – in turnschuhähnlichem Geläuf ohne Schnürsenkel in den dafür vorgesehenen Ösen promenieren. Banal? Ja, aber in der Banalität des Alltags offenbaren sich oft grundsätzliche Einstellungswandlungen. Bei Kindern und Jugendlichen – zumindest in den Großstädten der Republik – ist dies disfunktionale Schuhwerk im Augenblick „angesagt“. Es gibt dafür natürlich auch eine eigene Begrifflichkeit, die ich ein Stockwerk höher bei meinen Kindern erfragen könnte. Aber der Name spielt keine Rolle. Wenn nun reife Mütter auf ästhetischen Kuschelkurs mit ihren Söhnen und Töchtern gehen, kann man den Willen zur freundschaftlichen Anverwandlung darin erblicken. Aber auch die Unfähigkeit, den Altersabstand zur nachrückenden Generation zu akzeptieren. Schwarz oder weiß, kein Grau? Nun gut, noch einmal differenzierter: Angefangen bei den gelben Hosen von Goethes Werther war und ist es ein Vorrecht der Jugend, sich durch eigene Kleidung von den Älteren abzusetzen. Nur selten aber wird jugendliches Outfit gemeinsam mit seinen Trägern überzeugend älter. Eigentlich fällt mir nur die Jeans ein. Auch ein Siebzigjähriger, der sich in Garten oder Garage zu schaffen macht, ist mit der richtigen Jeans akurat gekleidet. Warum? Jeans folgen dem Diktum form follows function. Das kann die meiste Jugendbekleidung eben nicht von sich behaupten. Daher bleibt es im Allgemeinen Medienfigürchen wie Lagerfeld vorbehalten, demonstrativ die Kinderbekleidung nachfolgender Generationen aufzutragen. So gesehen bleibe ich dabei: forever young funktioniert nicht auf der Basis des Garderobenmundraubs bei den eigenen Kindern. Die lächerliche Figur der komischen Alten ist hier vorgestanzt.