Cocker in Eckernförde am Strand. Dieses Ereignis war so ungewöhnlich, dass selbst die 7 Windstärken, die von Ost quer zur Bühne über den Strand und die Zehntausend fegten, die am Nachmittag auch noch den einen oder anderen Schauer mitbrachten, nicht verhindern konnten, dass nach stundenlangem Warten teilweise ohne Musik wegen ausgefallener Vorgruppen selbst bei den genervtesten Besuchern nach drei Takten des erstens Stücks (natürlich feelin´alright) fast Clubatmosphäre aufkam, oder war es der letzte Hauch von Woodstock? Egal, jeder hatte offensichtlich seine eigene Welt im Kopf und alle hatten eines gemeinsam: Cocker und einen Film im Kopf, der früher und heute eine ganz besondere Welt versprach und verspricht: die eigene. Die paar ganz Jungen (Teenies, die wahrscheinlich ihre Eltern begleiten mussten, eine ganze Menge wollten dies aber auch) die mittelalterlichen und vor allem die Alten, die ungefähr im Alter von Cocker (63), manche wesentlich älter, wie die eben in den Jungbrunnen gefallenen Bewohner eines Altersheims ihre Pfleger in die Wüste schickten und rockten, was das Zeug hilt. Ich kam mir mit meinen 50 Jahren bemerkenswert jung vor. Und musste mir im Gegensatz zu meiner “Nachbarin”, die meine Mutter hätte sein können eingestehen, dass ich bei einem Song nicht ALLE Textzeilen auswendig konnte. Cocker war klasse, er wird immer noch immer besser. Aber diesmal war das Publikum fast besser, denn es schien beweisen zu wollen: Ihr könnt uns mal mit Euren Voruteilen uns Alten gegenüber, wir machen doch was wir wollen, und ihr seid die letzten, die wir vorher fragen. Die Inbrunst, mit der meine Nachbarin den Text zu “You can leave your hat on” mitgröhlte, läßt hoffen, dass die fatale Sucht nach political und sexual correctness noch nicht alle Menschen in diesem Land völlig hat verblöden lassen. Das schöne an diesem Song ist ja nach wie vor, dass man nie ganz sicher ist, wie es genau heißt: “you can leave your hat on!” oder “You can leave your head on!” In beiden Fällen macht es irgendwie Sinn, oder?