18.05.2026 | Allgemein, Kultur, Sport
Neben dem vernünftigen Essen (was das ist, wird von Fachfrauen und -männern in biblischer Fülle diskutiert und kommuniziert. Aber bei allen Unterschieden ist doch deutlich, dass derjenige, der sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um gesunde und frische Kost kümmert, tendenziell eher ein paar Monate oder Jahre mehr auf diesem Planeten verbleibt als das blind schlingende Futtermonster.) ist es der Sport oder die sportlichen Aktivitäten, die uns ein längeres Leben verleihen können. Auch hier ist die Diskussion endlos und die Schwerpunktsetzung unterschiedlich. Obendrei schwankt sie – wie auch bei der Ernährungsfrage – im Lauf der Jahre von einer auf eine zweite und dann auf eine dritte Position. Jeweils natürlich unangreifbar bis neue Erkenntnisse… lassen wir das.

Viele nicken hier andächtig, meinen aber doch, dass „Sport nunmal nichts für sie sei“. Bislang konnte man das nur mit einem „Schade, selber schuld“ quittieren. Nun berichtet ein schweizer Magazin aber von einer Forschergruppe in Großbritannien, die herausgefunden hat, dass die regelmäßige Nutzung von Kultur (Lesen, Theater, Musikhören, Museen besuchen) einen ähnlichen Verjüngungseffekt – oder sagen wir lieber: verlangsamenden Alterungseffekt – zeigt wie sportliche Aktivitäten. Die Leiterin der Studie, Daisy Fancourt vom University College London, fasst zusammen: Die Studie mit 3.500 Menschen zeige, dass Menschen, die häufiger und vielfältiger Kunst- und Kulturaktivitäten nachgingen, «ein langsameres Alterungstempo und ein jüngeres biologisches Alter aufwiesen». Das sei sogar in der DNA der Menschen ersichtlich. Nun werden kritische Geister sofort einschreiten und auf nicht berücksichtigte Rahmenfaktoren verweisen. Aber nein, die Zusammenhänge waren zum einen bei Personen ab 40 Jahren stärker ausgeprägt und blieben auch nach Berücksichtigung von Faktoren, die die Ergebnisse verfälschen könnten, wie Raucherstatus, Bildungsniveau und Einkommen, bestehen. Ist das nicht schön?! Das Theater- oder Musikabo lässt uns genauso langsamer altern wie eine einmalige Sportaktivität pro Woche. Auf den ersten Blick haben die beiden Betätigungsfelder ja nicht viel miteinander gemeinsam. Aber die Forschenden vermuten, dass die Tatsache, das beides hilfreich ist, «daran liegen mag, dass jede Aktivität unterschiedliche ‹Zutaten› enthält, die der Gesundheit zuträglich sind, wie zum Beispiel körperliche, kognitive, emotionale oder soziale Stimulation». Vielleicht könnten wir ja auch beides aktivieren….
Ausführlicher kann man die Studie hier nachlesen.
18.05.2023 | Allgemein, Europa, Kultur, Rente, Sprache, Wohlbefinden, Wohnen
Alter und Wetter
Mit zunehmendem Alter wird der Mensch wettersensibler. Die mäßigen Temperaturen und das geschichtete Grau am Himmel, das man als Kind nicht einmal wahrgenommen hatte, im mittleren Alter mit einem „Aha“ zur Kenntnis nahm, wird im Alter zu einem Grund für massive Unzufriedenheit.
Rentner haben einfach mehr Zeit, sich auch um das Wetter zu kümmern. Den meisten behagt es hier nicht. Altersbedingter Wandel führt bei vielen zu größerer Kälteempfindlichkeit. Verdeckte Sonne, fehlendes Licht bieten Anlass zu depressiven Schüben.
Der Süden rückt näher
Und nun? Neben den kleinen Fluchten in den Süden zieht es immer mehr Babyboomer für längere Zeit oder gar für immer in den Süden. Während der Pandemie ging der Verkauf von Wohnwagen und Wohnmobilen steil nach oben. Im Januar mit dem fahrbaren Zuhause über Österreich und Slowenien runter nach Kroatien, und dann Ende Februar den lauen Frühlingswind und das Yve-Klein-Blau am Himmel in Nordmazedonien genießen. Oder andere, die sich vor drei, vier Jahren in Andalusien für relativ kleines Geld ein Häuschen am Meer gekauft haben. Dort verbringen sie nun Jahr für Jahr mehr Zeit. Hier kann man im April bei 25 Grad im kurzen Hemd die Costa de la Luz entlangstromern. Herrlich!
Wem die Selbstfahrerei nicht behagt, der profitiert von günstigen Flügen außerhalb der Saison und von vielerorts spottbilligen Mietwagen.
Die innereuropäische Mobilität ist einfacher geworden
Warum also nicht dauerhaft umziehen? Am besten in Länder, in denen die Rente, die in Deutschland gerade so zum Durchkommen reicht – wenn die Heizkosten nicht wieder durch die Decke gehen – noch deutlich mehr Kaufkraft hat. Die Auswahl an Wohnungen und Häusern zu erschwinglichen Preisen ist in vielen Ländern des Südens erheblich höher als in jeder deutschen Mittelstadt. Gut: für Nizza, Sitges oder Dubrovnik mag das nicht gelten, aber solche Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel.
Griechenland hat vor einer Weile offiziell deutsche Rentner eingeladen, ihren letzten Lebensabschnitt in griechischer Wärme zu verbringen. Steuerfrei.

Irgendwo südöstlich von Thessaloniki
Oder Portugal, das immer mehr Touristen in den Städten beheimatet und ihnen – anders als vor 20 Jahren – mit Freundlichkeit, mehr Sauberkeit, renovierten Fassaden und einem deutlich verbesserten Küchenangebot den Verbleib im Lande schmackhaft macht.
Man kann auch an Bulgarien oder Malta denken: alles EU-Länder mit den gleichen Telefonkosten wie zuhause, aber deutlich angenehmerem Klima. Überall haben sich Maklerbüros auf die neuen Alten aus dem Norden eingestellt. Auch wenn man die Sprache des Gastlandes nicht wirklich beherrscht: die Makler kennen immer jemanden, der mal in Lüdenscheid oder Karlsruhe gearbeitet hat und genügend Sprachkenntnisse in die alte Heimat mitgebracht hat.
Das Fremde wird schneller zum Eigenen
Man muss immer weniger fremdeln in Europas Süden. Auch die vielen kleinen Helferlein aus dem Internet lassen die kulturellen Distanzen schwinden.
Natürlich ist es auch aus Gründen der Nachbarschaftspflege sinnvoll, sich die Sprache des Landes anzueignen, aber für den Anfang helfen die Übersetzungsapps im Smartphone. Speisekarten, Mietverträge und Regionalzeitungen kann man später mit Hilfe von zuverlässigen Übersetzungshilfen wie deepl entziffern. Und wenn man sich endlich entschlossen hat, das hübsche rote Haus mit dem Schuppen in zweiter Reihe zum Meer auch zu kaufen, ja, dann kann man der Maklerin mit Freund aus Lüdenscheid vertrauen. Oder – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – man lässt Verträge, Steuerunterlagen, Ummeldebescheinigungen etc. in Windeseile von Übersetzungsprofis wie z.B. protranslate ins vertraute Idiom übertragen.
Der Umzug bleibt natürlich ein Abenteuer, aber die Widrigkeiten sind erheblich kleiner geworden. Und das Winterwetter ist – Klimawandel hin, Klimawandel her – südwärts deutlich angenehmer. Altengerechter.

Die Küste des Lichts macht gerade abends ihrem Namen alle Ehre
15.12.2022 | Allgemein, Beerdigung, Kultur, Sterben, Tod
Innovation in der Grablegung
Auch wenn in Deutschland das jeweilige Bestattungswesen durch die Bundesländer bestimmt wird, kennen wir alle die üblichen Bestattungsarten: die Erdbestattung im Sarg oder die Feuerbestattung in der Urne mit anschließender Beisetzung auf dem Friedhof. Letzteres ist nicht in allen Bundesländern Pflicht. In Bremen beispielsweise kann man sich die Urne des geliebten Verblichenen auch auf den Fernseher stellen. Als Exotica gibt es noch die Seebestattung. Hier werden die sterblichen Überreste nach dem Weg durchs Krematorium dem Wasser anvertraut.
Das Ganze läuft ökonomisch nicht zum Schaden der Bestatter ab. Und es gibt wohl kaum einen Wirtschaftszweig in unserem Lande, der sich durch so wenig Bewegung oder auch Innovation auszeichnet. Am Ende bleibt halt alles wie es war.
Nun schickt sich aber ein neuer Player an, den Markt abzuräumen. „Ab 2023 werden wir sukzessive in Deutschland die Reerdigung anbieten können“. Der Titel „Reerdigung“ wirft das schöne Kreislaufmoment (Staub zu Staub) – bekannt aus Religion und ökologischem Mainstream – neu auf. Wobei auch bei den noch üblichen Methoden unsere Reste letztlich nach ein paar Jahren im Grab oder direkt mit der Urnenabfüllung substantiell wieder sehr erdähnlich werden.

Herkunft und Zukunft: Erde Bild von Markus Baumeler auf Pixabay
Aber bei der Reerdigung passiert die Umwandlung ganz ohne Feuereinfluss und störende Behältnisse wie Sarg oder Urne. Eben nachhaltig. Die Rede ist von einem Kokon, in dem der Leichnam für 40 Tage „geborgen“ wird. Es folgt eine natürliche Umwandlung durch Mikroorganismen und dann, wie durch Zauberhand, ist „weiche, fruchtbare Erde“ aus uns entstanden. Allein, meine Resterinnerungen an den Chemieunterricht nehmen mir hier den rechten Glauben: um menschliche Knochen in kurzer Zeit erdähnlich werden zu lassen, muss man schon tief in den Chemikalienschrank greifen. Vielleicht geht das auch mit Schredder und Walze, aber auch dies ist nicht so ökologisch wie sich das ganze Kreismodell gerne vorstellt. Eigentlich. Es gibt also in diesem Kreislaufmodell eine Leerstelle, für die man wohl besser um Aufklärung bitten sollte. Abgesehen davon ist vielleicht auch nicht jeder von diesem Komposthaufenmodell begeistert.
Was die Kosten angeht, so ist vom marktüblichen Aufwand zu lesen. Wobei allerdings auch eine rechtzeitige Versicherung – der Anbieter ist gleich von der Website aus kontaktierbar – das Ganze womöglich noch angenehmer macht.
Ich vermute, dass es auf deutschen Friedhöfen und in den Amtsstuben der Beerdigungsinstitute in den kommenden Jahren etwas aufgeregter zugehen wird als bislang. Innovatoren haben es nie leicht. Erst recht nicht, wenn sie auf kartellartige Strukturen stoßen. Insofern lohnt es sich bestimmt, den Webauftritt der circulum vitae GmbH zu besuchen und vielleicht einmal Fachleute aus dem Bestattungswesen auf den neuen Marktteilnehmer anzusprechen. Interessant ist das bestimmt.
18.05.2018 | Allgemein, Demenz, Demographie, Konsum, Kultur

In Hamburg gibt es (jetzt im Mai 2018) ein „soft opening“ für einen neuen Rundgang im Rahmen der Dialogreihe (Dialog im Dunkeln, Dialog im Stillen): Dialog mit der Zeit. Von einem/r älteren/r Begleiter/in geführt (68+) macht man seine Erfahrungen mit „dem Alter“. Ob das nun 70 oder 90 Jahre sind, wird nicht definiert. Das überzeugt, denn wir altern ja alle unterschiedlich. Man gerät anhand von auszuwählenden Bildern im Rahmen der Besuchergruppe mit seinen und anderen Altersvorstellungen in den Dialog, spaziert durch erfrischend bunt gehaltene Räume, um Schwerhörigkeit, Schwachsichtigkeit und Tatter am eigenen Leibe zu erleben. Verschiedene Hilfsmittel ermöglichen den Zeitsprung in die verunsichernde Zukunft. Projezierte Gesichter erzählen einem aus ihrem Leben und machen deutlich, dass man sich stets fragen sollte, ob man auf dem richtigen Weg ist – bevor es zu spät ist. Ein Quiz mit aktuellen Zahlen und Fakten schliesst den etwa einstündigen Rundgang ab. Das Ganze ist sympthisch und einfühlsam aufgebaut und (zumindest in unserem Fall) von einer gewinnenden Mentorenpersönlichkeit begleitet. Aber schraubende und schweißende Handwerker, fehlende Drahtverbindungen und schlechte Akustik hinterlassen den Eindruck, dass zumindest jetzt noch einiges zu erledigen ist. Bleibt zu hoffen, dass dieser Dialog bis zu seiner richtigen Eröffnung am 25. Mai noch ein wenig weiter Richtung Vollendung bearbeitet wird. Dann könnte er nicht nur für Hamburger zu einer ebenso unterhaltsamen wie bereichernden Ausflugsoption werden. Wohlgemerkt: auch für noch ordentlich junge Menschen!

16.05.2017 | Kultur, Philosophie
Gute Zitate sind die Kurzfassung einer ganzen Geschichte. So wie sich in einem Wassertropfen der ganze Himmel spiegeln kann, kondensieren sie einen weit greifenden Gedanken in einer kristallinen Form. Eine Zitat-Trouvaille als Beleg:
Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden,
sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen.
Oliver Wendell Holmes ( amerkanischer Arzt und Autor des 19. Jahrhunderts)
31.08.2016 | Allgemein, Demographie, Europa, Gesellschaft, Kultur, Migration, Pflege, Sprache, Technik, Wohlbefinden
In Europa spielt Deutschland in der Liga der ältesten Durschnittsbevölkerungen ganz vorne mit. Aber ganz weit weg gibt es ein Land mit durchschnittlich noch älteren Bürgern: Japan! Und Japan geht offensichtlich ganz andere Wege als wir bei der Bewältigung der demografischen Herausforderung. Traditionell ist Japan kein Einwanderungsland. Vielleicht ist es die Insellage, die das Gefühl des „Auf-sich-gestellt-Seins“ in das kulturelle Unterbewußtsein der Japaner eingeprägt hat. Jedenfalls gibt es dort kein Äquivalent zu den Polinnen, Kroatinnen oder Baltinnen, die bei uns in Seniorenwohnheimen oder im privaten Umfeld die Arbeiten verrichten, die Zuwendung geben, die nötig sind. Ohne sie hätte Deutschland ein gewaltiges Problem.

In Japan wird mit Neugier und Fatalismus an Pflegerobotern geforscht. Viele von ihnen sind bereits im Einsatz. Ein denkbares Vorbild für uns, falls der Zustrom Pflegewilliger aus den Nachbarländern nicht anhalten sollte? Ob in persönlichen Gesprächen oder bei der Lektüre von Pflegeheimprospekten: wir sind (noch) sehr weit davon entfernt, Roboter als ernsthafte Lösungsoption für die Ressourcenkrise im Pflegebereich in Betracht zu ziehen. Ich vermute, dass dies auch mit einer unterschiedlichen Ausbildung des Schamgefühls bei Japanern und Mitteleuropäern zu tun hat. Der Gedanke, einen notwendigen Windelwechsel von einem Roboter erledigen zu lassen, erscheint uns so fremd wie den Japanern die Idee, diese heikle Aufgabe einem Menschen zu überlassen, der nicht einmal die eigene Sprache beherrscht. Der Roboter, die Maschine, ist dem einen ein Graus, dem anderen ein Segen. Erstaunlich, was für unterschiedliche Antworten verschiedene Kulturen auch noch in der Moderne auf existentielle Anforderungen des Menschen entwickeln!