Zukuft – Pfeifen im Nebel

Zukuft – Pfeifen im Nebel

Zukunftsvorhersagen haben eine lange Tradition: die Römischen und Etruskischen Auguren lasen aus Tiereingeweiden oder aus der Form von Blitzen die Zukuft ab. Der eine oder die andere wird sich beispielhaft noch an „Asterix und der Seher“ erinnern. Schon dort fiel der Zukunftsforscher nicht unbedingt duch hohe Integrität auf…
Die Figur der Weissagerin, die in einer Glaskugel mehr sieht als der interessierte Kunde, hat sich vereinzelt bis heute auf Jahrmärkten und Zirkusveranstaltungen gehalten. Zukunft war und ist halt immer spannend! Die Zukunfsforscher sind die Auguren der Jetztzeit. Zwar benötigen sie keine Kadaver, sondern Statistiken und Excel-Dateien, aber Ruf und Richtigkeit ihresTreibens haben noch immer den Hautgout der Quacksalberei. Die Geschäfte laufen dennoch gut. Welcher Politiker will schon auf gut Glück Steuergelder ohne sichere Beweislage in Zukunftsprojekte investieren?
Wie sehr Zukunftserwartungund Wirklichkeit bisweilen auseinander laufen, hat Joachim Radkau in seiner Geschichte der Zukunft (Hanser Verlag) für die Nachkriegszeit bis heute sehr ausführlich – manchmal auch ein wenig ermüdend detailverliebt – dargestellt. In jedem Falle – so die arg verkürzte These – sollte man seehr vorsichtig sein, wenn jemand mit gesicherten Prognoseergebnissen daherkommt.

Auch hiermit wird der Blick ins Morgen nicht genauer

Lange Rede, kurze Botschaft: bald gibt´s mehr Kinder und daher auch mehr Schüler. So prognostiziert jedenfalls eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung (https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/startseite/) den verantwortlichen Bundsländern baldige Gebäude- und Lehrerkanppheit. Steigende Geburtenraten und kontinuierliche Zuwanderung würden die 7,2 Millionen SchülerInnen, von denen die Kultusministerkonferenz für das Jahr 2025 ausgeht, um 1,1 Millionen überschreiten und die Gesamtzahl von 8,3 Millionen ergeben. Alter Schwede! Aber hatten wir nicht mal einen Ingenieursboom als niemand Ingenieure einstellen wollte? Und war da nicht auch mal von Lehrerschwemme die Rede? Und vor zwei, drei Jahren versuchten einzelne Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern anderen die LehrerInnen mit frühzeitigen Verbeamtungsangeboten abspenstig zu machen. Ob die Prognose diesmal hält was sie verspricht? Die Zukunft ist halt mehr als die Verlängerung der Linie, die aus der Vergangenheit über das Jetzt ins Morgen führt. Skepsis kann da nie schaden. Sie fragen, was das jetzt mit meinem Altersthema zu tun hat. Nun ja: schaut man sich die wachsende Welle von Studien an, die ein so oder so beschaffenes Altern für die Zukunft beschwören, ist vielleicht auch hier altersweises Abwarten das bessere Mittel als der blinde Verlaß darauf, dass schon alles so kommen wird, wie vorhergesagt.Vielleicht. Merke: Die Zukunft ist offen!

Vorsätze

Neues Jahr – neue Vorsätze. Welch alter Hut! Der Forschung nach wird der Großteil aller Vorsätze bereits innerhalb der ersten zwei Wochen des neuen Jahres gebrochen. Wer weiß, auf welcher Datenbasis solche Theorien gedeihen? Aber das Scheitern kann man im privaten Umfeld doch oft beobachten. Wobei Ältere – meiner Wahrnehmung nach – das neue Jahr seltener zu Kampfansagen gegen sich selber nutzen als Jüngere. Das Ganze hat mit dem Thema „Altern“ auch nur wenig zu tun. Aber die Ratgeberbranche  und einschlägige Zeitschriften kommen in diesen Tagen besonders gern mit Tips daher, was man mehr oder weniger tun sollte, um glücklich zu altern. Dabei geht es ja um das Komplexeste überhaupt: unser Leben! Die Annahme, einzelne Änderungen in unserem Verhaltensrepertoire könnten Lebenszeit und -qualität steigern, scheint mir zeimlich…na sagen wir „engstirnig“ zu sein. Natürlich schadet es nicht, seine sozialen Beziehungen zu pflegen oder mehr Sport zu machen oder bewußter zu essen usw. Aber die letzte Zigarette oder das „letzte Glas im Stehen“ sind keine Kippschalter, mit denen das Leben in Richtung länger und besser gepuscht wird. Wer meint, mehr vom späten Leben haben zu wollen, muss sich auf einen immer wieder neu aufflackernden Vielfrontenkrieg gegen Gewohnheiten, Faulheit und Desinteresse einstellen. Ohne Prinzipienreiterei. Dann kann das Ganze durchaus Spaß machen – und auch erfolgreich werden. „Kann“ wohlgemerkt.

Geld und Bildung machen den Unterschied

Im letzten Quartalsbericht von Demografische Forschung kann man sich über die Wirkfaktoren Bildung und Beruf schlau lesen. Die Forscher selbst zeigen sich erstaunt, welch grosse Bedeutung diese beiden Faktoren auch in einem so hoch entwickelten Land wie Deutschland haben. Bei Männern noch ausgeprägter als bei Frauen. Mich überrascht in der Betrachtung, dass Selbstständige noch einen kleinen Altersvorsprung vor den Beamten haben. Das hätte ich eher umgekehrt vermutet. Interessanter Weise ist es den Forschern gelungen, beide Faktoren getrennt zu betrachten und die nicht immer stimmige Verbindung Bildung = Wohlstand aufzulösen. Wie groß der statistische Unterschied ist? lesen Sie selbst: Jahrgang 13, 2. Quartal.

Es hängt am Kopf

Es hängt am Kopf

„Wer rastet, der rostet“. Was für ein steinalter Spruch! Aber dennoch: auch bei ihm handelt es sich um quintessentielle Lebensweisheit. Bislang haben wir den Satz in erster Linie im Hinblick auf körperliche Bewegung verstanden. Und  dies ist durch zahlreiche Studien belegt. Bewegung tut gut. Nicht nur dem Körper, sondern auch dem Geist.

Jetzt verdichtet sich die Forschungslage aber dahingehend, dass auch eine hohe Auslastung, also anstrengendes Denken, eine Schutzfunktion gegen Alzheimer und seine verwandte Krankheitserscheinung, die frontotemporalen Demenz, bieten könnte. Zuletzt weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in einem Artikel auf diesen Umstand hin. Eine Untersuchung macht anhand der Sterbedaten deutlich, dass die verbleibende Lebenszeit nach Auftreten erster Verwirrtheitsanzeichen mit dem ausgeübten Beruf bzw. der Intensität der Hirnnutzung korreliert. Besser Ausgebildete leben länger.

Leser scheinenn länger zu leben

Leser scheinen länger zu leben

Ich denke nicht, dass man als Nicht-Anwalt oder Nicht-Professor nun den Kopf unter dem Arm tragen muss. Allerdings könnte man bei der Wahl seiner Hobbies vielleicht eher die Grenze zur intellektuellen Überforderung als Richtschnur betrachten als die – oft mit Langeweile – verbundene Unterforderung.

Das Informationsnetz rund ums Altern wird immer dichter

Das Informationsnetz rund ums Altern wird immer dichter

Als ich vor ein paar Jahren in Ansbach eingeladen war, um auf Bestreben der Kommune einen Vortrag im Kontext Altern zu halten, war das noch etwas Besonderes. Heute wäre es etwas Besonderes, wenn irgendwo in Deutschland auf kommunale Ebene NICHT die eine odere andere Hilfestellung in Form von Ansprechpartnern oder  Broschüren zur Verfügung stünde. Schwierig ist es aber nach wie vor, die Übersicht über das vielfältige Angebot, das aus Bundes-, Landes- und  kommunalen Quellen sprudelt, zu gewinnen. Und dann hat man all die verdienstvollen ehrenamtlichen, kirchlichen und von diversen Sozialverbänden und Stiftungen auf die Beine gestellten Initiativen noch nicht mitgezählt. Es ist ein bißchen wie im Internet: es gibt fast alles, aber nicht immer ist klar wo. Und die Suchmaschine für das Leben im Alter ist vielleicht noch nicht einmal projektiert. Durch freundlichen Hinweis habe ich einen neuen hilfreichen Wegweiser durch die Angebotsvielfalt entdeckt: Das Forum Seniorenarbeit NRW verschafft einer ganzen Reihe von Informationen und Angeboten Sichtbarkeit – und dies nicht nur in NRW, sondern über die Landesgrenzen hinaus.

Immer mehr läuft zusammen

Immer mehr läuft zusammen

Einmal mehr : das Informationsnetz wird dichter UND transparenter.

„Altersgerechte Arbeitswelt“ – Wir sind auf dem Weg

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat vor der Sommerpause seinen 4. Fortschrittsreport zum o.g. Thema mit folgendem Untertitel geschmückt: „Lebenslanges Lernen und betriebliche Weiterbildung“.
Auf gut 50 Seiten werden einem viele – ja zu viele – Daten aus dem Kontext Altern, Arbeit, Weiterbildung, Renteneintritt serviert. Man kann sich Stunden damit beschäftigen, eine persönliche Bedeutungsessenz aus dem Datenkonvolut herauszufiltern. Aber in Summe stimmen die Daten optimistisch: Es bestätigt sich – zumindest für Deutschland – dass Weiterbildung für ältere Arbeitnehmer ein wichtiger Faktor für den längeren Verbleib im Unternehmen darstellt. Große Unternehmen haben dies mehrheitlich begriffen und bieten gezielt mehr Fachweiterbildung für ihre älteren Mitarbeiter an. KMU tun sich erfahrungsgemäss schwerer mit diesem Thema, können aber (wie Beispiele in der Publikation belegen) immer mehr auf Unterstützung durch Fachinstitutionen bauen.
Ein paar besonders sprechende Daten seien genannt: die Quote der Mitarbeiter zwischen 60 und 64 Jahren, die an betrieblichen Weiterbldungsmaßnahmen teilnahm, stieg von 2007 bis 2012 von 23,5% auf 35,3 %. Ein Teil wird der demographischen Gesamtlage zuzurechnen sein, aber es bleibt dennoch ein positiver Quantensprung übrig. (S. 22)
Im EU-Kontext können nur Schweden, Luxemburg und Dänemark eine höhere Weiterbildungsbeteiligung im Segment der 55 bis 64-Jährigen vorweisen. „Mitgliedstaaten mit einer überdurchschnittlichen Erwerbstätigenquote Älterer haben tendenziell auch eine hohe Weiterbildungsbeteiligung.“ (S. 26)

Die Arbeitslosenquote aller Erwerbstätigen sank von April 2013 zu April 2014 um o,3 %-Punkte; die der 55 bis 64-Jährigen sogar um 0,4 %! (S. 48)

Die Rentnerquote  bei den 60-65-Jährigen lag im Jahre 2000 bei 61,8 %. Im Jahre 2012 war sie bis auf 40,3 % gefallen. Das umgekehrte Bild zeigt sich in der Erwerbstätigenquote.

Das sind viele Zahlen. Aber sie belegen doch, dass die Altersdiskriminierung im Arbeitsleben wahrnehmbar sinkt. Und das ist erfreulich!
Das nicht alle Spaß daran haben, länger zu arbeiten, ist klar. Aber ebenso klar ist, dass viele, die gerne länger gearbeitet hätten, dies altersbedingt nicht realisieren konnten. Die Trendumkehr auf diesem Feld ist glücklicher Weise nicht mehr negierbar. Wer sich im Hinblick auf sein Alter gemobbt fühlt, kann aus diesem Bericht womöglich Kraft zum Widerstand ziehen…