Diät lass nach!

Diät lass nach!

Endlich gibt es nach den vielen Verzichtsappellen auch mal wieder Gourmetfreuden, die nicht nur mit dem Altwerden kompatibel zu sein scheinen, sondern dieses vielleicht in Massen zu verlangsamen vermögen. Wenn man der Botschaft Glauben schenken mag. Zink hat eine neue, den Alterungsprozess verlangsamende Funktion zugesprochen bekommen. Einige Studien – zuletzt an der Universität Nürnberg-Erlangen – belegen, dass Zink im genannten Sinne hilfreich sein kann. Aber Zink muss an andere Stoffe gebunden werden, denn sonst funktioniert das komplexe chemo-physikalische Adaptionsverfahren seiner helfenden Kräfte in unserem Organisamus nicht. Und die Stoffe, die Zink für uns fruchtbar machen können, sind – man höre und freue sich: Schokolade, Kaffee, Tee und Wein. Letzterer allerdings mit mögichst wenig Alkohol. Die Details verstehen wohl nur einen kleinen Kreis von Nahrungsexperten. Interessanter ist, dass die Studienleiterin aus Erlangen, Prof. Ivana Ivanovíc-Burmazovíc, es für möglich hält, dass wir bald mit Zink versetzte Varianten der oben genannten Nahrungsmittel im Supermarkt finden werden.

Noch ohne Zink: der Kaffee aus Sansibar.

Also vielleicht sollten wir schon 2019 darauf achten, ob unser Kaffee im Kleingedruckten den Hinweis „mit Zink angereichert“ trägt. Wohl bekomm’s.

Vorsätze

Neues Jahr – neue Vorsätze. Welch alter Hut! Der Forschung nach wird der Großteil aller Vorsätze bereits innerhalb der ersten zwei Wochen des neuen Jahres gebrochen. Wer weiß, auf welcher Datenbasis solche Theorien gedeihen? Aber das Scheitern kann man im privaten Umfeld doch oft beobachten. Wobei Ältere – meiner Wahrnehmung nach – das neue Jahr seltener zu Kampfansagen gegen sich selber nutzen als Jüngere. Das Ganze hat mit dem Thema „Altern“ auch nur wenig zu tun. Aber die Ratgeberbranche  und einschlägige Zeitschriften kommen in diesen Tagen besonders gern mit Tips daher, was man mehr oder weniger tun sollte, um glücklich zu altern. Dabei geht es ja um das Komplexeste überhaupt: unser Leben! Die Annahme, einzelne Änderungen in unserem Verhaltensrepertoire könnten Lebenszeit und -qualität steigern, scheint mir zeimlich…na sagen wir „engstirnig“ zu sein. Natürlich schadet es nicht, seine sozialen Beziehungen zu pflegen oder mehr Sport zu machen oder bewußter zu essen usw. Aber die letzte Zigarette oder das „letzte Glas im Stehen“ sind keine Kippschalter, mit denen das Leben in Richtung länger und besser gepuscht wird. Wer meint, mehr vom späten Leben haben zu wollen, muss sich auf einen immer wieder neu aufflackernden Vielfrontenkrieg gegen Gewohnheiten, Faulheit und Desinteresse einstellen. Ohne Prinzipienreiterei. Dann kann das Ganze durchaus Spaß machen – und auch erfolgreich werden. „Kann“ wohlgemerkt.

Abgang der Vorbilder

Ein Symptom des Älterwerdens ist völlig frei von der Entwicklung der eigenen Person: der Tod von anderen Menschen. Erst sind es die Eltern, dann die Vorbilder und zum Ende hin geht man selbst so häufig auf Beerdigungen wie früher auf Hochzeiten. Die Freunde und Bekannte sterben einem weg.

Bei mir sind augenblicklich die Vorbilder dran. Da war Ende Januar 2015 Richard von Weizsäcker, der mir mit seiner Rede zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (bisschen weniger Titel hätte es auch getan) die Scham, Deutscher zu sein, zu einem guten Stück genommen hat. Dann folgte im Februar diesen Jahres Roger Willemsen. In seinen Literaturseminaren war er nicht nur selbst entflammt, sondern schaffte es, Erkenntniswille und Enthusiasmus an viele seiner Studenten weiterzureichen. Trotz späterer Dissonanzen habe ich in ihm immer ein intellektuelles Vorbild gesehen. Gerade auch in der Vielfalt seiner Interessen. Seine Jazzkolumnen im Merkheft des 2001Verlags gehörten dazu.

Und nun hat uns, in jedem Fall mich, Wolfram Siebeck verlassen. Über ein gutes Jahrzehnt hinweg verfolgte ich in der ZEIT vor allem seine Rezeptpoesie. Natürlich waren es Rezepte, die Meilen über der lieblosen Küche meines Elternhauses standen. Aber es waren auch Ausflüge in andere, entbiederte Welten: bei manchen Rezepttipps meinte ich zwischen Lavendelbüschen in der Provence zu wandeln. Und dass das Kochen nicht primär lästige Arbeit sein muss, sondern kreatives Schaffen zur Glücksvermehrung auf Erden, auch dies Wissen verdanke ich dem augenzwinkernden Siebeck. Die Leichtigkeit, mit der er das Glas Weißwein besprach, das für ihn ein katalytischer Begleiter beim Schneiden, Putzen und Abschmecken war, gab dem ganzen Procedere einen nonchalanten Hauch. Kochen als Wohlfühlen, nicht als Zwangsarbeit.

Alle haben etwas in mir verändert, mich bereichert. Ich vermisse sie.

Durchsickern in den Alltag – von den Schusterjungs zu Oma und Opa

Durchsickern in den Alltag – von den Schusterjungs zu Oma und Opa

Das Altern der Gesellschaft ist das eine, anhand der Statistik leicht nachvollziehbare Faktum. Das andere, die Entjüngung des kollektiven Bewußtseins, ist nicht breitflächig erkennbar. Lediglich Indizien tauchen hier und dort auf und zeigen – bojengleich – die tieferliegenden Bewußtseinsveränderunen in der Gesellschaft an. Ein frisches Beispiel: in meiner Kindheit in Berlin gab es beim Bäcker noch Schusterjungs, Brötchen, die sich durch irgendeine Zutat oder Zuschnitt von den stadtüblichen Schrippen unterschieden. Ich glaube, sie sind mittlerweile mindestens genaus so selten geworden wie die namensgebenden Jungs, die bei einem Schuhmacher in die Lehre gehen.

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Ein Bäckerbrötchen namens Oma und damit ein Indiz

Bei einem Bäcker in meiner Umgebung entdeckte ich vor kurzem Opa und Oma: zwei helle Brötchensorten, die sich lediglich durch ihre Größe unterscheiden. Eigentlich entdeckte ich sie nicht, sondern hörte sie zunächst. Eine Kundin vor mir bat um „drei Omas und einen Opa.“ Freundlich-selbstverständlich wurde ihr von der Bäckerin die Tüte gefüllt. Eigentlich war ich froh, nur zweimal Bienenstich bestellen zu wollen…

Fast alles drin – aber kurz

Manchmal hat man den Eindruck, als wäre mittlerweile alles gesagt zum „Neuen Altern“: Bewegung, Einstellung, Kommunikation, Selbstbild, Mentales Training, Ernährung, Wohngemeinschaften usw. Kein Bereich, zu dem einen in der Buchhandlung nicht wenigstens ein halber Regalmeter Spezialliteratur  auffordernd anblickt. Einerseits toll, wenn man bedenkt, dass vor 15 Jahren praktisch gar nichts Hilfreiches über die zweite Lebenshälfte angeboten wurde, auf der anderen Seite aber ermüdend, weil die Optionen so abundant geworden sind. Eine nette, hübsch aufgemachte Abwechslung kann man hier downloaden. Von allem ein bisschen einschliesslich einiger Selbsttests. Wer´s genauer wissen will, kann sich ja jederzeit in die Tiefen des Netzes oder die entsprechenden Regalmeter seiner Buchhandlung begeben…aber das mit Kürze und Würze ist oft gar nicht so falsch.

Defizite in der Konsumentenpflege

Eine jüngst erschienene Studie macht deutlich, dass Senioren sich mit den Informationen auf Lebensmittelpackungen schwer tun. Kleine Schrift, rätselhafte Abkürzungen für die Ingredienzien und schwer auffindbares Haltbarkeitsdaten wurden hier explizit genannt. Vermutlich wurden keine Klagen über mangelnde Kleinpackungen zu Protokoll gegeben, da hiernach nicht gefragt wurde. Es wird noch ein Weilchen brauchen, bis der Einzelhandel sich gezielter der immer größer werdenden Seniorenklientel annimmt. Erste positive Zeichen sehe ich in der Anbringung von Leselupen an Einkaufwagen – zum Neispiel bei dem Drogisten DM. Aber hier gibt es wirklich noch viel Raum für Verbesserungen – die im Übrigen auch vielen jüngeren Konsumenten gelegen kommen sollten.