09.02.2026 | Allgemein, Digitale Welt, Forschung, Gehirn
Auf der einen Seite der Altersskala wird immer häufiger über Zugangsverbote zu Handys und sozialen Medien diskutiert. Am anderen Ende der Skala scheint sich der Sachstand nahezu umgekehrt zu entwickeln: Das Fachjournal Nature Human Behaviour kommt bei der Auswertung von 57 Studien mit mehr als 400.000 Teilnehmern zu einem eindeutigen Schluss: die aktive Smartphone- und Internetnutzung kann den kognitiven Abbau ab 50 verlangsamen. Mögliche Nachteile wie Spielsucht oder das Auslagern des Denkens an Suchmaschinen fallen weniger ins Gewicht als die Vorteile. Hier hebt die Forschung drei Aspekte heraus:
Das Erlernen und der Umgang mit neuen Apps fordert das Gehirn – und fördert es damit.
Die sozialen Netze und/oder Videotelefonie macht es Älteren einfacher, nicht in soziale Isolation abzugleiten. Die als schwerwiegender Nachteil für gesundes Altern gesehen wird.
Die Beschäftigung mit den Inhalten des Internets in all seinen möglichen Verästelungen baut eine sogenannte „kognitive Reserve“ auf, die helfen kann, altersbedingte Veränderungen im Gehirn auszugleichen.
Also: Auf nach Digitalien!

Lest die Signale!
11.11.2025 | Allgemein, Bildung, Demenz, Forschung, Gehirn, Kommunikation
Endlich mal eine Neuigkeit, die nicht auf diätetischen oder sportbezogenen Empfehlungen beruht!
Eine neue Studie im Fachjournal „Nature Aging“ macht deutlich, dass die Kenntnis von mehreren Sprachen hilft, unser Gehirn jung zu halten. Na ja, langsamer altern zu lassen. Aber: je mehr Sprachen, desto positiver der Effekt! Das Entstehen typischer mentaler Alterskrankheiten wie Demenz wird durch Mehrsprachigkeit ebenfalls hinausgezögert. Grundlage dieser Analyse waren die Gesundheitsdaten von über 86.000 Menschen aus 27 europäischen Ländern. Dabei gilt: Je mehr Sprachen eine Person spricht (das Niveau ist hier nicht entscheidend), desto größer sind die positiven Effekte.
Alte Erkenntnis: Mit fortschreitendem Alter wird die Benutzung des eigenen Körpers immer anstrengender. Bei bedauerlicherweise immer geringerem Leistungsoutput. Das gleiche gilt für den Kopf, oder besser das Gehirn: die Leistungsfähigkeit sinkt.
Aber so wie muskuläre Anstrengungen das körperliche Altern verlangsamen können, sind auch die kognitiven Funktionen durch passendes Training länger auf erfreulichem Niveau zu halten. Die o.g. Studie zeigt, dass die Nutzung einer anderen alles n als der Muttersprache gemeinhin anstrengender ist. Nutzt man sie dennoch, entsteht ein positiver Trainingseffekt. Dabei wird das Gehirn deutlich mehr gefordert als beim Kommunizieren in der ureigenen Sprache. Man muss die Zweit- oder Drittsprache nicht so beherrschen wie die Muttersprache. Sonst wäre der Effekt des „Sich-Mühe-Geben-Müssens“ ja gar nicht vorhanden. Also kein Trainingseffekt. Dies wiederum sollte jede und jeden im fortgeschrittenen Alter in die Selbstbefragung treiben: Warum sollte ich eigentlich nicht anfangen, z.B. Arabisch, Dänisch, Chinesisch oder Flämisch zu lernen?

Das kann man alles lernen
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Um in einer anderen Sprache zu kommunizieren, muss man sich anstrengen, seine Aufmerksamkeit auf den Sprechakt intensivieren. In der Studie wurde das biologische Alter der Probandinnen und Probanden – also der tatsächlichen Zustand von Körper und Gehirn – mit ihrem chronologischen Alter, das auf ihrem Geburtsdatum beruht., verglichen.
Das Ergebnis der Analyse fasst https://science.orf.at so zusammen: „Personen, die mehrere Sprachen beherrschten, waren kognitiv deutlich „jünger“ und fitter als jene, die nur ihre Muttersprache sprachen.“
Auch wenn Kinder leichter lernen, können sicher auch Erwachsene und ältere Menschen vom Sprachunterricht profitieren. Allerdings reicht es eben nicht, sich ab und zu mit einer Sprachen-App zu beschäftigen. Man muss raus ins richtige Leben und mit anderen Menschen in der anderen Sprache zu kommunizieren versuchen. Nur so kann es zu den Trainingseffekten kommen. Wo die Muskeln schmerzen und die Konzentration zu knistern beginnt, sind Gold und Myrrhe, nein, weitere gute Lebensjahre zu gewinnen.
Und nun? Der Ball liegt bei Ihnen.
28.10.2024 | Fitnes, Gehirn, Wohlbefinden
Der brasilianische Altersforscher Claudio Gil Araújo hatte in einer Studie vor zwei Jahren herausgefunden, dass derjenige, der es nicht schafft, zehn Sekunden lang auf einem Bein zu stehen, ein fast doppelt so hohes Risiko hat, in den nächsten zehn Jahren zu sterben – verglichen mit (gleichalten) Menschen, die zehn Sekunden durchhalten.
Zweifellos geht es beim Gleichgewichtssinn um eine Kopf-Muskel-Verbindung, die man trainieren kann. Und man tut sich offensichtlich etwas Gutes, beispielsweise morgens beim Zähneputzen ein Bein anzuwinkeln. Dies trainiert den Gleichgewichtssinn.
Dass das mehr als eine lustige These ist, bestätigen Sportwissenschaftler an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Die kleine Mühe – ganz ohne Fitnessstudio – lohnt. Die ersten Zwischenergebnisse ihrer aktuellen Studie, die noch bis Ende diesen Jahres läuft, belegen die generelle These, dass gezielte körperliche Trainingsprogramme – z.B. im Badezimmer – das alternde Gehirn stimulieren.
In der genannten Studie absolvierten 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 60 und 75 Jahren wöchentlich ein Gleichgewichtstraining mit unterschiedlichen Aufgabenanforderungen. Dieses Forschungsprojekt ist Teil des Sonderforschungsbereiches SFB 1436: Neuronale Ressourcen der Kognition.

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Auch wenn der Alterungsprozess letztlich nicht aufhebbar ist, sind hohe Aufmerksamkeit und sensible Sensomotorik im Alter lebenserhaltend. Der Magdeburger Sportwissenschaftler Professor Marco Taubert spricht bedauernd von einem „Defizit in der Gleichgewichtsleistung„. Denn die Studie von Araújo brachte die Erkenntnis, dass fast 700.000 Personen – vor allem Ältere – jedes Jahr an Stürzen sterben. Diese sind in der großen Mehrheit auf einen reduzierten Gleichgewichtssinn zurückzuführen.
Ziel der weiteren Forschung in Magdeburg ist die Entwicklung maßgeschneiderter Trainingsprogramme, „die unser Gehirn ein Leben lang unterstützen und damit unsere Gesundheit und Lebensqualität erhalten oder verbessern“ – so Prof. Tauber.
Also: Bein hoch!
Ausführlicher: hier.