12,5 Jahre altern-für-anfänger.de – da kann man auch mal „Prosit“ sagen!

12,5 Jahre altern-für-anfänger.de – da kann man auch mal „Prosit“ sagen!

 

Anstossen!

Image by brittaneu from Pixabay

Im Januar 2007 kam das Buch “Altern für Anfänger. Babyboomers Reifeprüfung“ auf den Markt.

Der Pendo-Verlag nannte es: Eine höchst vergnügliche Anleitung für das „Abenteuer Altern“. Die Autoren Getschmann/Scheer rückten dem unvermeidlichen Altern mit Humor und einem kategorienübergreifenden Kompetenzansatz zu Leibe. Klug zu altern beinhaltet für sie mehr als Sport, Ernährung und mentale Fitness.

Da auf knappen Seiten nicht alles gesagt werden konnte, was zum Altern gehört, und Leben und Altern weiter fortschreiten, gründeten die Autoren den gleichnamigen Weblog Altern-für-Anfänger.de. Diesen beliefert Dirk Getschmann seit nunmehr zwölfeinhalb Jahren mit Erträgen der wissenschaftlichen Forschung aus geriatrischen oder demographischen Quellen sowie mit persönlichen Beobachtungen, Lektürehinweisen und Studien. Ein Kessel Buntes rund um das Generalthema „Was kann ich für mein gelingendes Altern tun?“

Man kann mit den Blogeinträgen durch die Jahre zurückreisen und nachvollziehen, wie sich der Zeitgeist zum Thema „Altern“ seit 2007 geändert hat. Die Alterskohorte der Babyboomer stand mit ihren älteren Jahrgängen noch vor der Rente. Jetzt hat ein gutes Drittel dieser geburtenstarken Jahrgänge den Übergang in den (ehemals) dritten Lebensabschnitt „geschafft“. In diesen Jahren rückte die Generation der Silberrücken für viele Unternehmen in den Fokus ihrer Werbe- und Marketingbemühungen: Die ersten Modemodels jenseits der 60 wurden gesichtet. Tchibo und Aldi brachten zum ersten Mal Senioren-Hilfsmittel in ihre Wochenangebote. Die Unterteilung des Lebens in drei Abschnitte (Kindheit/Jugend, Arbeitsleben und Rentenalter) wurde nach und nach durch eine Vierergliederung abgelöst: das Rentenalter teilte sich in ein frühes und ein spätes Alter. Auch dies blieb nicht ohne Folgen für die Produkt- und Warenwelt, zumal die Babyboomer-Generation wohl die mit Abstand wohlhabendste Rentengeneration in diesem Land ist und aller Wahrscheinlichkeit nach auch bleiben wird. Denn einen rentensichernden Turnaround unserer demographischen Kurve kann eigentlich niemand mehr erwarten.  Also werden die Alten immer mehr und die Jungen immer machtloser. „Seniorenreisen“ sieht man immer seltener beworben, weil sich die reisefreudigen Alten des dritten Lebensabschnittes immer weniger als „Senioren“ sehen, ja diesen Begriff lieber den Alten des vierten Abschnitts zuschieben.

Der Fortgang unseres kollektiven Alterungsprozesses wird in all seiner Vielschichtigkeit auf Altern-für-Anfänger.de auch weiterhin beobachtbar bleiben. Dazu meint der Weblogger Dirk Getschmann: „Das Alter ist ein Kontinent. Ihn zu bereisen, zu beobachten und zu kommentieren, werde ich wohl erst müde, wenn ich selbst an seinem anderen Ende angekommen bin.“

Nachdenken über das Alter

Nachdenken über das Alter

Wenn man mal ehrlich ist: der Tod ist das einzig Gewisse im Alter. Um ihn auf Distanz zu halten, sind ganze Industrien in Sachen Ernährung, Bewegung und Bespaßung für uns tätig. Und sie haben Erfolg: der „dessen Name nicht genannt werden darf“, der Tod, bleibt tabuisiert. Sein finaler Auftritt ist sicher. Unabänderlich.Was soll man dann noch darüber reden? Nur wenigen fällt da noch etwas zu ein. Wer sein individuelles Verdrängungsprogramm mal kurz aussetzen will, um wenigstens ein paar schwerer wiegende Gedanken zum Ableben zu überdenken, dem kann ich nur Odeo Marquards Büchlein ans Herz legen.Der frühere Chef der deutschen Universitätsphilosophie ist – leider auch er – vor ein paar Jahren verstorben. Der Reclam Verlag – bei dem Marquard bevorzugt publizierte – hat eine verdienstvolle Auswahl seiner altersbezogenen Texte mit einem sehr persönlichen Interview angereichert. Aus meiner Sicht eine der best denkbaren Pausen im Verdrängungsdauerlauf.

Altersbericht „mit viel Witz und Selbstironie“

Das Körber-Forum in Hamburg lädt zu einem Gespräch mit dem Spiegel-Autor Dieter Bednarz ein. Unter dem Titel „zu jung für alt“ hat er ein biographisch geprägtes Buch über das Älterwerden geschrieben. Wer Zeit hat und in der Gegend ist, kann sich so vorab persönlich davon überzeugen, ob der Kauf lohnt. Hier geht´s zur Anmeldung.

Vorsätze

Neues Jahr – neue Vorsätze. Welch alter Hut! Der Forschung nach wird der Großteil aller Vorsätze bereits innerhalb der ersten zwei Wochen des neuen Jahres gebrochen. Wer weiß, auf welcher Datenbasis solche Theorien gedeihen? Aber das Scheitern kann man im privaten Umfeld doch oft beobachten. Wobei Ältere – meiner Wahrnehmung nach – das neue Jahr seltener zu Kampfansagen gegen sich selber nutzen als Jüngere. Das Ganze hat mit dem Thema „Altern“ auch nur wenig zu tun. Aber die Ratgeberbranche  und einschlägige Zeitschriften kommen in diesen Tagen besonders gern mit Tips daher, was man mehr oder weniger tun sollte, um glücklich zu altern. Dabei geht es ja um das Komplexeste überhaupt: unser Leben! Die Annahme, einzelne Änderungen in unserem Verhaltensrepertoire könnten Lebenszeit und -qualität steigern, scheint mir zeimlich…na sagen wir „engstirnig“ zu sein. Natürlich schadet es nicht, seine sozialen Beziehungen zu pflegen oder mehr Sport zu machen oder bewußter zu essen usw. Aber die letzte Zigarette oder das „letzte Glas im Stehen“ sind keine Kippschalter, mit denen das Leben in Richtung länger und besser gepuscht wird. Wer meint, mehr vom späten Leben haben zu wollen, muss sich auf einen immer wieder neu aufflackernden Vielfrontenkrieg gegen Gewohnheiten, Faulheit und Desinteresse einstellen. Ohne Prinzipienreiterei. Dann kann das Ganze durchaus Spaß machen – und auch erfolgreich werden. „Kann“ wohlgemerkt.

Sommerlektüre

Sommerlektüre

Leicht, ironisch, aber mit dunklem Hintergrund kommt „Alte Liebe“ daher. Ein höchst unterhaltsames So-einfach-mal-weglese-Buch, das man jedoch ohne Anflüge von Melancholie kaum zu Ende bringen wird. Elke Heindenreich und Bernd Schroeder haben den Alltag eines Alt-68 Ehepaares ausgeleuchtet: die kleinen und doch so prägenden Aufgaben des Tages, die Erinnerungen und die familiären Großereignisse wie eine frisch anstehende Hochzeit der Tochter und ein Besuch der digital desorientierten Enkel-Zicke ergeben eine Zusammenstellung, die an Kadinskys Bild „Das bunte Leben“ erinnert. Harry und Lore – die Protagonisten – wechseln sich mit ihren Blicken auf das Geschehen nach ein paar Seiten jeweils ab. Diese kunstvolle Form des indirekten Dialogs trägt Erhebliches zum Lektüreglück bei. Frohes Lesen!

Elke Heidenreich / Bernd Schroeder: Alte Liebe. Carl Hanser Verlag, München 2009.

 

 

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