Nachdenken über das Alter

Nachdenken über das Alter

Wenn man mal ehrlich ist: der Tod ist das einzig Gewisse im Alter. Um ihn auf Distanz zu halten, sind ganze Industrien in Sachen Ernährung, Bewegung und Bespaßung für uns tätig. Und sie haben Erfolg: der „dessen Name nicht genannt werden darf“, der Tod, bleibt tabuisiert. Sein finaler Auftritt ist sicher. Unabänderlich.Was soll man dann noch darüber reden? Nur wenigen fällt da noch etwas zu ein. Wer sein individuelles Verdrängungsprogramm mal kurz aussetzen will, um wenigstens ein paar schwerer wiegende Gedanken zum Ableben zu überdenken, dem kann ich nur Odeo Marquards Büchlein ans Herz legen.Der frühere Chef der deutschen Universitätsphilosophie ist – leider auch er – vor ein paar Jahren verstorben. Der Reclam Verlag – bei dem Marquard bevorzugt publizierte – hat eine verdienstvolle Auswahl seiner altersbezogenen Texte mit einem sehr persönlichen Interview angereichert. Aus meiner Sicht eine der best denkbaren Pausen im Verdrängungsdauerlauf.

Altersbericht „mit viel Witz und Selbstironie“

Das Körber-Forum in Hamburg lädt zu einem Gespräch mit dem Spiegel-Autor Dieter Bednarz ein. Unter dem Titel „zu jung für alt“ hat er ein biographisch geprägtes Buch über das Älterwerden geschrieben. Wer Zeit hat und in der Gegend ist, kann sich so vorab persönlich davon überzeugen, ob der Kauf lohnt. Hier geht´s zur Anmeldung.

Vorsätze

Neues Jahr – neue Vorsätze. Welch alter Hut! Der Forschung nach wird der Großteil aller Vorsätze bereits innerhalb der ersten zwei Wochen des neuen Jahres gebrochen. Wer weiß, auf welcher Datenbasis solche Theorien gedeihen? Aber das Scheitern kann man im privaten Umfeld doch oft beobachten. Wobei Ältere – meiner Wahrnehmung nach – das neue Jahr seltener zu Kampfansagen gegen sich selber nutzen als Jüngere. Das Ganze hat mit dem Thema „Altern“ auch nur wenig zu tun. Aber die Ratgeberbranche  und einschlägige Zeitschriften kommen in diesen Tagen besonders gern mit Tips daher, was man mehr oder weniger tun sollte, um glücklich zu altern. Dabei geht es ja um das Komplexeste überhaupt: unser Leben! Die Annahme, einzelne Änderungen in unserem Verhaltensrepertoire könnten Lebenszeit und -qualität steigern, scheint mir zeimlich…na sagen wir „engstirnig“ zu sein. Natürlich schadet es nicht, seine sozialen Beziehungen zu pflegen oder mehr Sport zu machen oder bewußter zu essen usw. Aber die letzte Zigarette oder das „letzte Glas im Stehen“ sind keine Kippschalter, mit denen das Leben in Richtung länger und besser gepuscht wird. Wer meint, mehr vom späten Leben haben zu wollen, muss sich auf einen immer wieder neu aufflackernden Vielfrontenkrieg gegen Gewohnheiten, Faulheit und Desinteresse einstellen. Ohne Prinzipienreiterei. Dann kann das Ganze durchaus Spaß machen – und auch erfolgreich werden. „Kann“ wohlgemerkt.

Sommerlektüre

Sommerlektüre

Leicht, ironisch, aber mit dunklem Hintergrund kommt „Alte Liebe“ daher. Ein höchst unterhaltsames So-einfach-mal-weglese-Buch, das man jedoch ohne Anflüge von Melancholie kaum zu Ende bringen wird. Elke Heindenreich und Bernd Schroeder haben den Alltag eines Alt-68 Ehepaares ausgeleuchtet: die kleinen und doch so prägenden Aufgaben des Tages, die Erinnerungen und die familiären Großereignisse wie eine frisch anstehende Hochzeit der Tochter und ein Besuch der digital desorientierten Enkel-Zicke ergeben eine Zusammenstellung, die an Kadinskys Bild „Das bunte Leben“ erinnert. Harry und Lore – die Protagonisten – wechseln sich mit ihren Blicken auf das Geschehen nach ein paar Seiten jeweils ab. Diese kunstvolle Form des indirekten Dialogs trägt Erhebliches zum Lektüreglück bei. Frohes Lesen!

Elke Heidenreich / Bernd Schroeder: Alte Liebe. Carl Hanser Verlag, München 2009.

 

 

Königlich Altern

Königlich Altern

Die deutschen Präsidenten haben als Erstzmonarchen eine verfassungsrechtlich erwünschte Verfallszeit. Bei den echten Königinnen und Köigen sieht das anders aus. Nicht einmal das landesübliche Rentenalter wird ihnen zugebilligt.  So wie auch beim Papst handelt es sich in der Regel um Jobs, die bis zum (bitteren) Ende auszufüllen sind. Fraglos ist vieles auf der monarchischen Arbeitsagenda nicht so körperlich beanspruchend wie das Tagwerk des oft zitierten Dachdeckers, aber die echte Freizeit dürfte eher knapper ausfallen. Schaut man auf das Englische Königspaar, muss man bei aller demokratischen Skepsis an der Notwenigkeit dieses Nationalamtes doch festhalten, dass langes intensives Arbeiten die Menschen agil und über die Vergleichsgruppe hinaus fit hält.

Die erstaunlichen Parallelen in Mimik und Gestik unterstreichen, dass man sich ohne Ritualroutine für königliche Aufgaben bessesr gar nicht erst bewirbt. Wäre ohnehin zwecklos. Was ich noch sagen wollte: „Eure Majestäten, meine Hochachtung für Ihren stets konstant hohen Arbeitseinsatz!“