Wir kommen ins Kino!

Wir kommen ins Kino!

Schnell mal im Kopf die persönlichen Kinohighlights durchsehen: gibt es das Filme mit älteren bis alte Hauptdarstellern? Ja klar. Harold und Maude fällt mir ein; Sag niemals Nie, in dem Sean Connery nochmals den James Bond gibt, Verfilmungen von Shakespeares Sturm, Mrs. Marple und Hercule Poirot von Agatha Christie, Charles Laughton als Richter…  und ein paar weitere würden einem bei scharfem Nachdenken sicherlich noch in den Sinn kommen.  Aber angesichts der tausenden von Filmen, die fast jeder konsumiert hat, fällt das kaum in Gewicht. Und nun sind wir diese Woche gleich mit zwei Publikumsfilmen konfrontiert, die sich mit einer wichtigen Zäsur im Leben – der Suche nach der letzten Bleibe – widmen. In „Und wenn wir alle zusammenziehen“ prüfen u.a. Jane Fonda, Pierre Richard und Geraldine Chaplin die Chancen für eine Alten-WG. In „Best Exotic Marigold Hotel“ bauen betagte Engländer auf eine Seniorenresidenz im Empire-Stil in der alten Kolonie Indien. Hier wirkt unter anderen die von mir heiß verehrte Julie Dench (Chefin des M6 in den letzten Bond-Filmen) mit. Es folgen nun keine Filmrezensionen, sondern lediglich ein Ausrufungszeichen! Die Zeiten ändern sich. Die Alten und ihre Sorgen und Aufgaben sind offensichtlich kinofähig geworden. Die langsam alternde Besucherschaft hat nicht ununterbrochen Lust, sich die Stories der nachfolgenden Generationen anzusehen. Das Schöne ist, dass dieser Trend nicht auf Kunst- und Studentenkinos beschränkt bleibt, sondern die cineastische Öffentlichkeit zu becircen sucht. Stärken wir die (noch) Wagemutigen. Gehen wir ins Kino!

Die komische Sache mit der Wahrnehmung

Folgender Witz wurde mir dieser Tage mal wieder erzählt:

Ein Mann mit akuten Bauchschmerzen entschliesst sich nach langen Jahren mal wieder zum Arzt zu gehen. Unter Internisten findet er im Telefonbuch in seiner Nähe den Eintrag „Dr. Retzmann„. Retzmann? Ob das der alte Alfred aus meiner Parallelklasse ist? Neugierig begibt sich der Mann in die Sprechstunde  von Dr. Retzmann. Tatächlich: der Arzt hat eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem Bekannten aus der Schhulzeit. Aber mit den schlohweißen Haaren? Er ist gewiß einiges älter; vielleicht der große Bruder? denkt er sich. „Sagen Sie, Doktor, kann es sein, dass Sie auf dem Heuß-Gymnasium waren?“ „Ja, ja, da haben Sie Recht„, antwortet der Arzt. „Ich auch“ erwidert der Patient kopfnickend. „So?“ antwortet der Arzt ihn fragend betrachtend: „und was für Fächer haben Sie unterrichtet?

Wie ich finde, immer noch ein wunderbares Beispiel für den Satz „Alt werden nur die anderen!“

 

 

Lieber selbst heilen?

Natürlich möchte ich der deutschen Ärzteschaft und ihren besorgten Besuchern nichts ans Zeug flicken. Aber es fällt schon auf, dass der Durchschnittsdeutsche ca. dreimal mehr Besuche bei Tante oder Onkel Doktor absolviert als beispielsweise der Durchschnittsschwede. Liegt das an den weiteren Wegen oder an dem höheren schwedischen Selbstvertrauen, schon zu wissen, was für einen selbst gut ist? Nun, ich weiss es auch nicht, aber es lohnt vielleicht, vor dem nächsten Arztbesuch diesen selbst einmal probeweise in Frage zu stellen. Ein Gedicht aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts kann hier unterstützen:

Der wider die Gesätze der Arzneykunst genesene Bauer

Ein Bauer machte sich vom Fieber
Mit Wein und Pfeffer glücklich frey.
Ein junger Doctor lachte drüber,
Und sprach, daß das unmöglich sey.
Ja sagte Jener, der genesen,
An diesem liegt mir nicht ein Haar,
Obs möglich oder nicht gewesen;
Genug für mich: Es ist doch wahr.

Carl Friedrich Drollinger