Gedanken zum eigenen Tod

Diese Gedanken machen sich einige, viele aber werden von den Gedanken eher heimtückisch angeweht (tschuldigung für die Corona-Metapher!). Im Halbschlaf, unter der Dusche und in anderen Momenten vermeintlichen Müssigganges. Ausformuliert werden diese Gedanken eher selten. So lohnt es sich m.E. sehr, sich die Gedanken, die der 80-jährige Autor Hans Widmer in der NZZ zu Papier gebracht hat, nachzulesen. Wirkungsvolle Lektüre! Mein Dank an den Autor!

Wann fängt das eigentlich an – das Altern?

Wann fängt das eigentlich an – das Altern?

Gibt es einen magischen Punkt, ab dem man das Gefühl hat zu altern? Vom Kopf her wissen wir, dass mit dem ersten Seufzer auf dieser Erde der Alterungsvorgang beginnt. Jedoch sind diese ersten Jahre mit Entwicklung und Wachstum verbunden. „Altern“ hat hier noch keinen negativen Beigeschmack und wird meist auch eher als „Geburtstag haben“ oder „älter werden“ – voller Vorfreude – tituliert. Tja, und das Altern? Ich erinnere mich, dass die Grenze von 29 zu 30 Lebensjahren ein durchaus diskutierter Schwellenwert war. „Ü-30-Parties“ hatten zwar noch nicht den bösen Rufnamen „Gammelfleichparty“, aber irgend etwas wurde anders. Und gerade die Damenwelt steckte häufiger besorgt die Köpfe zusammen. So meine Erinnerung. Bei den nächsten Zehnergrenzen, also der 40 und der 50, gab es keine großen Diskussionen. Das kann natürlich auch daran liegen, dass der Austausch von jungen Erwachsenen untereinander offener gehandhabt wird als jener von Menschen, die „mitten im Leben“ stehen. Wer weiß? Die ersten körperlichen Malaisen, die nicht kamen, um wieder weggeheilt zu werden, sondern die sich offensichtlich auf Dauer einnisten wollten, sind für viele der Knackepunkt, an dem der Gedanke nach vorne den Subton der Begrenztheit mit sich führt. Auch dies mag nicht jedem so gehen. Mancher hat mit Anfang 30 bereits ausufernde Geheimratsecken, die ihm Sorgen bereiten. Andere ärgern sich erst mit Mitte 65, dass sie bei ihrer Standardjoggingrunde immer öfter ihre Sollzeit überschreiten. Es ist also verflucht (oder glücklichst?) individuell, wann den einen oder die andere das Gefühl zu altern, anweht.

Die Alterungswelle?

Die Alterungswelle mit 34? Ein bisschen übertrieben, oder?

In der aktuellen Ausgabe von aponet wird von einer Untersuchung an der kalifornischen Stanford-Universität berichtet. Forscher erkennen angesichts der Blutzusammensetzung bzw. deren Änderungen (Zusammensetzung verschiedener Eiweiße) drei Alterswellen: mit 34, 60 und 78 – so die Studie – ändert sich die Blutzusammensetzung deutlich dramatischer als in den dazwischenliegenden Jahren. Ob dieser Befund kulturneutral und repräsentativ ist? Und wenn ja, finden sich diese Altersgrenzen auch als Gemütswandelschwellen im Bewußtsein des Einzelnen wieder? Vielleicht kann man es ja als Hausaufgabe betrachten, ob und was sich in der Selbstwahrnehmung beim Erreichen des jeweiligen Kippunktes ändert. Ich teile zumindest die Erkenntnis, dass Altern oder besser: das Gefühl gealtert zu sein, kein kontinuierlicher Prozess, sondern eher eine Schub- oder Wellenbewegung darstellt.

Nachdenken über das Alter

Nachdenken über das Alter

Wenn man mal ehrlich ist: der Tod ist das einzig Gewisse im Alter. Um ihn auf Distanz zu halten, sind ganze Industrien in Sachen Ernährung, Bewegung und Bespaßung für uns tätig. Und sie haben Erfolg: der „dessen Name nicht genannt werden darf“, der Tod, bleibt tabuisiert. Sein finaler Auftritt ist sicher. Unabänderlich.Was soll man dann noch darüber reden? Nur wenigen fällt da noch etwas zu ein. Wer sein individuelles Verdrängungsprogramm mal kurz aussetzen will, um wenigstens ein paar schwerer wiegende Gedanken zum Ableben zu überdenken, dem kann ich nur Odeo Marquards Büchlein ans Herz legen.Der frühere Chef der deutschen Universitätsphilosophie ist – leider auch er – vor ein paar Jahren verstorben. Der Reclam Verlag – bei dem Marquard bevorzugt publizierte – hat eine verdienstvolle Auswahl seiner altersbezogenen Texte mit einem sehr persönlichen Interview angereichert. Aus meiner Sicht eine der best denkbaren Pausen im Verdrängungsdauerlauf.

Der Reiz von Zitaten

Gute Zitate sind die Kurzfassung einer ganzen Geschichte. So wie sich in einem Wassertropfen der ganze Himmel spiegeln kann, kondensieren sie einen weit greifenden Gedanken in einer kristallinen Form. Eine Zitat-Trouvaille als Beleg:

Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden,
sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen.
Oliver Wendell Holmes ( amerkanischer Arzt und Autor des 19. Jahrhunderts)

Das Tempo der Lebenszeit

Mit Blick in unsere Geburtsurkunde finden wir unser objektives Alter. Dazu kommt ein subjektiver Blick auf sich selbst und andere, die sich zum Vergleich anbieten. Oft hält man sich für jünger, manchmal auch für älter. Schulklassentreffen warten immer wieder mit dem selben Phänomen auf: wo früher maximal drei Jahre Altersunterschied herrschten, weitet sich die Skala beim ersten Hingucken auf gut 15 Jahre. Bei manchem rinnt die Lebenszeit schneller aus dem Stundenglas.

Natürlich wissen wir, dass Schicksalsschläge, aber eben auch unsere Lebensweise die Fliessgeschwindigkeit dieses Stundenglaes durchaus beeinflussen können. Nun hat die AOK einen Fragebogen ins Netz gestellt, der einem sein „wirkliches Alter“, also nicht das von der Geburtsurkunde, verrät. Interessant sind die Fragen, die die Gesundheitsstatistiker herausgesucht haben, um ein Tachometer für die Ablaufgeschwindigkeit unseres Lebens zu „konstruieren“. Gucken Sie doch mal rein.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen