12.10.2026 | Allgemein, Alter, Finanzen, Rente, Vorsorge, Wohnen, Zukunft
Ein einfacher Zahlenvergleich macht deutlich, dass die Verlagerung des Wohnortes ins Seniorenheim eine kaum mehr tragbare finanzielle Belastung darstellt.
Auf der Renteneinkunftsseite sieht es aktuell (seit Juli 2026) folgendermassen aus: Die Altersrente von Rentnern im Westen ist von 1.392 Euro um 59 Euro auf 1.451 Euro gestiegen (Werte gerundet und brutto), im Osten von 1.463 Euro um 62 Euro auf 1.525 Euro. Bei Rentnerinnen im Westen ist die Rente von 876 auf 913 Euro (+ 37 Euro) und im Osten von 1.271 Euro auf 1.325 Euro gestiegen (+ 54 Euro). (Quelle: Vermögenszentrum.)
Auf der Ausgabenseite gab es folgende Änderungen:
Wer in einem Pflegeheim wohnt, zahlt im Bundesdurchschnitt zum 1. August 2026 aus eigener Tasche 3.236,89 Euro monatlich dazu. Das sind gut 40 Prozent mehr als im Jahr 2021 und immerhin 7,7 Prozent mehr als noch im Dezember 2025. Diese Zahlen kann man einer Analyse von pflegemarkt.com entnehmen. Danach hat das Unternehmen aktuell die Kostendaten von 11.378 Pflegeheimen ausgewertet und somit gut 97 Prozent aller vollstationären Einrichtungen in Deutschland erfasst. Dabei zeigen die monatlichen Eigenanteile laut Analyse im Vergleich der Bundesländer erhebliche Unterschiede auf. Am teuersten ist es danach im Saarland mit durchschnittlich 3.665,52 Euro, gefolgt von Bremen (3.569,80 Euro) und NRW (3.519,88 Euro). Die niedrigsten Eigenanteile müssen Pflegeheimbewohner*innen in Sachsen-Anhalt zahlen – nämlich 2.788,27 Euro im Monat.
Weitere Unterschiede gibt es auch bei den Trägerarten: Gemeinnützige Träger weisen mit 3.353 Euro die höchsten durchschnittlichen monatlichen Kosten auf, die von den Bewohnenden selbst bezahlt werden müssen. Kommunale Träger liegen mit 3.341 Euro auf ähnlichem Niveau. Private Träger zeigen im direkten Vergleich mit 3.071 Euro pro Monat die niedrigsten Durchschnittskosten. (Quelle: Deutscher Verband der Leitungskräfte der Alten- und Behindertenhilfe e.V., kurz: DVLAB). Ob sich die Unterschiede durch besseres Heimmanagement oder durch schlechteren Personalschlüssel ergeben, ist so nicht pauschal zu bewantworten. Egal, die Unterschiede sind nun auch wieder nicht so groß, dass man die Zuhause-Bleiben-Variante ausklammern könnte.

Das wird wohl nicht reichen… (Photo von Micheile Henderson auf Splash)
Die Schere zwischen Renten-Einnahme und Pflegeheim-Ausgabe wird angesichts unserer demographischen Situation immer weiter auseinanderlaufen. Eine Strukturreform muss und wird kommen. Aber wann? Solange man in der Lage ist, sich Zuhause – vielleicht auch mit Hilfe von Freunden oder Familienangehörigen – halbwegs zu versorgen, spricht alles dafür, eher hier zu investieren (Treppenlift, barrierefreies Bad, etc.). Es ist aber nicht nur das zu wenig vorhandene eigene Geld, das den Sprung ins Heim erschwert. Denn selbst bei sozialen Events bleibt man ja im Heim immer unter alten Menschen. Die Impulse, die der Umgag mit Jüngeren möglich macht, bleiben mehrheitlich dem eigenen Zuhause vorbehalten. Und genügend Studien belegen, wie wichtig es ist, auch im Alter sozial aktiv zu bleiben – generationsübergreifend! Das kann die „Spielstunde“ mit der jungen Pflegerin kaum ausgleichen. Klar, das schreibt sich alles leichter runter als es sich realisieren lässt. Aber die Fakten kann man nicht uminterpretieren. Der Staat wird in absehbarer Zeit nicht mehr in der Lage sein, die Differenz zwischen Heimrechnung und Bewohnerrenteneinkünften im noch höheren Masse auszugleichen. Darauf sollte man sich besser schon heute vorbereiten!
03.04.2019 | Allgemein, Arbeitswelt, Demographie, Finanzen, Geschäftsinteresse, Konsum, Psychologie, Staat
In den letzten Wochen war auf vielen Kanälen zu sehen, hören und lesen, dass die Babyboomer weitflächig den frühen Ausstieg aus dem Arbeitsleben suchen. Verschiedene Modelle des Ausstiegs sind je nach Arbeitgeberinteresse und Eigenbereitschaft zu kompensatorischen Vorauszahlungen möglich. Aber das Detail spielt hier keine Rolle. Wie kann es sein, dass eine Generation, die es so gesund und sorgenfrei wohl noch nie in diesem Land gegeben hat, sich lemmingshaft um Frühverrentung bemüht? Fake news? In diesen Zeiten muss auch diese Frage erlaubt sein. Ich habe jedenfalls nirgends genauere Zahlen nachlesen können. Aber nehmen wir an, es stimmt. So fallen mir zwei Erklärungsmuster btw. Trigger ein: Weg vom Job und rein ins Rentenvergnügen. Bei Möglichkeit eins lässt sich fragen, ob die Fluchtwilligen den falschen Job gewählt haben, ob die Arbeitgeber es an Sensibilität im Umgang mit älteren MitarbeiterInnen fehlen lassen oder ob die aktuelle Debatte um KI und Roboter so verstörend wirkt, dass man sich so schnell es geht von Bord des Arbeitsschiffes Deutschland machen will?

Image by Sarah Lötscher from Pixabay
Alternativ lockt die schöne, neue Rentenwelt. Und dies verlockender als all die vermeintlich gut passenden Jobs: die vorangegangenen Generationen sowie auch die folgenden blicken neidvoll auf die finanziellen Möglichkeiten der Babyboomer-Generation. Sicher gibt es Ausnahmen, aber im statistischen Mittel verfügt diese Generation über eine einzigartige Finanzausstattung. Sind es nun die Reisen, das Ferienhaus im Süden oder in Schweden? Die Lust am Coachpotato-Dasein wird jedenfalls kaum hörbar als Grund für die neue Rentenseligkeit genannt. Von der Bereitschaft, sich in der Gesellschaft zu engagieren ist auch immer wieder dieRede. Aber muss man dafür gleich verfrüht in Rente gehen? „Sich selbst so eigentümlich fremd“ lautet eine lyrische Zeile. Ich bin jedenfalls gespannt, was Demoskopen und Soziologen dereinst über die Motivation der Babyboomer, sich so früh wie möglich aus dem Arbeitsleben zu verabschieden, veröffentlichen werden. Vielleicht aber grätscht die Politik im Interesse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (bezahlbare Rente für die Jüngeren) noch in die bekundeten Pläne hinein?
15.10.2016 | Allgemein, Demographie, Finanzen, Gesundheit, Staat, Wissenschaft
Vor einiger Zeit wurden in Deutschland Zahlen mit durchschnittlicher Lebenserwartung diskutiert. Die reiche Gemeinde Starnberg führte die durchschnittliche Langlebigkeitsliste an. Und es war ein kleinerer Ort in NRW, der die geringste durchschnittliche Lebenserwartung aufzuweisen hatte. Erwartungsgemäß lag dort auch das Wohlstandniveau unter dem Bundesdurchschnitt. Diese Daten sind natürlich ein Geschenk für die Verkünder einfacher Wahrheiten: arm stirbt man früher, reich lebt sich´s länger. Aber wie so oft ist die Wahrheit komplexer. Der Economist zeigt anhand des Beispiels USA, dass diese simple Gleichung nicht stimmt. Egal, was wir von Clinton oder Trump halten, dass Amerika ein reiches Land ist, wird niemand bestreiten. Genau so wenig steht in Frage, dass die USA eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt haben. Und dennoch: mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 67 Jahren für Männer und 70 Jahren für Frauen sind sie die Nation mit den niedrigsten Werten aller Erstweltländer. Viel Geld allein sorgt noch lange nicht für hohe Lebenserwartung. Das Leben zeigt sich wieder einmal komplizierter. Die Forschung darf weitergehen.