Immer mehr erforschen das Alter

Da der Anteil der Alten (wo das anfängt, kann man beliebig individuell festlegen) an der deutschen Gesamtgesellschft laufend zunimmt, ist es kein Wunder, dass sich das wissenschaftliche Interesse am Alterungsprozeß und allem was dazugehört parallel aufwärts entwickelt. In welchem Ausmaß dies der Fall ist, könnte man sich vom 6. bis 8. September betrachten. Denn dann findet der gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) in Köln statt. Mehr als 1000 deutsche Altersforscher und Pflegekräfte werden sich versammeln. DGGG-Kongresspräsidentin Professorin Ursula Müller-Werdan benennt die Absicht: „Unser Ziel beim Kongress ist Vielfalt. Wir versuchen, einen gemeinsamen Forschungsansatz zu denken, wo man Alterskrankheiten aus den Alterungsprozessen heraus versteht – biologisch, medizinisch, psychologisch und sozial.“ Angesichts von Hauptvorträgen wie „Erfolgreiches Altern bei Hundertjährigen“ oder „Big Data im Gesundheitswesen“ ist es fast schade, dass nur Pressevertreter, aber keine Öffentlichkeit zugelassen ist. Aber vielleicht berichten ja die Medien…Wer es noch genauer wissen will, kann hier nachlesen.

Was man noch zu sagen hätte…

Was man noch zu sagen hätte…

Als vor elf Jahren dieser Blog sein Netzleben begann, war „Altern“ noch ein kauziges Thema, eher ein Un-Thema. Heute kann man Altern durchaus mit dem Schmuckadjektiv „sexy“ versehen. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Halb- oder Vollpromi etwas über seine Haare, sein erschlaffendes Gewebe, seine veränderten Ess- und Bewegungsgewohnheiten zum Besten gibt. Und alle Welt scheint interessiert. Warum? Weil die dickste Stelle in unserer demogrphischen Rübe mit den Babyboomerjahrgängen mittlerweile über die 50 hochgerutscht ist. Eine alternde Gesellschaft verändert ganz natürlich ihre Interessenschwerpunkte.  Die klassich dritte Lebensphase, das Alter, wurde geteilt. Im ersten Teil, der mittlerweile bis an die 80 Jahre reicht, ist eine neue Kernzielgruppe entstanden. Von Seniorenreisen (die nicht mehr so heißen) über Gerätschaften, die früher nur in Satinärhäusern zu kaufen waren, bis zu speziellen Kochbüchern und Mobilisierungskursen haben sich ganz Industriezweige einen neuen Markt mit noch überwiegend gut finanzierten Kunden erschlossen. Um das, was danach kommt, hüllt sich auch heute noch weitgehendes Schweigen. Hospiz und Sterben bleiben weitflächig tabuisiert.

ISBN-13:9783961114375

 

Mit einem ausgesprochen hilfreichen Buch ist Margarete Buhl der Brückenschlag zwischen erstem und zweiten Alter glungen. „Mach es Deinen Nachfahren leicht, mit Deinem Tod zurecht zu kommen!“ könnte man ihr Credo überschreiben. Es ist eine Anleitung für die letzten Hausaufgaben, die wir hier auf Erden zu machen haben. Besser und einfacher, wenn wir uns früher dransetzen. Später könnte es in und um uns zu dunkel dafür sein. Sie rät zur Beschäftigung mit dem eigenen Tod. Nicht um seiner selbst Willen, sondern um jenen, die trauernd zurückbleiben, das Schwere möglichst leicht zu machen. Und sie hat Recht damit: Wer sich je um einen Nachlaß kümmern musste, ahnt wie hilfreich es wäre, wenn man von Beerdigungszeremonie über Testament und Nachlaßfotos bis zu Bank- und Finanzierungsmodalitäten alles gut geordnet vorfinden würde. Meist ist das aber nicht der Fall. Wer das gut zu lesende (angenehme Schriftgröße, kurze Absätze, einfache Sprache) Buch „Vorkehrungen, Erinnerungen, Nachlass“ durchgearbeitet hat, weiß, dass er seinen Lieben nach dem eigenen Tod das Leben so leicht wie möglich gemacht hat. Es ist für (fast) alles gesorgt. Das beruhigt. Die Autorin fragt einen nach Versicherungsnummern und Kindheitserinnerungen – und all dem anderen, was für die Nachfahren von Belang sein könnte. Sie gibt dem Leser freie Zeilen, um alles zu notieren. Wer mal versucht hat, eine Patientenverfügung oder für den Demenzfall eine Betreuungsverfügung zu erstellen, wird sich über die sehr direkte und zielführende Unterstützung dieses Buches freuen. Auch Kompliziertes lässt sich einfach formulieren. Schlimmstenfalls sagt uns Frau Buhl, an wen wir uns wenden sollten, um auch Schwieriges zum Abschluß bringen zu können. Ich bin kein Freund des anschleimenden IKEA-Geduzes, aber Margarete Buhl versteht es, einen mit ihrer gezielt einfachen Sprache so anzurühren, so zu motivieren, dass in Ihrem  „Du“ ein warmer, aufrufender Ton mitschwingt. Daher nimmt man sich zumindest sofort vor, möglichst bald die letzten Hausaufgaben in Angriff zu nehmen. Ich werde dem Buch einen bevorzugten, auffälligen Platz in meinen Regalen einräumen.

Nemo und wir

Nemo und wir

Durch den Clownfisch aus den Pixar-Studios, Nemo, haben viele etwas über die enge Symbiose von Seeanemone und Clownfischen gelernt. Das schien und scheint aber wenig bis gar nichts mit uns zu tun zu haben. Ein grosser Irrtum. Wir selbst sind als Individuen Wirte für Millionen und Milliarden von Kleinstlebewesen, die uns – meist zum gegenseitigen Vorteil – besiedeln. Man kann nicht behaupten, dass dies Faktum besonders im Fokus von Tagesjournalismus oder Wissenschaft liegen würde. Heute aber kommt der Hinweis, dass die Universität zu Jena fünf Millionen Euro Fördergeld von Bund und Land bekommt, um das Verhältnis von Mensch, seinen Bewohnern und ihrer Wirkung auf das Alter zu untersuchen. Der Name des neuen Forschungsschwerpunktes lautet „Mikrobiom und Altern“. Wobei „Mikrobiom“ der Fachtitel für das Gebrause und Gesumse in und auf uns ist. Ob hier neue Kausalketten entdeckt werden, die mit dem Alterungsprozess verbunden sind?

Nemo und die Seeanemonen haben mehr mit uns gemeinsam als wir glaubten

Man darf gespannt sein. Vielleicht hält uns der Informationsdienst Wissenschaft auf dem Laufenden. Jedenfalls kommt mit dem Mikrobiom ein neuer Akteur auf die Bühne des Alterns. Bewegung, Ernährung, Sozialaktivitäten: das hatten wir ja alles schon. Dass nun andere an Fortentwicklung oder Verkalkung unserer Muskeln und Nerven massgeblich beteiligt sind, schlägt m.E. ein neues, spannendes Kapitel in unserem Buch des Alterns auf.

Zukuft – Pfeifen im Nebel

Zukuft – Pfeifen im Nebel

Zukunftsvorhersagen haben eine lange Tradition: die Römischen und Etruskischen Auguren lasen aus Tiereingeweiden oder aus der Form von Blitzen die Zukuft ab. Der eine oder die andere wird sich beispielhaft noch an „Asterix und der Seher“ erinnern. Schon dort fiel der Zukunftsforscher nicht unbedingt duch hohe Integrität auf…
Die Figur der Weissagerin, die in einer Glaskugel mehr sieht als der interessierte Kunde, hat sich vereinzelt bis heute auf Jahrmärkten und Zirkusveranstaltungen gehalten. Zukunft war und ist halt immer spannend! Die Zukunfsforscher sind die Auguren der Jetztzeit. Zwar benötigen sie keine Kadaver, sondern Statistiken und Excel-Dateien, aber Ruf und Richtigkeit ihresTreibens haben noch immer den Hautgout der Quacksalberei. Die Geschäfte laufen dennoch gut. Welcher Politiker will schon auf gut Glück Steuergelder ohne sichere Beweislage in Zukunftsprojekte investieren?
Wie sehr Zukunftserwartungund Wirklichkeit bisweilen auseinander laufen, hat Joachim Radkau in seiner Geschichte der Zukunft (Hanser Verlag) für die Nachkriegszeit bis heute sehr ausführlich – manchmal auch ein wenig ermüdend detailverliebt – dargestellt. In jedem Falle – so die arg verkürzte These – sollte man seehr vorsichtig sein, wenn jemand mit gesicherten Prognoseergebnissen daherkommt.

Auch hiermit wird der Blick ins Morgen nicht genauer

Lange Rede, kurze Botschaft: bald gibt´s mehr Kinder und daher auch mehr Schüler. So prognostiziert jedenfalls eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung (https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/startseite/) den verantwortlichen Bundsländern baldige Gebäude- und Lehrerkanppheit. Steigende Geburtenraten und kontinuierliche Zuwanderung würden die 7,2 Millionen SchülerInnen, von denen die Kultusministerkonferenz für das Jahr 2025 ausgeht, um 1,1 Millionen überschreiten und die Gesamtzahl von 8,3 Millionen ergeben. Alter Schwede! Aber hatten wir nicht mal einen Ingenieursboom als niemand Ingenieure einstellen wollte? Und war da nicht auch mal von Lehrerschwemme die Rede? Und vor zwei, drei Jahren versuchten einzelne Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern anderen die LehrerInnen mit frühzeitigen Verbeamtungsangeboten abspenstig zu machen. Ob die Prognose diesmal hält was sie verspricht? Die Zukunft ist halt mehr als die Verlängerung der Linie, die aus der Vergangenheit über das Jetzt ins Morgen führt. Skepsis kann da nie schaden. Sie fragen, was das jetzt mit meinem Altersthema zu tun hat. Nun ja: schaut man sich die wachsende Welle von Studien an, die ein so oder so beschaffenes Altern für die Zukunft beschwören, ist vielleicht auch hier altersweises Abwarten das bessere Mittel als der blinde Verlaß darauf, dass schon alles so kommen wird, wie vorhergesagt.Vielleicht. Merke: Die Zukunft ist offen!

Altern im Kloster – vielleicht vorbildlich

Altern im Kloster – vielleicht vorbildlich

Klöster bilden in gewisser Weise eine Avantgarde unserer Gesellschaft. Unsere – gemessen an den Herkömmlichkeiten – ungesunde demographische Entwicklung nehmen die Klöster dramatisch vorweg: fast kein Nachwuchs und immer weniger Bewohner führen zur Schliessung vieler Klosteranlagen. Dem kann man sich in stiller Demut beugen oder/und das Geschehen zum eigenen Forschungsobjekt erheben. So geschehen an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV). Die  Ordensgemeinschaft der Pallotiner lebt vor allem in Deutschland und Österreich. Die in Vallendar beheimatete Hochschule hat interessanter Weise zwei Fakultäten, eine theologische und eine pflegewissenschaftliche. In einem gemeinsamen Projekt wird momentan der Frage des guten Alterns in den 14 pallottinische Kommunitäten (Gemeinschaften) nachgegangen. Auch wenn erst Zwischenergebnisse vorliegen, dürften sie über den kleinen Kreis der Pallotiner hinaus Interesse finden. Denn Begrifflichkeiten wie „eingeschränkte Beweglichkeit“  oder „eingeschränktes Hörvermögen“ zeigen ja keine spezifisch katholische Problematik. Und die von den Bewohnern angemerkten positiven Aspekte ihres Zusammenlebens in klösterlicher Gemeinschaft sind durchaus auf unsere Gesamtgesellschaft übertragbar: man freut sich darüber,  im Alter nicht alleine sein zu müssen. Darüber hinaus werden die Sorge füreinander sowie die materielle Absicherung durch den Orden als sehr positiv bezeichnet. Die auseinander driftende Schere von immer höheren Mieten in den Ballungsgebieten und (trotz aller politischen Nebelkerzen) sinkendem Renteneinkommen legen gemeinsames Wohnen im Alter nachhaltig nahe. Im Juni sollen weitere Forschungsergebnisse veröffnelticht werden. Aber schon jetzt wird deutlich: Klostergemeinschaften haben Vorbildcharakter für die Frage nach dem richtigen Arrangement für ein zufriedenes Leben im hohen Alter.