Forschung im stillen Winkel?

Forschung im stillen Winkel?

Auf den ersten Blick sollte man doch denken, dass relativ unbekannte Forschungsinstitutionen sich mit eher randständigen Themen beschäftigen. Schwerionen, Versicherungsmathematik, Bergblumen und dergleichen. Die bekannten dagegen – wie zum Beispiel das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum – kennt man, weil die Presse sie mit einer intensiven Berichterstattung würdigt (Gerstl in der Erdumlaufbahn). Aber wußten Sie, daß es ein Deutsches Zentrum für Altersfragen gibt? Und das schon seit ein paar Jahrzehnten. Ich bin durch Zufall darüber gestolpert. Vielleicht liegt die relative Verborgenheit daran, dass die Politikberatung nicht nur einen von drei Arbeitsschwerpunkten stellt, sondernden womöglich den wichtigsten?

Fotoausschnitt vom Internetauftritt des DZA

 

Daneben geht es dem Zentrum noch um soziologische und demographische Forschung rund um das Alter und um Informationsdienste. Na ja, es gibt eine umfangreiche Bibliothek zum Thema Alter, aber ausleihen darf man sich dort nichts; aber immerhin darf man vor Ort in Berlin Kopien machen. Vielleicht ist der angebotene Newsletter ein Mittel, um sich ein etwas klareres Bild über die Arbeit, vielleicht sogar die Verdienste dieser Forschungsinstitution (im vermeintlichen Dornröschenschlaf) zu machen. Probieren Sie es doch einfach mal hier aus. Vielleicht kommt diese stille Forschungseinrichtung doch noch mal ganz groß raus. Denn vom Thema her könnte, ja müsste das Deutsche Zentrum für Altersforschung doch wöchentlich in den Nachrichten von sich reden machen. Mit wachsender Tendenz.

Mal Luft machen

Mal Luft machen

Angesichts der vielen Ernährungs- und Bewegungstips, -verbote und -gebote könnte man auch mal zu der Ansicht kommen: Rutscht mir den Buckel runter, liebe Ratgeber, mit Euren Vorhaltungen! Nun haben wir gerade wieder schlechten Gewissens gelernt, dass Salz, Zucker, Alkohol und rotes Fleisch ganz, ganz böse sind, da kommt uns der nächste ins Haus, der ein noch höheres Maß an Bewegung einfordert. Der ratsuchende, alternde Mensch lädt sich mit jedem bestellten oder auch nur durch Zufall (beim Zahnarztbesuch) aus der Illustrierten entnommenen Hinweis zum gesunden Altern – wahlweise zum Anti-Aging, Soft-Aging und dergleichen mehr – Frust auf: so gesund, so sportlich, so sozial aktiv bin ich halt nicht. Also werde ich früher und schlechter sterben als all die Anderen, die sich für die Einhaltung ihrer jeweiligen Ratgeberziele quälen.

Salznapf

Auch hier nur Elend drin: der Salznapf

Ja, von nichts kommt halt nichts! Wer morgens und abends nicht genügend für sein Ausdauervermögen arbeitet, der stirbt früher. Wer sein Frühlingsei mit dem silbernen Salzfässchen ein kleines weißes Krönchen aufsetzen will, stirbt noch früher. Und wer fußfaul mit seinem Glas Rotwein vor dem Fernseher sitzt – ja, der ist eigentlich schon tot. Mein Gott: branchenübergreifend ist die Verängstigungsindustrie unterwegs, um die stärkste Altersgruppe in Deutschland noch ordentlich auf Trab zu halten. Ob es wirklich die nun künstlich gestressten Altens sind, die davon am meisten profitieren? Ich habe da meine Zweifel.

Entzündungen als Alterungsbeschleuniger

Entzündungen als Alterungsbeschleuniger

Wir hören laufend etwas zu den Themen Ernährung, Sport, Gewicht oder soziales Umfeld als Faktoren, die auf die Geschwindigkeit des Alterungsprozesses einwirken. Meist tappen wir aber über die Ursachen im zellulären Bereich im Dunkeln. Also die Frage, warum etwas hilfreich oder abträglich für den Alterungsprozess ist. Zum Titelthema gibt es jetzt jetzt eine nicht ganz leichte, aber doch transparenzschaffende Lektüre. Es ist ein Blick in den Laborraum der Wissenschaft, der uns heute noch nicht mit Ableitungen und Tipps versorgen kann, der aber hoffen lässt, dass der Automatismus der sich vermehrenden Entzündungen im alternden Körper in absehbarer gebremst werden könnte. Forscher des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena benennen den Cohesin/Rad21-Komplex als Verstärker für Entzündungssignale in den Blutstammzellen. Diese sind für das Altern des blutbildenden Systems zuständig. Dass den Blutstammzellen eine Schlüsselposition im Alterungsprozess zukommt, scheint klar. Nun wird sich die Forschung auf die Frage verlegen, wie genau der Cohesin-Komplex an/in den Blutstammzellen wirksam wird. Ob und wie dieser Prozess manipulierbar ist, wird die Zukunft zeigen. Vielleicht reichen die Erkennstnisse für Hinweise auf bewusste Verhaltensänderungen, die der Einzelne übernehmen oder übergehen kann. Das gefiele mir besser als medizinische Eingriffe auf dem Weg zum optimierten Homo Sapiens.

Anzünden kann gut gehen – Entzünden kaum.

Nachdenken über das Alter

Nachdenken über das Alter

Wenn man mal ehrlich ist: der Tod ist das einzig Gewisse im Alter. Um ihn auf Distanz zu halten, sind ganze Industrien in Sachen Ernährung, Bewegung und Bespaßung für uns tätig. Und sie haben Erfolg: der „dessen Name nicht genannt werden darf“, der Tod, bleibt tabuisiert. Sein finaler Auftritt ist sicher. Unabänderlich.Was soll man dann noch darüber reden? Nur wenigen fällt da noch etwas zu ein. Wer sein individuelles Verdrängungsprogramm mal kurz aussetzen will, um wenigstens ein paar schwerer wiegende Gedanken zum Ableben zu überdenken, dem kann ich nur Odeo Marquards Büchlein ans Herz legen.Der frühere Chef der deutschen Universitätsphilosophie ist – leider auch er – vor ein paar Jahren verstorben. Der Reclam Verlag – bei dem Marquard bevorzugt publizierte – hat eine verdienstvolle Auswahl seiner altersbezogenen Texte mit einem sehr persönlichen Interview angereichert. Aus meiner Sicht eine der best denkbaren Pausen im Verdrängungsdauerlauf.

Altersbericht „mit viel Witz und Selbstironie“

Das Körber-Forum in Hamburg lädt zu einem Gespräch mit dem Spiegel-Autor Dieter Bednarz ein. Unter dem Titel „zu jung für alt“ hat er ein biographisch geprägtes Buch über das Älterwerden geschrieben. Wer Zeit hat und in der Gegend ist, kann sich so vorab persönlich davon überzeugen, ob der Kauf lohnt. Hier geht´s zur Anmeldung.

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