Schluß mit lustig; ich mach´s jetzt selber!

Schluß mit lustig; ich mach´s jetzt selber!

Nach 25, 30 Berufsjahren packt so manchen die Frage: „Das soll´s jetzt gewesen sein?“ Denn nicht alle Berufe füllen einen aus. Nicht alle Unternehmenskulturen sind so gestrickt, dass man morgens gerne den Weg in die Firma, die Fabrik, das Büro antritt. Frührente? Nicht nur angesichts der augenblicklichen Inflation für die meisten eine No-go-Area. Also nochmals 10,15 Jahre innere Emigration oder Stellenwechsel? Man kennt die Branche und weiß oft gut genug, dass bei der direkten Konkurrenz der Rasen auch nicht grüner gedeiht. Der notwendige Mut zum großen Neustart in einer anderen Branche ist vielen nicht gegeben. Sollte es dennoch bis zur Bewerbung reichen, wird man mit 50+ oft darauf hingewiesen, dass man ja aus einer anderen Branche käme und (das folgt dann eher zwischen den Zeilen) man ausserdem in dem Alter ja nicht mehr lernfähig und flexibel genug wäre. Die netten Hochglanzflyer aus den Personalabteilungen sind das eine. In ihnen wird Wert und Würde der alternden Workforce über den grünen Klee gelobt. Geht ja auch angesichts unserer demographischen Entwicklung kaum anders. Aber wenn der Zugriff auf junge Bewerberinnen und Bewerber möglich ist, landen die Flyer schnell im Aktenschrank.

Letzte Ausfahrt Selbstständigkeit?

„Ja eigentlich habe ich ja genug Markterfahrung, um es auch allein zu versuchen.“ So oder ähnlich mag die Kopfgeburt des Selbstständigmachens beginnen. Aber dann wird deutlich: es gibt keine Assistenz, keine Kollegen, keine Justiziarin, keine Einkaufabteilung, kein Marketing, kein Vertrieb etc. Also alles selbst und ständig! Nach diesem Gedankengang sehen viele nur noch das STOP-Schild vor dem Abbiegen auf diesen alternativen Berufsweg. Na klar, es gibt Existenzgründungshilfe vom Job-Center. Das mag für den Start reichen, aber nach kurzer Zeit befinde ich mich völlig solo im resonanzfreien Raum meiner Selbstständigkeit. Dass kann so nicht funktionieren.

Nun scheint es eine ernsthafte Alternative, nein: Unterstützung für das Abbiegen in die Selbstständigkeit zu geben. Das Gründungszentrum 50plus baut auf eine wachsende Community Gleichgesinnter, mit deren Unterstützung der Weg dann doch gangbar sein könnte. Eben weil er nicht allein im resonanzfreien Raum passieren muss.

Nach dem Beitritt, der in verschiedenen (finanziellen) Schritten möglich ist, erhält man Zugang zu Sparringspartnern, Geschäftsideen, kollegialem Austausch oder Kooperationspartnern mit einem ähnlichen Mindtset. Ob das alles so toll ist, muss man natürlich ausprobieren. Aber von der Grundidee her gibt es in diesem Gründungszentrum genau all das, dessen Fehlen viele vom Selbstständigmachen abgehalten hat. Ich meine, wer diesen kleinen Risikoschritt nicht zu gehen wagt, der sollte das Schnuppern an der kalten Luft der Selbstständigkeit tatsächlich lieber beenden. Dass die benutzte Software  „denglischt“ („Sign in“, „Text me the app“ oder „Request to join“) ist wohl ein ärgerlicher Startfehler, aber davon sollte man sich nicht zurückhalten lassen.

Die Zahl der an Alzheimer Erkankten wird sich verdreifachen

Die Zahl der an Alzheimer Erkankten wird sich verdreifachen

Demenz und Alzheimer sind längst bekannte Alterserkrankungen. Eine Reihe von Ansätzen, wie man sie eingrenzen oder sogar stoppen kann, gibt es. Bislang hat aber keiner dieser Ansätze zu einem Durchbruch geführt. Daher ist es vernünftig, der Prävention besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Emma Nichols von der University of Washington geht von einem Wachstum der demenzverwandten Krankheiten von 57 Millionen 2019 auf 153 Millionen weltweit Erkrankte im Jahre 2050 aus. Also beinahe eine Verdreifachung. Allerdings fällt die Zunahme regional sehr unterschiedlich aus. Europa und die fortgeschrittenen Teile Amerikas und Asiens werden bedeutend niederige Steigerungsraten sehen als Afrika und der arabische Raum. Japan – jetzt schon überaltert – wird mit nur 27% die geringste Zunahme prognostiziert.

Denken fällt schwer

Alzheimerportrait von Rad Cyrus, unsplash: „Kommt der Gedanke noch?“

Warum diese Unterschiede? Demographische Entwicklungen, Aufklärungsarbeit und kulturelle Prägungen ergeben hier ein Begründungsstrang, der nicht einfach aufzulösen ist. Beispielsweise zeigen sich Deutschlands Gesundheitswächter momentan besonders sensibel für die Folgen von Alkohol. Die Gefahr für unser Leben wird mit immer detaillierteren Studien belegt. Alkohol wird bei uns auch gerne als Mitverursacher von Demenz und Alzheimer genannt. Alkohol – so kann man sagen – hat mittlerweile den Tabak als Hauptbösewicht abgelöst. Aber im arabischen Raum ist Alkohol aus religiösen Gründen verpönt. Dennoch werden hier die höchten Wachstumsraten für Alzheimer und Co. angenommen. Alles-über-einen-Kamm-Scheren funktioniert also nicht. Daher konzentrieren sich die kulturübergreifenden Präventionsempfehlungen auf vier Kernfaktoren, deren begünstigender Einfluß auf die Entwicklung der „Vergessenskrankheiten“ unstrittig ist: Rauchen, Übergewicht, geringe Bildung und zu hoher Blutzuckerspiegel. Das sind sicherlich Hinweise, die der einzelne ernstnehmen oder – bei günstigen Voraussetzungen – auch umsetzen kann. Selbstverantwortung schön und gut. Aber der Staat darf sich auch nicht wegducken. So zitiert das Wissenschaftsmagazin scinexx das US-amerikanische Fachblatt The Lancet mit den Worten: „Vor allem Länder mit geringem und mittlerem Einkommen sollten nationale Programme initiieren, um ihrer Bevölkerung Bildung und eine gesunde Lebensweise zu ermöglichen und nahezubringen“, sagt Koautor Theo Vos von der University of Washington. „So ist es wichtig, strukturelle Ungleichheiten beim Zugang zu Gesundheits- und Sozialversorgung anzugehen, vor allem angesichts einer immer älter werdenden Bevölkerung.“ (The Lancet Public Health, 2022; doi: 10.1016/S2468-2667(21)00249-8)

Mit einem Treppenlift länger Zuhause

Mit einem Treppenlift länger Zuhause

Altes Holzhaus mit steiler Treppe

Schwierig, aber für einen modernen Treppenlift kein Problem                                                                                                                Bild von Peter H auf Pixabay

Treppenlifte können Menschen glücklich machen. Sie ermöglichen den Verbleib im gewohnten und meist geliebten Wohnbereich. Nach wie vor möchten die allermeisten Menschen ihren letzten Lebensabschnitt in den eigenen vier Wänden verbringen. Daran sind nicht nur die stetig steigenden Kosten für die Unterbringung in Seniorenheimen verantwortlich. „My home is my castle.“ Diese Überzeugung teilen nicht nur die Engländer. Oft aber wird die Treppe im Haus zum unüberweindlichen Hindernis. Hier kommt der Treppenlift ins Spiel. Die Angebote sind mittlerweile so vielseitig, dass es wohl kaum noch eine heimische Treppensituation gibt, in der nicht ein elektrischer Helfer eingebaut werden kann. Das Schöne ist, dass der Staat – bedacht darauf, die Sozialkassen vor möglischen Zuschüssen beim unvermeidbaren Wohnungswechsel ins Heim zu bewahren – die Anschaffung eines Treppenliftes in vielen Fällen unterstützt. Meist beschäftigt man sich mit der Frage eines möglichen Lifteinbaus ja erst, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das Internet quillt über von Angeboten, die einen vor die Qual der Wahl stellen. Und in dieser Situation ins Auto und einschlägige Geschäfte und Beispielwohnungen besichtigen? Das ist wohl für die allermeisten Betroffenen schlichtweg eine Unzumutbarkeit. Aber auf dieser Seite führen alle Wege zusammen: Man kann sich über bauliche Fragen genauso informieren wie über aktuelle Föderungen und die Angebote von vielerlei Firmen. Ja, bestimmt ist die/ der Besucher/in der Seite überrascht, wie viele unterschiedliche Arten von Treppenlift es mittlerweile gibt. Einmal mehr kann man feststellen: es gibt Internetseiten, die in schwierigen Lebenssituationen extrem hilfreich sind.

Selbstgemachtes Altern

Selbstgemachtes Altern

Gute Ernährung, viel Bewegung und soziale Kontakte: dass diese heilige Dreieinigkeit das Altern deutlich angenehmer machen kann, hat sich mittlerweile sehr weit herumgesprochen. Man reagiert darauf oder lässt es sein. Gut so. Aber nun kommt – oder besser gesagt: wird belegt – dass ein weiterer Faktor entscheidend über die Länge unseres Lebens mitbestimmt: unser Selbsbild im Alter. Befinden wir uns eher auf der skeptischen Seite und halten uns und anderen vor, was alles nicht mehr geht und funktioniert? Eher unproduktiv, weil wir so eine Abwärtsspirale bestätigen und beschleunigen. Wenn wir uns umgekehrt die guten Seiten des Alterns vor Augen halten, weniger Streß, mehr Zeit, mehr Erfahrung, gewachsene Souveränität oder was immer man sich auf der Habenseite notiert, setzen wir psychologisch eine positive Selbstbestätigung in Gang. Diese kann uns – so eine Studie aus dem Jahre 2002 von der Psychologin Becca Levy (Yale University) – bis zu 7,5 zusätzliche Lebensjahre  bescheren. Die Langzeitstudie belegte dies nicht nur statistisch, sondern auch mit neurologischen Fakten: Je schneller die Telomere (an den Chromosomenenden) sich verkürzen, desto zügiger eilt das Leben seinem Ende entgegen. Eine positive Sicht auf das eigene Altern kann den Verkürzungsprozess der Telomere nachweislich verlangsamen. Dieser Befund wurde nun durch eine neue Studie an der Uni Greifswald von der Tendenz her bestätigt. Entwicklungspsychologin und Alternsforscherin Susanne Wurm bilanziert »Für die Gesundheit und Langlebigkeit ist sowohl das Sich-jünger-Fühlen gut als auch eine generell positive Einstellung gegenüber dem Älterwerden«. Wenn es uns gelingt, beim Blick in den Spiegel das Positive zu erkennen, verlängern wir unser Auf-Erden-Sein.

Spiegelwahrheiten

Der Spiegel zeigt, was ich sehen möchte

Das Schöne ist, dass wir je nach Willenkraft und Glaube an den drei o.g. Klassikern der Altersverlangsamung arbeiten können. Alternativ können wir uns nun auf das „Umparken im Kopf“ konzentrieren. Ganz Mutige werden sich vielleicht in allen vier Bereichen engagieren. Sie werden mit selbstgeschenkten Jahren belohnt. Ich halte das für einen guten Deal.

Besser gebildet = später dement?

Besser gebildet = später dement?

Demenz ist eine Krankheit, der man bislang nur bedingt etwas entgegensetzen kann. Wenn wir das Gehirn als eine Art Muskel verstehen, ist regelmässiges Training sicher kein Fehler. Aber auch keine Garantie, keine Demenz zu bekommen. Ob studierte Menschen generell klügere Menschen sind, bezweifle ich stark. Jedoch legt nun eine Studie der Universität Umeå in Schweden (Spektrum deer Wissenschaft berichtet) nahe, dass Studierte tatsächlich mit höherer Wahrscheinlichkeit später Demenz bekommen als weniger Gebildete. Der aktive Aufbau von Wissen führt auch rein physisch zu einer größeren Wissensbasis. Der Abschmelzprozess wird „Hirnatrophie“ genannt. Dieser Verlust an Hirnvolumen geht sowohl mit normalen als auch mit krankhaften Alterungsprozessen (z.B. Demenz) einher. Mit dem Alter verkleinert sich das Volumen in Teilen der Großhirnrinde. Dasselbe galt für das Lern- und Gedächtniszentrum des Gehirns, den Hippocampus: Er schrumpfte um etwa 50 Kubikmillimeter pro Jahr, was rund ein Prozent seines Volumens ausmacht. Dieser Schrumpfungsprozess verläuft bei allen Menschen im Grunde gleich. Wer nun früher viel gelernt hat, hat einen größeren Vorrat, wird also auch bei identischer Abschmelzgeschwindigkeit noch mehr „Hirn“ haben als jene, die weniger gelernt haben. Also hat auch unnützes Lernen und Wissen zumindest im Alter seine positiven Seiten. Damit könnte man doch mal lernunwillige Studenten und -innen als „Extra-Lernmöhre“ zu locken versuchen.

Leuchtschrift: use your brain

Photo by Jesse Martini on Unsplash

 

 

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