Alterssex wird zum Wissenschaftsthema

Alterssex wird zum Wissenschaftsthema

 

Es liegt in der Natur – oft auch des Alters.  Image by PublicDomainPictures from Pixabay

 

Was Oma und Oma im Bett so machen, gehört zu den letzten verbliebenen Tabuthemen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die meisten auf diese nie gestellte Antwort mit „gar nichts“ antworten würden. Hier kann man mal wieder sehen, wohin Kenntnislosigkeit führt. An der Berliner Humboldt-Universität hat man sich desThemas angenommen und Erfreuliches festgestellt: Auch alte Menschen sind denkbar unterschiedlich veranlagt. Rund zwei Drittel der 60 bis 80-Jährigen sind sexuell weniger interessiert und aktiv als der Durchschnitt der 20- und 30-Jährigen. Jedoch gibt das restliche Drittel höhere Aktivitäten zu Protokoll als der Durschnitt der Spätjugendlichen. Weitere Forschungen sollen nun klären, in wieweit das späte Sexualleben die Lebensqualität und vielleicht auch -quantität beeinflusst. Wir dürfen gespannt bleiben.

Poetisches zu ersten Alzheimer-Befürchtungen

Poetisches zu ersten Alzheimer-Befürchtungen

Max Frisch hat sich in seinem „Berliner Journal“ (Suhrkamp, Berlin 2014, – hier S.88) nicht nur informativ über die ostdeutsche Kulturszene ausgelassen, sondern auch eine ganze Menge Introspektion betrieben. So hadert er auch mit seinem Erinnerungsvermögen – und dies sehr wortgewandt und unter Anwendung einer  persönlichen Grammatik:

Buchdeckel

Vorallem nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses. Die permanente Unsicherheit infolgedessen; ich habe neulich oder sogar gestern etwas gelesen, das Gespräch kommt darauf, und es fehlen mir Daten, Namen, etc.,. sogar die Erinnerung an meinem Gedanken dazu; ich weiss im Augenblick nur, dass ich es gelesen habe. Die Angst auch, dass man, was man im Augenblick sagen möchte, früher schon gesagt hat. Oder die anderen sagen: neulich haben Sie gesagt. Und ich kann mich nicht daran erinnern; ich habe es zu glauben, auch wenn es eine Unterstellung ist, mein Gedächtnis kann es weder bestätigen noch widerlegen. Mein Gedächtnis kann nicht verbürgen; man wird sich selber unglaubwürdig, und tut besser daran, zu schweigen. Nachher weiss ich aber nicht einmal, was ich verschwiegen habe; es entfällt mir noch leichter als das Gehörte, das Geschaute. Übrigens hält sich das Geschaute (ein Strassenbild, die Einrichtung einer Wohnung, die Landaschaft) besser im Gedächtnis als das Gedachte, das sich oft schon von einem Satz zum nächsten verliert. Man weiss nicht, was man hat sagen wollen. Das tritt immer häufiger ein.

Frührentenbegeisterung

Frührentenbegeisterung

In den letzten Wochen war auf vielen Kanälen zu sehen, hören und lesen, dass die Babyboomer weitflächig den frühen Ausstieg aus dem Arbeitsleben suchen. Verschiedene Modelle des Ausstiegs sind je nach Arbeitgeberinteresse und Eigenbereitschaft zu kompensatorischen Vorauszahlungen möglich. Aber das Detail spielt hier keine Rolle. Wie kann es sein, dass eine Generation, die es so gesund und sorgenfrei wohl noch nie in diesem Land gegeben hat, sich lemmingshaft um Frühverrentung bemüht? Fake news? In diesen Zeiten muss auch diese Frage erlaubt sein. Ich habe jedenfalls nirgends genauere Zahlen nachlesen können. Aber nehmen wir an, es stimmt. So fallen mir zwei Erklärungsmuster btw. Trigger ein: Weg vom Job und rein ins Rentenvergnügen. Bei Möglichkeit eins lässt sich fragen, ob die Fluchtwilligen den falschen Job gewählt haben, ob die Arbeitgeber es an Sensibilität im Umgang mit älteren MitarbeiterInnen fehlen lassen oder ob die aktuelle Debatte um KI und Roboter so verstörend wirkt, dass man sich so schnell es geht von Bord des Arbeitsschiffes Deutschland machen will?

Neonschild mit der Botschaft "Escape"

Image by Sarah Lötscher from Pixabay

Alternativ lockt die schöne, neue Rentenwelt. Und dies verlockender als all die vermeintlich gut passenden Jobs: die vorangegangenen Generationen sowie auch die folgenden blicken neidvoll auf die finanziellen Möglichkeiten der Babyboomer-Generation. Sicher gibt es Ausnahmen, aber im statistischen Mittel verfügt diese Generation über eine einzigartige Finanzausstattung. Sind es nun die Reisen, das Ferienhaus im Süden oder in Schweden? Die Lust am Coachpotato-Dasein wird jedenfalls kaum hörbar als Grund für die neue Rentenseligkeit genannt. Von der Bereitschaft, sich in der Gesellschaft zu engagieren ist auch immer wieder dieRede. Aber muss man dafür gleich verfrüht in Rente gehen? „Sich selbst so eigentümlich fremd“ lautet eine lyrische Zeile. Ich bin jedenfalls gespannt, was Demoskopen und Soziologen dereinst über die Motivation der Babyboomer, sich so früh wie möglich aus dem Arbeitsleben zu verabschieden, veröffentlichen werden. Vielleicht aber grätscht die Politik im Interesse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (bezahlbare Rente für die Jüngeren) noch in die bekundeten Pläne hinein?

Forschung im stillen Winkel?

Forschung im stillen Winkel?

Auf den ersten Blick sollte man doch denken, dass relativ unbekannte Forschungsinstitutionen sich mit eher randständigen Themen beschäftigen. Schwerionen, Versicherungsmathematik, Bergblumen und dergleichen. Die bekannten dagegen – wie zum Beispiel das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum – kennt man, weil die Presse sie mit einer intensiven Berichterstattung würdigt (Gerstl in der Erdumlaufbahn). Aber wußten Sie, daß es ein Deutsches Zentrum für Altersfragen gibt? Und das schon seit ein paar Jahrzehnten. Ich bin durch Zufall darüber gestolpert. Vielleicht liegt die relative Verborgenheit daran, dass die Politikberatung nicht nur einen von drei Arbeitsschwerpunkten stellt, sondernden womöglich den wichtigsten?

Fotoausschnitt vom Internetauftritt des DZA

 

Daneben geht es dem Zentrum noch um soziologische und demographische Forschung rund um das Alter und um Informationsdienste. Na ja, es gibt eine umfangreiche Bibliothek zum Thema Alter, aber ausleihen darf man sich dort nichts; aber immerhin darf man vor Ort in Berlin Kopien machen. Vielleicht ist der angebotene Newsletter ein Mittel, um sich ein etwas klareres Bild über die Arbeit, vielleicht sogar die Verdienste dieser Forschungsinstitution (im vermeintlichen Dornröschenschlaf) zu machen. Probieren Sie es doch einfach mal hier aus. Vielleicht kommt diese stille Forschungseinrichtung doch noch mal ganz groß raus. Denn vom Thema her könnte, ja müsste das Deutsche Zentrum für Altersforschung doch wöchentlich in den Nachrichten von sich reden machen. Mit wachsender Tendenz.

Mal Luft machen

Mal Luft machen

Angesichts der vielen Ernährungs- und Bewegungstips, -verbote und -gebote könnte man auch mal zu der Ansicht kommen: Rutscht mir den Buckel runter, liebe Ratgeber, mit Euren Vorhaltungen! Nun haben wir gerade wieder schlechten Gewissens gelernt, dass Salz, Zucker, Alkohol und rotes Fleisch ganz, ganz böse sind, da kommt uns der nächste ins Haus, der ein noch höheres Maß an Bewegung einfordert. Der ratsuchende, alternde Mensch lädt sich mit jedem bestellten oder auch nur durch Zufall (beim Zahnarztbesuch) aus der Illustrierten entnommenen Hinweis zum gesunden Altern – wahlweise zum Anti-Aging, Soft-Aging und dergleichen mehr – Frust auf: so gesund, so sportlich, so sozial aktiv bin ich halt nicht. Also werde ich früher und schlechter sterben als all die Anderen, die sich für die Einhaltung ihrer jeweiligen Ratgeberziele quälen.

Salznapf

Auch hier nur Elend drin: der Salznapf

Ja, von nichts kommt halt nichts! Wer morgens und abends nicht genügend für sein Ausdauervermögen arbeitet, der stirbt früher. Wer sein Frühlingsei mit dem silbernen Salzfässchen ein kleines weißes Krönchen aufsetzen will, stirbt noch früher. Und wer fußfaul mit seinem Glas Rotwein vor dem Fernseher sitzt – ja, der ist eigentlich schon tot. Mein Gott: branchenübergreifend ist die Verängstigungsindustrie unterwegs, um die stärkste Altersgruppe in Deutschland noch ordentlich auf Trab zu halten. Ob es wirklich die nun künstlich gestressten Altens sind, die davon am meisten profitieren? Ich habe da meine Zweifel.

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