Altersspaziergang als (Noch-)Baustelle

Altersspaziergang als (Noch-)Baustelle

In Hamburg gibt es (jetzt im Mai 2018) ein „soft opening“ für einen neuen Rundgang im Rahmen der Dialogreihe (Dialog im Dunkeln, Dialog im Stillen): Dialog mit der Zeit. Von einem/r älteren/r Begleiter/in geführt (68+) macht man seine Erfahrungen mit „dem Alter“. Ob das nun 70 oder 90 Jahre sind, wird nicht definiert. Das überzeugt, denn wir altern ja alle unterschiedlich. Man gerät anhand von auszuwählenden Bildern im Rahmen der Besuchergruppe mit seinen und anderen  Altersvorstellungen in den Dialog, spaziert durch erfrischend bunt gehaltene Räume, um Schwerhörigkeit, Schwachsichtigkeit und Tatter am eigenen Leibe zu erleben. Verschiedene Hilfsmittel ermöglichen den Zeitsprung in die verunsichernde  Zukunft. Projezierte Gesichter erzählen einem aus ihrem Leben und machen deutlich, dass man sich stets fragen sollte, ob man auf dem richtigen Weg ist – bevor es zu spät ist. Ein Quiz mit aktuellen Zahlen und Fakten schliesst den etwa einstündigen Rundgang ab. Das Ganze ist sympthisch und einfühlsam aufgebaut und (zumindest in unserem Fall) von einer gewinnenden Mentorenpersönlichkeit begleitet. Aber schraubende und schweißende Handwerker, fehlende Drahtverbindungen und schlechte Akustik hinterlassen den Eindruck, dass zumindest jetzt noch einiges zu erledigen ist. Bleibt zu hoffen, dass dieser Dialog bis zu seiner richtigen Eröffnung am 25. Mai noch ein wenig weiter Richtung Vollendung bearbeitet wird. Dann könnte er nicht nur für Hamburger zu einer ebenso unterhaltsamen wie bereichernden Ausflugsoption werden. Wohlgemerkt: auch für noch ordentlich junge Menschen!

Was man noch zu sagen hätte…

Was man noch zu sagen hätte…

Als vor elf Jahren dieser Blog sein Netzleben begann, war „Altern“ noch ein kauziges Thema, eher ein Un-Thema. Heute kann man Altern durchaus mit dem Schmuckadjektiv „sexy“ versehen. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Halb- oder Vollpromi etwas über seine Haare, sein erschlaffendes Gewebe, seine veränderten Ess- und Bewegungsgewohnheiten zum Besten gibt. Und alle Welt scheint interessiert. Warum? Weil die dickste Stelle in unserer demogrphischen Rübe mit den Babyboomerjahrgängen mittlerweile über die 50 hochgerutscht ist. Eine alternde Gesellschaft verändert ganz natürlich ihre Interessenschwerpunkte.  Die klassich dritte Lebensphase, das Alter, wurde geteilt. Im ersten Teil, der mittlerweile bis an die 80 Jahre reicht, ist eine neue Kernzielgruppe entstanden. Von Seniorenreisen (die nicht mehr so heißen) über Gerätschaften, die früher nur in Satinärhäusern zu kaufen waren, bis zu speziellen Kochbüchern und Mobilisierungskursen haben sich ganz Industriezweige einen neuen Markt mit noch überwiegend gut finanzierten Kunden erschlossen. Um das, was danach kommt, hüllt sich auch heute noch weitgehendes Schweigen. Hospiz und Sterben bleiben weitflächig tabuisiert.

ISBN-13:9783961114375

 

Mit einem ausgesprochen hilfreichen Buch ist Margarete Buhl der Brückenschlag zwischen erstem und zweiten Alter glungen. „Mach es Deinen Nachfahren leicht, mit Deinem Tod zurecht zu kommen!“ könnte man ihr Credo überschreiben. Es ist eine Anleitung für die letzten Hausaufgaben, die wir hier auf Erden zu machen haben. Besser und einfacher, wenn wir uns früher dransetzen. Später könnte es in und um uns zu dunkel dafür sein. Sie rät zur Beschäftigung mit dem eigenen Tod. Nicht um seiner selbst Willen, sondern um jenen, die trauernd zurückbleiben, das Schwere möglichst leicht zu machen. Und sie hat Recht damit: Wer sich je um einen Nachlaß kümmern musste, ahnt wie hilfreich es wäre, wenn man von Beerdigungszeremonie über Testament und Nachlaßfotos bis zu Bank- und Finanzierungsmodalitäten alles gut geordnet vorfinden würde. Meist ist das aber nicht der Fall. Wer das gut zu lesende (angenehme Schriftgröße, kurze Absätze, einfache Sprache) Buch „Vorkehrungen, Erinnerungen, Nachlass“ durchgearbeitet hat, weiß, dass er seinen Lieben nach dem eigenen Tod das Leben so leicht wie möglich gemacht hat. Es ist für (fast) alles gesorgt. Das beruhigt. Die Autorin fragt einen nach Versicherungsnummern und Kindheitserinnerungen – und all dem anderen, was für die Nachfahren von Belang sein könnte. Sie gibt dem Leser freie Zeilen, um alles zu notieren. Wer mal versucht hat, eine Patientenverfügung oder für den Demenzfall eine Betreuungsverfügung zu erstellen, wird sich über die sehr direkte und zielführende Unterstützung dieses Buches freuen. Auch Kompliziertes lässt sich einfach formulieren. Schlimmstenfalls sagt uns Frau Buhl, an wen wir uns wenden sollten, um auch Schwieriges zum Abschluß bringen zu können. Ich bin kein Freund des anschleimenden IKEA-Geduzes, aber Margarete Buhl versteht es, einen mit ihrer gezielt einfachen Sprache so anzurühren, so zu motivieren, dass in Ihrem  „Du“ ein warmer, aufrufender Ton mitschwingt. Daher nimmt man sich zumindest sofort vor, möglichst bald die letzten Hausaufgaben in Angriff zu nehmen. Ich werde dem Buch einen bevorzugten, auffälligen Platz in meinen Regalen einräumen.

Es hängt am Kopf

Es hängt am Kopf

„Wer rastet, der rostet“. Was für ein steinalter Spruch! Aber dennoch: auch bei ihm handelt es sich um quintessentielle Lebensweisheit. Bislang haben wir den Satz in erster Linie im Hinblick auf körperliche Bewegung verstanden. Und  dies ist durch zahlreiche Studien belegt. Bewegung tut gut. Nicht nur dem Körper, sondern auch dem Geist.

Jetzt verdichtet sich die Forschungslage aber dahingehend, dass auch eine hohe Auslastung, also anstrengendes Denken, eine Schutzfunktion gegen Alzheimer und seine verwandte Krankheitserscheinung, die frontotemporalen Demenz, bieten könnte. Zuletzt weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in einem Artikel auf diesen Umstand hin. Eine Untersuchung macht anhand der Sterbedaten deutlich, dass die verbleibende Lebenszeit nach Auftreten erster Verwirrtheitsanzeichen mit dem ausgeübten Beruf bzw. der Intensität der Hirnnutzung korreliert. Besser Ausgebildete leben länger.

Leser scheinenn länger zu leben

Leser scheinen länger zu leben

Ich denke nicht, dass man als Nicht-Anwalt oder Nicht-Professor nun den Kopf unter dem Arm tragen muss. Allerdings könnte man bei der Wahl seiner Hobbies vielleicht eher die Grenze zur intellektuellen Überforderung als Richtschnur betrachten als die – oft mit Langeweile – verbundene Unterforderung.