„Seniorenfreundliches Hamburg“

„Seniorenfreundliches Hamburg“

Neben dem Konzept der „wachsenden Metropole“ hat sich die Hansestadt und diesjährige „Umwelthauptstadt Europas“ der Seiorenfreundlichkeit verschrieben. Dabei ist die Altersstruktur der Stadt im Verhältnis noch kommod: der Anteil der BürgerInnen über 60 liegt bei unter 25%. Das sieht in anderen Städten und Gemeinden schon deutlich anders aus. Und den Prognosen der Europäischen Statistikbehörde wird sich dies aufgrund der Wachstumgsprognose für die Region kaum ändern.

Alt, dynamisch  und attraktiv – nicht nur diese Traditionssegler beim Hamburger Hafengeburtstag 2011

Dem Konzept sollte eine saubere Analyse vorangehen. Dies hat auch der Hamburger Senat so gesehen und die Studie „Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg“ vorgelegt. Gewiss: eine lokale Befragung – noch dazu in einer der wohlhabensten Gemeinwesen Deutschlands. Aber auch wenn keine Repräsentativität gegeben ist, werden zwei Dinge deutlich: „Alter“ ist heute ein Etikett unter dem sich mehr Individualität und jeweilige Einzigartigkeit entdecken lässt als unter seinem Pendant „Jugend“. Die entwickelte Persönlichkeit braucht nicht mehr auf die Ansichten und Verhaltensnormen ihrer Peergroup Rücksicht zu nehmen. Zum anderen geht es den Alten gut! Natürlich nicht allen, den Armen und den sehr alten Frauen am wenigsten. Aber es geht ihnen in einem emphatischen Sinne gut, der der kollektiven Assoziation von „Alter“ eher entgegengesetzt ist: Mangel und Defizit an allem was einem früher reich gegeben war – genau diese Vorstellung haben die Hamburger Alten nicht. Und dass die Bilder im Kopf Wirklichkeit erzeugen bzw. Ziel und Richtung des eigenen Verhaltens nachhaltig beeinflussen, ist mittlerweile auch bei Alten oder Altersanfängern nachgewiesen. Auch hierzu nimmt der kluge Einleitungstext in der Hamburger Studie Stellung. Drei Fakten seien noch genannt:

78 Prozent der befragten 60-90-Jährigen bewerten ihre Lebensqualität mit sehr gut oder gut;

73 Prozent meinen, dass sie viel oder sehr viel für die eigene Gesundheit tun können.

Frauen kümmern sich (zumindest dem Selbstbild nach) erheblich mehr als Männer um gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung. Kein Wunder also, wenn sie älter als die Männer sterben.

Die Studie zeigt, wo das Individuum und wo der Staat, die Gemeinschaft Handlungsfelder haben, die sich positiv auf den weiteren Lebensverlauf auswirken. Auch das mach sie interessant!

 

21. September: Welt-Alzheimer-Tag

Was nach einem blöden Gag klingt, ist der Versuch Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aufmerksamkeit für eine Krankheit von der einige Wissenschaftler meinen sie wäre schon heute – zumindest in England – die Krankheit mit den höchsten Folgekosten für die Volkswirtschaft. Die Dachorganisation der nationalen Alzheimer-Aktivitäten nutzt den Tag, um eine Vorschau zu veröffentlichen, die von einer Verdoppelung der heute ca. 36 Millionen Alzheimer-Kranken bis 2030 ausgeht. Bis 2050 soll sich diese Zahl sogar verdreifacht haben. Aber auch hier gilt: die Zukunft ist keine einfache Fortschreibung der Vergangenheit über die Gegenwart ins Unbekannte! Die steigende Lebenserwartung spricht für eine parallel dazu ansteigende Alzheimer-Kurve. Aber was bringt der medizinisch-pharmazeutische Fortschritt? Und wie weit werden sich die Erkenntnisse über die individuelle Vorsorge des Einzelnen gegen Alzheimer entwickeln bzw. in die Tat umgesetzt? Genügend Unbekannte, um sicherer Prognosen für gewagt zu halten. Aber die gebotene Aufmerksamkeit, die dieser Tag erregen will, sollte als willkommenes „Achtung-Schild“ verstanden werden.

Pflegenoten revisited

Seit einem Jahr ist in einem Feld, das immerhin für ein Prozent der Wertschöpfung im deutschen Bruttoinlandsprodukt steht, Licht am Ende der informativen Nacht erkennbar: der ambulanten und stationären Pflege!

Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, im Kontext einer Konferenz den Stand der Diskussion aus Sicht des Gesamtverbandes der Krankenversicherungen einmal etwas näher beleuchtet zu bekommen. Es besteht offensichtlich Einigkeit, dass an der einen und anderen Stelle die Kriterien noch präziser fomuliert werden müssen, dass Sondersituationen entsprechend gewürdigt werden müssen, dass es aber keinen Weg zurück in die informationelle Unwissenheit des Verbrauchers geben darf. Bei jedem Spülmittel oder jeder Waschmaschiene liegen umfangreiche Test- und Kundenzufriedenheitsinformationen vor. Bis vor Kurzem aber mussten sich alte Menschen und ihre Angehörigen zum Thema Pflege auf ihre Intuition oder nachbarschaftlichen Rat verlassen. Vergleichende Informationen gab es nicht. Das hat sich nun dankenswerter Weise geändert. Näheres können Sie hier nachlesen. Natürlich hat sich manch Anbieter, der in der Erstbeurteilung schlecht weggekommen ist, in guter deutscher Manier gleich mal an die Gerichtsbarkeit gewendet. Aber immerhin: die angerufenen Landessozialgerichte haben in sieben von neun Fällen die Beschwerden der Pflegeanbieter zurückgewiesen. Das stärkt den Wunsch nach Transparenz auch in diesem Gebiet. Angeblich wollen nun zwei Verbände aus dem Pflegebereich aus dem Projekt aussteigen. Ein Unding! Und das, obwohl die durchschnittlichen Ergebnisse im stationären wie im ambulanten Pflegebereich durchaus Mut machen. Möge die „wissenschaftliche Evaluation zur Beurteilung der Pflegetransparenzvereinbarungen“ (es leben die Sprachmonster der Bürokratie!) schnell zu Potte kommen! Dann werden die Beurteilungsstandards noch ein bisschen treffender und gerechter. Und möge die interessierte Verbraucheröffentlichkeit nicht in ihrem Begehren nach Transparenz nachlassen! Auch die Pflege hat das Recht, im Informationszeitalter anzukommen.

Zwischen Spendenaufrufen

Marzipan im Supermarkt, Weihnachtsschmuck in den Kram- und Resteläden, Spendenaufrufe im Briefkasten: wir müssen uns Weihnachten nähern. Jedes Jahr erlebe ich die packenden emotionalen Angriffe auf mein Konto. Kinderdörfer, Blinde, Taube, Gaumenspaltenleidende, Waisen und ach, so viel Elend auf dieser Welt. Zum ersten Mal und damit neu in meinem Briefkasten die Alzheimer Forschung Initiative e.V. Aber hier gibt es nicht nur den allfälligen Überweisungsvordruck, sondern auch ein paar sinnige Vorbeugungstips:

Regelmäßige körperliche Betätigung

Gesunde Ernährung (mediterrane Kost)

Stete geistige Herausforderung

soweit bekannt und auf verschiedensten Kanälen gehört und selbst gesendet. Aber für mich neu ist der letzte Punkt:

Soziale Kontakte.

„Alleinstehende haben ein doppelt so hohes Risiko, an Alzheimer zu erkranken, als Menschen in fester Bindung.“ Das ist doch wirklich erstaunlich und sollte ein Weckruf sein, seine Freund- und Bekanntschaften intensiv(er)  zu pflegen. Sie haben wohl im wahrsten Sinne eine existentielle Bedeutung!

Neues aus dem Gral der Altersforschung

Neues aus dem Gral der Altersforschung

Wenn es so etwas wie einen Gral der Altersforschung gibt, dann befindet er sich in Baltmore, USA. Dort ist das National Institute on Aging Amerikas beheimatet. Die Besonderheit liegt in seiner seit 50 Jahren andauernden Massenstudie. Seit 1958 werden alljährlich die selben 3000 Freiwilligen (die alle jung, fit und bei bester Gesundheit waren, als sie für die Studie ausgewählt wurden) für drei Tage in das dortige Harbor Hospital zur Datenerhebung bgebeten. Pro Aufenthalt werden je Person 15.000 Daten erhoben. Es wird gemessen, gescannt und erhoben was die Medizin messen, scannen und erheben kann. Der über die Zeit entstandene Datenschatz dürfte  Gerontologen für Jahrzehnte interpretative Schwerstarbeit erlauben. Der aus Italien stammende Leiter, Luigi Ferrucci, zieht in einem Radiointerview eine Quintessenz zum Thema Langlebigkeit.

luigiferrucci

Grau aber gut gelaunt: Altersforscher Luigi Ferrucci aus Baltimore

Drei Dinge scheinen besonders relevant zu sein:

1.  Täglich Bewegung. Ok, das wussten wir schon, aber: der positive Unterschied zwischen zehn Minuten Spaziergang und Nichtstun ist größer als der zwischen 10 Minuten Spaziergang und einer Stunde Joggen. Mehr hilft hier also offensichtlich nicht im erwarteten Maße mehr.

2. Täglich Obst, Gemüse, Fisch. Und nur ein Nahrungsergänzungsmittel: Omega 3-Fettsäuren.

3. Genügend Schlaf. Was „genügend“ ist, muss individuell definiert werden. Schlafmangel ist jedenfalls ein Positiv-Indiz für frühere Sterblichkeit.

Übrigens hält er augenblicklich 140 Jahre für ein realsistisch erreichbares Lebensalter.

Skepsis ist auch bei  „Bio“ geboten

Skepsis ist auch bei „Bio“ geboten

Wir können viefältiger und gesünder essen als dies jemals zuvor in unseren Landen möglich war. Es sei denn, man nimmt nur die zahlungskräftigen Eliten in den Fokus. Da mag das Ergebnis anders aussehen. Wir bleiben beim Durchschnittsverbraucher. Dennoch treibt uns bei der Speisenauswahl häufig die Panik: zu fett? Zu ungesund? Gentechnisch fragwürdig? Bakterienverseucht? Usw. Wie gesagt: Mit einem bisschen historischem Abstand fällt dies alles zu Nörgelei auf hohem Niveau zusammen. Aber der Impetus, die Dinge noch besser zu machen, soll nicht in Frage gezogen werden.

kartoffel Bio und bekömmlich?

„Bio“ und all seine Derivatplaketten verheissen auf den ersten Blick bessere Qualität und schonenderen Umgang mit der Umwelt. Leider ist das Leben und seine fälligen Entscheidungen aber auch hier nicht einfach in gute Bioprodukte und böse Nicht-Bio-Waren zu scheiden. Jüngstes Beispiel: Kartoffelsalat. Die Stiftung Warentest (der ich persönlich als eine der wenigen rückhaltlos vertraue) hat Fertigkartoffelsalate getestet. Das schlechteste Ergebnis hat dabei der einzige Bio-Kartoffelsalat eingefahren. Zu viele Hefepilze und Geschmack von alten Kartoffeln. Bleiben wir also wachsam – auch wenn „Bio“ auf der Packung steht.

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