Anregung genug

Anregung genug

Das Alter zum Thema machen. Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit: meine Großeltern waren die einzigen betagten Menschen, mit denen ich Umgang hatte.

Der Autor und sein Großvater, Ender der 60er Jahre

Die anderen gab es natürlich, aber sie spielten in meinem Leben keine Rolle. Aber auch in der sogenannten veröffentlichten Meinung gab es eher ein schwarzes Loch als eine Infoflut über ältere Mitbürger. Der Verdacht, diese hätten bei den Nazis mitgetan oder wenigstens von ihnen profitiert, stärkte diesen öffentlichen Hang zum Totschweigen. Später, in den 80er und 90er Jahren sank der Verdachtsdruck, aber das führte nicht dazu, dass Altern und Alter den Kreis des Privaten verlassen häten. Dass wir nun Land auf Land ab über Stiftungsinitiativen (hier ein sehr schönes Beispiel: die Körber-Stiftung), Konfernzen, Lehrstühle und Fernsehbeiträge stolpern, die alle das ehemals Totgeschwiegene thematisieren, ist wohl vor allem der Tatsache geschuldet, daß es bald die Mehrheit ist, über die hier gesprochen wird und die nun selbst das Mikrofon in eigener Sache in die Hand nimmt. Anregungen zum Neu-Denken gibt es mehr als genug. Die (Selbst-) Aktivierung der Älteren ist per se ein Zeichen des Wandels. Wer in den jüngeren Jahren der Bundesrepublik alt war, ruhte aus und sagte nichts mehr – zumindest im statistischen Durchschnitt. Heute ist es Teil des sich wandelnden Altersverständnisses, dass nicht nur über das Alter und die Alten gesprochen und diskutiert wird, sondern dass die Betroffenen mehr und mehr die Debatte zu der ihren machen. Hier meldet sich ein Selbstbild des älteren Mitbürgers zu Wort, der sich bewußt von den vorangegangenen Generationen abzusetzen bemüht ist. Bestimmt ist hier auch der letzte revolutionäre Furor der 68er zu studieren. Aber sicherer, kollektiv geteilter Grund für das neue Altersbild ist noch lange nicht in Sicht. Außer vielleicht, dass die Begeisterung für individuelle Wege gerade hier spürbar wird. Die Jungen hadern mit der Verschulung der Universitätsausbildung und der damit einhergehenden Schubladisierung ihrer Generation. Die Alten zerbröseln hingegen alle tradierten Bilder von Rente, Rückzug und Resignation.

Webtrouvaille

Dass Deutschand aufgrund seiner Geburtenrate (nicht nur) zu den Ländern mit der ältesten Durchschnittsbevölkerung gehört, haben wir bereits öfter gehört. Nun können wir es statistisch exakt nachsehen. Geographixx zeigt, dass die Länder Afrikas einen Altersdurchschnitt von unter 20 Jahren haben. Spitzenreiter Uganda mit sagenhaften 15 Jahren. China treibt sich im Mittelfeld mit guten 30 Jahren rum. Deutschland aber ist mit seinem Durchschnittsalter von 42, 6 Jahren vor Japan und Monaco an drittletzter Stelle angekommen. So weit so gut. Möchten wir in einem Land leben, in dem ununterbrochen Kindergeburtstag gefeiert wird? Oder dort, wo penetrant erste Karrierefragen gestellt werden? 42, 6 ist noch immer recht jung. Hieraus eine nationale Tragödie zimmern zu wollen, dafür bedarf es schon einer guten Portion deutschen Alarmismuses. Entscheidend wird sein, was wir daraus machen. Und vielleicht schaut die Welt, wenn sie sich am Umbau unserer Energieversorgung satt gesehen hat, auf unser Arrangement mit dem Durchschnittsalter. Das Richtige zu tun gelingt uns ja – entgegen aller gut aufgestellten Miesepetergesänge -im internationalen  Vergleich recht gut. Schauen wir mal, wie wir mittelfristig mit diesem „drittletzten Platz“ zurande kommen…Ich bin einmal mehr ziemlich optimistisch! Schön, dass das Alter einmal mehr eine Herausforderung darstellt.

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