Konkurrenz erweitert den Horizont

Es ist nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen sich über das Altern und  ihr eigenes Alter  wundern und sich hierzu öffentlich am Kopf kratzen. So ist es auch höchst normal, dass man hin und wieder über einen neuen Blog stolpert, der irgendwie mit dem Thema Umgang pflegt. Hier gibt es die ratgeberisch aufgelegten Kollegen, die reinen Informationsplattformen, die Philosophen und jene Nachdenklichen, die hin und wieder eine Verbindung von einer Beobachtung oder einem Menschenwerk hin zum Alter zu knüpfen verstehen.  Wenn dies halbwegs fröhlich – womit ich nicht juxig meine – passiert, macht mir dies besondere Freude. Klicken Sie mal hier. Vielleicht geht es Ihnen genau so. Denken wir an Asterix: auch dort ist ja Methusalix ein Quell der Freude!

 

Durchsickern in den Alltag – von den Schusterjungs zu Oma und Opa

Durchsickern in den Alltag – von den Schusterjungs zu Oma und Opa

Das Altern der Gesellschaft ist das eine, anhand der Statistik leicht nachvollziehbare Faktum. Das andere, die Entjüngung des kollektiven Bewußtseins, ist nicht breitflächig erkennbar. Lediglich Indizien tauchen hier und dort auf und zeigen – bojengleich – die tieferliegenden Bewußtseinsveränderunen in der Gesellschaft an. Ein frisches Beispiel: in meiner Kindheit in Berlin gab es beim Bäcker noch Schusterjungs, Brötchen, die sich durch irgendeine Zutat oder Zuschnitt von den stadtüblichen Schrippen unterschieden. Ich glaube, sie sind mittlerweile mindestens genaus so selten geworden wie die namensgebenden Jungs, die bei einem Schuhmacher in die Lehre gehen.

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Ein Bäckerbrötchen namens Oma und damit ein Indiz

Bei einem Bäcker in meiner Umgebung entdeckte ich vor kurzem Opa und Oma: zwei helle Brötchensorten, die sich lediglich durch ihre Größe unterscheiden. Eigentlich entdeckte ich sie nicht, sondern hörte sie zunächst. Eine Kundin vor mir bat um „drei Omas und einen Opa.“ Freundlich-selbstverständlich wurde ihr von der Bäckerin die Tüte gefüllt. Eigentlich war ich froh, nur zweimal Bienenstich bestellen zu wollen…

Fast alles drin – aber kurz

Manchmal hat man den Eindruck, als wäre mittlerweile alles gesagt zum „Neuen Altern“: Bewegung, Einstellung, Kommunikation, Selbstbild, Mentales Training, Ernährung, Wohngemeinschaften usw. Kein Bereich, zu dem einen in der Buchhandlung nicht wenigstens ein halber Regalmeter Spezialliteratur  auffordernd anblickt. Einerseits toll, wenn man bedenkt, dass vor 15 Jahren praktisch gar nichts Hilfreiches über die zweite Lebenshälfte angeboten wurde, auf der anderen Seite aber ermüdend, weil die Optionen so abundant geworden sind. Eine nette, hübsch aufgemachte Abwechslung kann man hier downloaden. Von allem ein bisschen einschliesslich einiger Selbsttests. Wer´s genauer wissen will, kann sich ja jederzeit in die Tiefen des Netzes oder die entsprechenden Regalmeter seiner Buchhandlung begeben…aber das mit Kürze und Würze ist oft gar nicht so falsch.

Der Sündenbock fürs Altern

Der Sündenbock fürs Altern

Wir wissen, dass jeder Tag uns altern lässt. Aber nicht die Wiederholung des gleichen Tagesablaufs, sondern winzige Änderungen in unserer Zellstruktur erzeugen die physischen und psychischen Veränderungen, die nach einer Weile zu dem erstaunten Ausruf „Mann, ist die alt geworden“ Anlaß geben. Der genetische Ort des Geschehens sind die Abschlußkappen der Chromosomen, Telomere genannt. Mit jeder Zellteilung verkürzen sie sich ein Stückchen. So lange, bis eine verjüngende Zellteilung nicht mehr möglich ist. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Sport und Bewegung nicht nur gut für das Herz-Kreislaufsystem und die Muskelbildung sind, sondern auch gerade hier den Verkürzungsprozess der Telomere streckt.

Der Stuhl: unser unheimlicher Feind!

Der Stuhl: unser unheimlicher Feind!

Im aktuellen Ärzteblatt wird nun über eine Studie berichtet, die diesem Gedanken ein Fragezeichen anhängt: nicht die Bewegung, sondern das Nicht-Sitzen reicht, um die Telomere besser in Schuß zu halten. Die Studie der Universität Umeá bedarf sicher weiterer Stützung von anderen Forschern, aber die mögliche Erkenntnis, dass nicht zuförderst der Bewegungsmangel das Leben verkürzt, sondern die das Ausmaß der sitzend verbrachten Lebenszeit. Bis das abschliessend geklärt ist, könnte man sich mit dem Gedanken des sparsameren Sitzens befreunden…

Imagepolitur für die Altenpflege

In der Wochenend-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (23./24. August) macht sich Professor Görres für eine Aufwertung der Ausbildung in der Altenpflege stark. Ein zentrales Thema, wenn man bedenkt, dass zwischen 300.000 und 500.000 zusätzliche Altenpfeger/innen in den kommenden 20 Jahren gebraucht werden. Die Schätzungen gehen noch ziemlich weit auseinander. Die japanische Lösung, vor allem auf Robotik-Unterstützung in der Pflege zu bauen, ist bei uns wohl kulturell kaum durchsetzbar. Also brauchen wir mehr menschliche Helfer, also muss der Beruf finanziell und qua Status attraktiver werden. Eine mögliche Karriereentwicklung gehört dazu. Aber lesen Sie selbst: auf diesen Seiten des Instituts ist das Interview veröffentlich. So erfreulich es ist, dass sich nun bereits mehrere Universitäten um die Akademisierung der Pflege kümmern und damit die Aufwertung des Berufsstandes betreiben, so bedauerlich ist die denglische Angeber-Fassade, die dafür aus der Taufe gehoben wurde: „Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)“. Nun ja…

„Altersgerechte Arbeitswelt“ – Wir sind auf dem Weg

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat vor der Sommerpause seinen 4. Fortschrittsreport zum o.g. Thema mit folgendem Untertitel geschmückt: „Lebenslanges Lernen und betriebliche Weiterbildung“.
Auf gut 50 Seiten werden einem viele – ja zu viele – Daten aus dem Kontext Altern, Arbeit, Weiterbildung, Renteneintritt serviert. Man kann sich Stunden damit beschäftigen, eine persönliche Bedeutungsessenz aus dem Datenkonvolut herauszufiltern. Aber in Summe stimmen die Daten optimistisch: Es bestätigt sich – zumindest für Deutschland – dass Weiterbildung für ältere Arbeitnehmer ein wichtiger Faktor für den längeren Verbleib im Unternehmen darstellt. Große Unternehmen haben dies mehrheitlich begriffen und bieten gezielt mehr Fachweiterbildung für ihre älteren Mitarbeiter an. KMU tun sich erfahrungsgemäss schwerer mit diesem Thema, können aber (wie Beispiele in der Publikation belegen) immer mehr auf Unterstützung durch Fachinstitutionen bauen.
Ein paar besonders sprechende Daten seien genannt: die Quote der Mitarbeiter zwischen 60 und 64 Jahren, die an betrieblichen Weiterbldungsmaßnahmen teilnahm, stieg von 2007 bis 2012 von 23,5% auf 35,3 %. Ein Teil wird der demographischen Gesamtlage zuzurechnen sein, aber es bleibt dennoch ein positiver Quantensprung übrig. (S. 22)
Im EU-Kontext können nur Schweden, Luxemburg und Dänemark eine höhere Weiterbildungsbeteiligung im Segment der 55 bis 64-Jährigen vorweisen. „Mitgliedstaaten mit einer überdurchschnittlichen Erwerbstätigenquote Älterer haben tendenziell auch eine hohe Weiterbildungsbeteiligung.“ (S. 26)

Die Arbeitslosenquote aller Erwerbstätigen sank von April 2013 zu April 2014 um o,3 %-Punkte; die der 55 bis 64-Jährigen sogar um 0,4 %! (S. 48)

Die Rentnerquote  bei den 60-65-Jährigen lag im Jahre 2000 bei 61,8 %. Im Jahre 2012 war sie bis auf 40,3 % gefallen. Das umgekehrte Bild zeigt sich in der Erwerbstätigenquote.

Das sind viele Zahlen. Aber sie belegen doch, dass die Altersdiskriminierung im Arbeitsleben wahrnehmbar sinkt. Und das ist erfreulich!
Das nicht alle Spaß daran haben, länger zu arbeiten, ist klar. Aber ebenso klar ist, dass viele, die gerne länger gearbeitet hätten, dies altersbedingt nicht realisieren konnten. Die Trendumkehr auf diesem Feld ist glücklicher Weise nicht mehr negierbar. Wer sich im Hinblick auf sein Alter gemobbt fühlt, kann aus diesem Bericht womöglich Kraft zum Widerstand ziehen…

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