Mehr Licht!

Als dieser Blog vor rund fünf Jahren gestartet wurde, war Altern kein Thema, das wirklich im öffentlichen Bewußtsein Platz gegriffen hätte. Sieht man sich heute die Vielzahl von Symposien, Büchern, Webseiten und Aktionen verschiedener politischer Akteure (EU, Familienministerium, Länder- und Kommunalinitiativen) an, so kann man einen radikalen Wandel feststellen: das Alter ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das ist zunächst einmal erfreulich, aber wie stets wird relativ schnell deutlich, dass auch hier die Münze eine zweite Seite hat: der Informationsüberfluß, der dem weltweiten Netz eigen ist, hat nun auch das Themenfeld „Altern“ erreicht. Gefragt sind dann Portale, die relevante Informationen vom Infomüll trennen und in eine ansprechende und leicht nachvollziehbare Ordnung bringen. Dies scheint mir für ein Segment besonders gut gelungen zu sein: der potentielle Pflegefall von Angehörigen. Es geht wohl nicht nur mir so: im Hinterkopf weiß man, dass die Situation in nicht allzu weiter Ferne auf einen wartet. Aber genötigt von den Notwendigkeiten des „normalen“ Lebens, schiebt man die inhaltliche Vorbereitung des Tages X in der eigenen Agenda immer wieder nach hinten. Doof, aber so ist der Mensch – oder zumindest ich. Und dann überstürzen sich die Ereignisse und man weiß nicht mehr ein noch aus. Allen, denen es ählich geht, lege ich www.senporta.de   sehr ans Herz! Aus eigener leidvoller Erfahrung hat der Gründer die Kraft bezogen, es anderen leichter machen zu wollen. Näheres übr diese Entstehung lässt sich auch in der Wirtschaftszeitung BRAND EINS, Heft 1, 2013 (nur analog) nachlesen. Also: nicht verzweifeln, durchatmen, den Link kontaktieren, dann wird zumindest einiges leichter…

Anregung genug

Anregung genug

Das Alter zum Thema machen. Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit: meine Großeltern waren die einzigen betagten Menschen, mit denen ich Umgang hatte.

Der Autor und sein Großvater, Ender der 60er Jahre

Die anderen gab es natürlich, aber sie spielten in meinem Leben keine Rolle. Aber auch in der sogenannten veröffentlichten Meinung gab es eher ein schwarzes Loch als eine Infoflut über ältere Mitbürger. Der Verdacht, diese hätten bei den Nazis mitgetan oder wenigstens von ihnen profitiert, stärkte diesen öffentlichen Hang zum Totschweigen. Später, in den 80er und 90er Jahren sank der Verdachtsdruck, aber das führte nicht dazu, dass Altern und Alter den Kreis des Privaten verlassen häten. Dass wir nun Land auf Land ab über Stiftungsinitiativen (hier ein sehr schönes Beispiel: die Körber-Stiftung), Konfernzen, Lehrstühle und Fernsehbeiträge stolpern, die alle das ehemals Totgeschwiegene thematisieren, ist wohl vor allem der Tatsache geschuldet, daß es bald die Mehrheit ist, über die hier gesprochen wird und die nun selbst das Mikrofon in eigener Sache in die Hand nimmt. Anregungen zum Neu-Denken gibt es mehr als genug. Die (Selbst-) Aktivierung der Älteren ist per se ein Zeichen des Wandels. Wer in den jüngeren Jahren der Bundesrepublik alt war, ruhte aus und sagte nichts mehr – zumindest im statistischen Durchschnitt. Heute ist es Teil des sich wandelnden Altersverständnisses, dass nicht nur über das Alter und die Alten gesprochen und diskutiert wird, sondern dass die Betroffenen mehr und mehr die Debatte zu der ihren machen. Hier meldet sich ein Selbstbild des älteren Mitbürgers zu Wort, der sich bewußt von den vorangegangenen Generationen abzusetzen bemüht ist. Bestimmt ist hier auch der letzte revolutionäre Furor der 68er zu studieren. Aber sicherer, kollektiv geteilter Grund für das neue Altersbild ist noch lange nicht in Sicht. Außer vielleicht, dass die Begeisterung für individuelle Wege gerade hier spürbar wird. Die Jungen hadern mit der Verschulung der Universitätsausbildung und der damit einhergehenden Schubladisierung ihrer Generation. Die Alten zerbröseln hingegen alle tradierten Bilder von Rente, Rückzug und Resignation.

Webtrouvaille

Dass Deutschand aufgrund seiner Geburtenrate (nicht nur) zu den Ländern mit der ältesten Durchschnittsbevölkerung gehört, haben wir bereits öfter gehört. Nun können wir es statistisch exakt nachsehen. Geographixx zeigt, dass die Länder Afrikas einen Altersdurchschnitt von unter 20 Jahren haben. Spitzenreiter Uganda mit sagenhaften 15 Jahren. China treibt sich im Mittelfeld mit guten 30 Jahren rum. Deutschland aber ist mit seinem Durchschnittsalter von 42, 6 Jahren vor Japan und Monaco an drittletzter Stelle angekommen. So weit so gut. Möchten wir in einem Land leben, in dem ununterbrochen Kindergeburtstag gefeiert wird? Oder dort, wo penetrant erste Karrierefragen gestellt werden? 42, 6 ist noch immer recht jung. Hieraus eine nationale Tragödie zimmern zu wollen, dafür bedarf es schon einer guten Portion deutschen Alarmismuses. Entscheidend wird sein, was wir daraus machen. Und vielleicht schaut die Welt, wenn sie sich am Umbau unserer Energieversorgung satt gesehen hat, auf unser Arrangement mit dem Durchschnittsalter. Das Richtige zu tun gelingt uns ja – entgegen aller gut aufgestellten Miesepetergesänge -im internationalen  Vergleich recht gut. Schauen wir mal, wie wir mittelfristig mit diesem „drittletzten Platz“ zurande kommen…Ich bin einmal mehr ziemlich optimistisch! Schön, dass das Alter einmal mehr eine Herausforderung darstellt.

Interessante Zahlenspielerei

Auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes kann man immer wieder interessante Neuigkeiten finden. So liest man dort, dass die Bevölkerung zwischen 60 und 65 Lebensjahren von 14,163 Mio im Jahre 2000 über 15,855 Mio. im Jahre 2005 auf 17.145 Mio im Jahre 2010 angewachsen ist. Im letzten Jahr war ein kleiner Rückgang zu beobachten. Na ja, das mit der demografischen Änderung hat ja nun mittlerweile fast jeder mitbekommenn.

Kleine Statistik zur Illustration, aber ohne inhaltliche Verbindung zum Thema

 

Ok, aber richtig spannend werden diese Daten, wenn man die Zahl der Erwerbspersonen bzw. ihre Entwicklung über den genannten Zeitraum dagegen hält:
2000 –  372.000 Erwerbspersonen
2005 –  520.000 Ep.
2010 –  668.000 Ep.

und jetzt kommt der Knüller:
2011 – 763.000 Ep.!  Das heisst, die Bevölkerung zwischen 60 und 65 Jahren stieg um runde 12% in den ersten und runde 8% in den zweiten fünf Jahren des Jahrzehntes. Aber die Zahl der Erwerbspersonen wuchs um 40 % in den ersten, 28% in den zweiten fünf Jahren und nochmals um 14% allein von 2010 bis 2011.

Mehr Alte. Das wussten wir, aber dass die Zahl der Erwerbswilligen unter ihnen so geschwind zugenommen hat, erstaunt doch. Die Gründe hierfür benennt auch das schlaue Statistische Bundesamt nicht. Meine Vermutung: auch sie haben auf verschiedenste Weise zugenommen.

Sommerlektüre

Sommerlektüre

Leicht, ironisch, aber mit dunklem Hintergrund kommt „Alte Liebe“ daher. Ein höchst unterhaltsames So-einfach-mal-weglese-Buch, das man jedoch ohne Anflüge von Melancholie kaum zu Ende bringen wird. Elke Heindenreich und Bernd Schroeder haben den Alltag eines Alt-68 Ehepaares ausgeleuchtet: die kleinen und doch so prägenden Aufgaben des Tages, die Erinnerungen und die familiären Großereignisse wie eine frisch anstehende Hochzeit der Tochter und ein Besuch der digital desorientierten Enkel-Zicke ergeben eine Zusammenstellung, die an Kadinskys Bild „Das bunte Leben“ erinnert. Harry und Lore – die Protagonisten – wechseln sich mit ihren Blicken auf das Geschehen nach ein paar Seiten jeweils ab. Diese kunstvolle Form des indirekten Dialogs trägt Erhebliches zum Lektüreglück bei. Frohes Lesen!

Elke Heidenreich / Bernd Schroeder: Alte Liebe. Carl Hanser Verlag, München 2009.

 

 

Freiheit UND Sicherheit

Wenn ich im Kreis meiner Familie, aber auch bei den Eltern von Freunden und Freundinnen die Debatte um die richtige Wahl des vermutlich letzten Wohnortes zusammenfasse, dann geht es genau um diese (scheinbaren) Antipoden: Freiheit und Sicherheit. Auch von den mir bekannten Witwern und Witwen möchten die wenigsten vorzeitig die Freiheit des alten und bekannten Wohnsitzes aufgeben, um der Sicherheit in einem neuen Alten- oder Pflegeheim teilhaftig zu werden. Nein, die Waagschale neigt sich stets auf die Seite der Freiheit. „Meine Wonung“, „mein Umfeld“, „mein Garten“, „meine Nachbarn“…Das Bekannte und Gewohnte bildet die entscheidenden  Kriterien aus, die zu einem Festhalten um fast jeden Preis am angestammten Wohnsitz führen. Nur Unzufriedenheit mit baulichen Änderungen, Wegzug von verlässlichen Nachbarn oder Ausfälle im weiteren sozialen Netz – zum Beispiel der arbeitsbedingte Wegzug von Kindern – kann zu einer nicht aus der Not geborenen Entscheidung für einen Umzug in – im weitesten Sinne – eine Art betreuten Wohnens führen.

In der Regel pendelt die Waagschale erst dann weg von der Feiheit und hin zur Sicherheit, wenn existentielle Ängste einsetzen: „ich schaff´es nicht zur Toilette“, „und wenn ich nicht mehr aus dem Bett komme?“, „sollte ich hinfallen, komme ich wohl nicht mehr alleine hoch“. Und die so aus solcher Not geborenen Entscheidungen für das Verlassen des vertrauten Heims führen verständlicher Weise nicht gerade zur Vorfreude auf die neuen vier Wände.

Mittlerweile scheinen aber auf technischem Gebiet so zuverlässige Melde- und Notknopfysteme entwickelt worden zu sein, dass der Abschied aus den vertrauten Räumlichkeiten durchaus noch aufgeschoben werden kann. Eine gute Übersicht über ein beispielhaftes Leistungsspektrum aus diesem Bereich kann man sich hier einmal ansehen. Die Kosten dafür sind in jedem Fall deutlich niedriger als das Wohnen in einer wie auch immer ausgestatteten Einrichtung. Dass nun sogar die Pflegekassen diese Kosten übernehmen, sehe ich durchaus als Beleg für die Verläßlichkeit solcher Meldesysteme. Also im Zeifel erst einmal Freit UND Sicherheit wählen!

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