Sommerlektüre

Sommerlektüre

Leicht, ironisch, aber mit dunklem Hintergrund kommt „Alte Liebe“ daher. Ein höchst unterhaltsames So-einfach-mal-weglese-Buch, das man jedoch ohne Anflüge von Melancholie kaum zu Ende bringen wird. Elke Heindenreich und Bernd Schroeder haben den Alltag eines Alt-68 Ehepaares ausgeleuchtet: die kleinen und doch so prägenden Aufgaben des Tages, die Erinnerungen und die familiären Großereignisse wie eine frisch anstehende Hochzeit der Tochter und ein Besuch der digital desorientierten Enkel-Zicke ergeben eine Zusammenstellung, die an Kadinskys Bild „Das bunte Leben“ erinnert. Harry und Lore – die Protagonisten – wechseln sich mit ihren Blicken auf das Geschehen nach ein paar Seiten jeweils ab. Diese kunstvolle Form des indirekten Dialogs trägt Erhebliches zum Lektüreglück bei. Frohes Lesen!

Elke Heidenreich / Bernd Schroeder: Alte Liebe. Carl Hanser Verlag, München 2009.

 

 

Freiheit UND Sicherheit

Wenn ich im Kreis meiner Familie, aber auch bei den Eltern von Freunden und Freundinnen die Debatte um die richtige Wahl des vermutlich letzten Wohnortes zusammenfasse, dann geht es genau um diese (scheinbaren) Antipoden: Freiheit und Sicherheit. Auch von den mir bekannten Witwern und Witwen möchten die wenigsten vorzeitig die Freiheit des alten und bekannten Wohnsitzes aufgeben, um der Sicherheit in einem neuen Alten- oder Pflegeheim teilhaftig zu werden. Nein, die Waagschale neigt sich stets auf die Seite der Freiheit. „Meine Wonung“, „mein Umfeld“, „mein Garten“, „meine Nachbarn“…Das Bekannte und Gewohnte bildet die entscheidenden  Kriterien aus, die zu einem Festhalten um fast jeden Preis am angestammten Wohnsitz führen. Nur Unzufriedenheit mit baulichen Änderungen, Wegzug von verlässlichen Nachbarn oder Ausfälle im weiteren sozialen Netz – zum Beispiel der arbeitsbedingte Wegzug von Kindern – kann zu einer nicht aus der Not geborenen Entscheidung für einen Umzug in – im weitesten Sinne – eine Art betreuten Wohnens führen.

In der Regel pendelt die Waagschale erst dann weg von der Feiheit und hin zur Sicherheit, wenn existentielle Ängste einsetzen: „ich schaff´es nicht zur Toilette“, „und wenn ich nicht mehr aus dem Bett komme?“, „sollte ich hinfallen, komme ich wohl nicht mehr alleine hoch“. Und die so aus solcher Not geborenen Entscheidungen für das Verlassen des vertrauten Heims führen verständlicher Weise nicht gerade zur Vorfreude auf die neuen vier Wände.

Mittlerweile scheinen aber auf technischem Gebiet so zuverlässige Melde- und Notknopfysteme entwickelt worden zu sein, dass der Abschied aus den vertrauten Räumlichkeiten durchaus noch aufgeschoben werden kann. Eine gute Übersicht über ein beispielhaftes Leistungsspektrum aus diesem Bereich kann man sich hier einmal ansehen. Die Kosten dafür sind in jedem Fall deutlich niedriger als das Wohnen in einer wie auch immer ausgestatteten Einrichtung. Dass nun sogar die Pflegekassen diese Kosten übernehmen, sehe ich durchaus als Beleg für die Verläßlichkeit solcher Meldesysteme. Also im Zeifel erst einmal Freit UND Sicherheit wählen!

Königlich Altern

Königlich Altern

Die deutschen Präsidenten haben als Erstzmonarchen eine verfassungsrechtlich erwünschte Verfallszeit. Bei den echten Königinnen und Köigen sieht das anders aus. Nicht einmal das landesübliche Rentenalter wird ihnen zugebilligt.  So wie auch beim Papst handelt es sich in der Regel um Jobs, die bis zum (bitteren) Ende auszufüllen sind. Fraglos ist vieles auf der monarchischen Arbeitsagenda nicht so körperlich beanspruchend wie das Tagwerk des oft zitierten Dachdeckers, aber die echte Freizeit dürfte eher knapper ausfallen. Schaut man auf das Englische Königspaar, muss man bei aller demokratischen Skepsis an der Notwenigkeit dieses Nationalamtes doch festhalten, dass langes intensives Arbeiten die Menschen agil und über die Vergleichsgruppe hinaus fit hält.

Die erstaunlichen Parallelen in Mimik und Gestik unterstreichen, dass man sich ohne Ritualroutine für königliche Aufgaben bessesr gar nicht erst bewirbt. Wäre ohnehin zwecklos. Was ich noch sagen wollte: „Eure Majestäten, meine Hochachtung für Ihren stets konstant hohen Arbeitseinsatz!“

 

Irgendwo zwischen Messe und Kirchentag

Irgendwo zwischen Messe und Kirchentag

In der kommenden Woche findet in Hamburg der 10. Detsche Seniorentag statt. Gibt es Tage des Deutschen Jugendlichen? Oder Deutsche Kindertage? Was auf den ersten Blick zugewandt und bekümmert wirkt, könnte auch als diskriminierend gelesen werden. S. Frauenquote.

Blickt man in das umfangreiche Programm, wird man sich allerdings mit Nörgeln schwer tun: viele Facetten mit Altersrelevanz finden sich über drei üppig gefüllte Tage verteilt. Bundespräsident Gauß eröffnet, und auch die Kanzlerin wird am Freitag Nachmittag eine Rede halten. So weit, so bedeutsam. Es spricht nichts dagegen, kommende Woche mal in Hamburg vorbei zu schauen und sich selbst ein Bild über den öffentlichen Stand der Diskussion zu machen.

Vielleicht doch ein bißchen zu kindlich?

Wir kommen ins Kino!

Wir kommen ins Kino!

Schnell mal im Kopf die persönlichen Kinohighlights durchsehen: gibt es das Filme mit älteren bis alte Hauptdarstellern? Ja klar. Harold und Maude fällt mir ein; Sag niemals Nie, in dem Sean Connery nochmals den James Bond gibt, Verfilmungen von Shakespeares Sturm, Mrs. Marple und Hercule Poirot von Agatha Christie, Charles Laughton als Richter…  und ein paar weitere würden einem bei scharfem Nachdenken sicherlich noch in den Sinn kommen.  Aber angesichts der tausenden von Filmen, die fast jeder konsumiert hat, fällt das kaum in Gewicht. Und nun sind wir diese Woche gleich mit zwei Publikumsfilmen konfrontiert, die sich mit einer wichtigen Zäsur im Leben – der Suche nach der letzten Bleibe – widmen. In „Und wenn wir alle zusammenziehen“ prüfen u.a. Jane Fonda, Pierre Richard und Geraldine Chaplin die Chancen für eine Alten-WG. In „Best Exotic Marigold Hotel“ bauen betagte Engländer auf eine Seniorenresidenz im Empire-Stil in der alten Kolonie Indien. Hier wirkt unter anderen die von mir heiß verehrte Julie Dench (Chefin des M6 in den letzten Bond-Filmen) mit. Es folgen nun keine Filmrezensionen, sondern lediglich ein Ausrufungszeichen! Die Zeiten ändern sich. Die Alten und ihre Sorgen und Aufgaben sind offensichtlich kinofähig geworden. Die langsam alternde Besucherschaft hat nicht ununterbrochen Lust, sich die Stories der nachfolgenden Generationen anzusehen. Das Schöne ist, dass dieser Trend nicht auf Kunst- und Studentenkinos beschränkt bleibt, sondern die cineastische Öffentlichkeit zu becircen sucht. Stärken wir die (noch) Wagemutigen. Gehen wir ins Kino!

Und wenn ich es doch anders möchte?

Und wenn ich es doch anders möchte?

Im letzten Beitrag war von der großen Mehrheit die Rede, die lieber zu Hause bleiben möchte. Aber es gibt auch die anderen: jene, die aus Weitsicht oder Komfortbedürfnis oder …(es gibt wohl Hunderte von Gründen) sich doch für die Aufgabe der eigenen Wohnung, des eigenen Hauses entscheiden. Welche Auswahlkriterien können helfen, bei der Wahl des neuen Zuhauses die richtige Entscheidung zu treffen? Möchte man in eine Wohngemeinschaft? Oder in ein Mehrgenerationenhaus? Oder doch lieber in eine Seniorenresidenz? Oder doch erst mal nur „Betreutes Wohnen“? Es ist nicht so, dass wir keine Auswahl hätten; man kann sich auch nicht über mangelnde Informationen (zumal im Internet) beklagen. Im Gegenteil: Wir drohen eher im Informationsdschungel unterzugehen.

Die Bewertung von Alten- und Pflegeheimen bietet zumindest ein ernst zu nehmendes Kriterium. Natürlich können die offiziellen Beurteilungskriterien nicht immer die persönlichen Schwerpunkte abbilden. Aber in der Tendenz wird schon deutlich, ob es sich um ein gut oder schlechter geführtes Haus handelt. Vielleicht ist die Nähe zum alten sozialen Umfeld wichtig? Man kennt doch seinen Kiez, und viele wollen ihn nicht verlassen. Früher gab es den Drang hinaus ins Grüne. „Haus Waldesruh“ war der Inbegriff des Altenheims traditionellen Zuschnitts. Heute drängen die Alten eher in die Städte. Görlitz hat sich als Altenresidenz genau so einen Namen gemacht wie Wiesbaden. Egal ob Kultur oder Ärztedichte: Städte bieten einfach entscheidende Versorgungsvorteile gegenüber dem platten Land. Auch in der Hauptstadt scheint es mittlerweile einen überproprtionalen Zuzug der Alten vom Lande zu geben.

                                                                                                                                                                   Blick ins Berliner Getümmel

Das in seiner Vielfalt wohl unschlagbare Angebot der Hauptstadt ist eine plausible Erklärung dafür. Allerdings haben die Berliner Alten es mit ihrer Wohin-Entscheidung leichter als die Bewohner vieler anderer Städte. Ein pfiffig gemachter Führer zeigt unter dem Titel „Seniorenresidenz Berlin“ die ganze Vielfalt des Berliner Seniorenwohnangebotes auf. Und: man kann sich von einem Wunschstandort (s.o.) aus die nächstgelegenen Angebote zeigen lassen. Wie mir scheint handelt es sich hier um eine recht brauchbare Schneise durch den Informationsdschungel.

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