25.01.2012 | Allgemein, Arbeitswelt, Demographie, Gesellschaft, Rente, Wohlbefinden
Während es jetzt den ersten Jahrgag „erwischt“ hat, der einen Monat später in Rente gehen darf, flammt die Diskussion erneut auf, ob die Rente mit 67 eine Zumutung darstellt (so einige Gewerkschaften) oder im Gegenteil noch nicht weit genug gedacht ist (so z.B. Allianz-VV Michael Diekmann). Diese Diskussion wird es sich m. E. auf absehbare Zeit im öffentlichen Raum bequem machen und – wie beispielsweise die Diskussion um Abgeordnetendiäten – immer wieder „hoch poppen“. Zuwandererrate, Rentenkassenstand etc. bieten immer wiederkehrende Möglichkeiten hierzu. Wesentlich origineller und auch beachtenswerter ist das Plädoyer von Hans Magnus Enzensberger in einer der letzten SPIEGEL-Ausgaben: er fordert das Ende des staatlichen Rentendiktats und die Vertragsfreiheit unter den Beteiligten. Angesichts der Buntheit der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit hat jede Abkehr von Generalnormen (vom Strafrecht einmal abgesehen) etwas wohlig realistisches an sich. Manch einer muss heute länger „buckeln“ als er möchte; andere müssen wider ihren eigenen Willen durch staatliche Zwangsbeglückung ihren geschätzten oder gar geliebten Job (ja, das gibt es!) vorzeitig an den Nagel hängen. Wie demokratisch vernünftig wirkt da die Option einer selbstbestimmten Entscheidung! Und es scheint mir keineswegs ausgemachte Sache zu sein, dass die Rentenkasse unter einer solchen Individualisierung leiden müsste!

Die definitive Rentengrenze bleibt bis auf weiteres im Nebel
09.12.2011 | Allgemein, Geschäftsinteresse, Werbung
Wussten Sie, dass es bereits eine Anti-Aging-Gesellschaft in Deutschland gibt? Ich habe sie heute entdeckt. Sie heisst „German Society of Anti-Aging Medicine e.V.“. Die Ahnung liegt nahe, dass es wohl einen grossen Bruder in den USA geben mag…
Freundlich wird zu Beginn erläutert, dass man gegen die klassischen altersbegleitenden Krankheiten wie Demenz, Osteoporose und Herz-/Kreislaufkrankheiten aufklärend und proaktiv zu Felde ziehen möchte. Soweit so schön. Liest man dann aber, dass zu den sieben Säulen der Anti-Aging-Bewegung auch ästhetische Chirurgie und Hormongaben gehören, wird man – werde jendenfalls ich – misstrauisch. Ein sogleich kostenlos angebotener Schnelltest macht einem – wenn man nicht als Heiliger lebt – sofort deutlich, dass man sich mit seinem Lebensstil im roten Bereich bewegt und sich möglichst sofort zu einem – ach, welch netter Zufall! – durch die Gesellschaft genannten Anti-Aging-Arzt oder -Apotheker begeben möge, um dort eine Tiefen-Anamnese erstellen zu lassen. „Nachtigall, ich hör´Dir trapsen..“ sagt dazu der Berliner. Um es mal ganz schnöde auf den Punkt zu bringen: das Ganze macht den Eindruck als handele es sich um eine Vertriebsplattform all jener, die mit der Angst vor dem Alter Geschäfte zu machen gedenken.
Älter werden wir so oder so. Das kann auch ein massiver Botox-Eingriff nicht verhindern. Daher ist schon der Begriff „Anti-Aging“ dummes Zeug. Auch wenn es auf Englisch – wie die Texte der meisten Pop-Songs – nicht sofort so entwaffnend-dämlich klingt wie auf Deutsch. Ich denke, man findet auch ohne diesen Verein zu konsultieren eine Vielzahl von positiven Anregungen, um achtsam und bewusst das eigene Altern nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern aktiv zu gestalten. Aber nichts geht über das eigene Urteil: Interessierte finden HIER zur GSAAM…und nicht die Werbeeinblendungen am Seitenfuss übersehen!
19.10.2011 | Allgemein, Europa, Gesundheit, Wissenschaft
Es ist erstaunlich, welch Institutionen man findet, wenn man so durchs Internet streift. Mir war bislang die Existenz der „European Union Geriatric Medicine Society“ vollständig unbekannt. Dabei hat sie sich das hehre Zeil gesetzt, die geriatrische Forschung in allen Ländern der EU zu unterstützen. Durch Wissens-Austausch zwischen den entsprechendenden Universitätsinstituten. Drei davon möchte die Organisation mittelfristig aus jedem Land im Austauschzirkel vertreten sehen. Mit Sicherheit ist es kein Fehler, wenn auch hier Forschung effizient und arbeitsteilig organisiert wird. Noch – so mein Eindruck von den Seiten der EUGMS – ist das wohl nicht der Fall. Europa ist auch hier auf dem Weg, aber noch lange nicht angekommen.
EUGMS versucht das Fischen nach geriatrierelevantem Wissen europaweit zu koordinieren
11.10.2011 | Allgemein, Gesellschaft, Wohlbefinden
Machen wir uns nichts vor: auf den Ruhestand freut sich der eine oder die andere. Und oft geschieht dies ja auch zu Recht, aber auf das Altern selbst freuen sich oft nur Menschen, die hoffen, mit einer quergestriegelten Meinung mal in die Medien zu kommen. Hat aber nun die Angst vor dem Alter im Lauf der letzten Jahre zu- oder abgenommen? Mein Bauchgefühl sagt: „abgenommen“. Im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeiung ist das bestimmt von Vorteil. Wissenschaftliche Fortschritte in vielen relevanten Bereichen (Gelenkprothesen, Herzschrittmacher, Selbstfahr-Rollstühle, Seniorenhandys etc.) liefern gute Begründungen. Was spricht gegen angstfreie Entspanntheit angesichts zunehmender Altersringe? Vielleicht die Aussicht, mit ganz vielen ähnlich alten Menschen zu tun zu haben? Nun, das Zuviel der ähnlich Alten hat den meisten Babyboomern weder die Kindheit noch das Erwerbsleben verdorben. Ausserdem kann man seinen Umgang mit anderen Generationen im fortgeschrittenen Alter freier bestimmen als je zuvor: in der Schule, Ausbildung und Uni ist man mit Gleichaltrigen zusammen; der Betrieb lässt einem meist keine Alterswahlchance zwischen verschiedenen alten KollegInnen. Aber danach hat man die statistisch grösste Wahlfreiheit bezüglich des eigenen Umgangs. Wer nun immer noch nicht überzeugt ist, dass das mit der Angst vor dem Alter eher eine unreife Maulwurfstaktik ist, schaue sich mal die wunderbaren Portraits von Über-Hundertjährigen an, die der Stern zu einem Buch zusammengestellt hat. Einen Blick kann man hier riskieren. Die Bilder sollten manche Ängstlichkeit zu neutralisieren helfen.
19.07.2011 | Allgemein, Konsum
In den letzten Jahren war die Personengruppe über 65 Jahre die schnellst wachsende „User-Gruppe“ des Internets. Das ist gerade deshalb erfreulich, da dieses Medium erschwerte Mobilität – aus welchen Gründen auch immer – zu einem guten Teil kompensieren kann. Man muss sich wirklich nicht mehr auf die Reise mit Bus oder Bahn machen, um sich einen besonderen Konsumwunsch erfüllen zu können. Was bei Jüngeren zu „Faulitis“ ausarten kann, hilft Älteren, selbstständig in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können – auch wenn diese weit ab „vom Schuß“ sind. Aber: wo viel Licht, dort gibt es leider auch viel Schatten. So machen die Internetbetrügereien nicht an der Verrentungsgrenze halt. Aber anders als die Jungen, die wahlweise durch den Beruf oder durch Schule und Freunde internetkompetent geworden sind, fehlt vielen Alten der Sinn für das Gefährdungspotential. Einerseits helfen natürlich die Verbraucherzentralen, aber eine Sonderberatungsseite, wie sie billig-tarife.de anbietet (kostenfrei), kann hier einiges zum nötigen Naivitätsverlust beitragen. Hier gibt es eine Reihe hilfreicher Hinweise, um sich wenigstens über einige der schlimmeren Machenschaften schlau zu machen. Daß die Hinweise in verständlichem Deutsch und nicht in Technochinesisch gehalten sind, macht die Empfehlung noch einfacher. Lesen Sie sich klug und internetsicher!
27.05.2011 | Allgemein, Ernährung, Gesellschaft, Konsum, Staat, Wohlbefinden
Neben dem Konzept der „wachsenden Metropole“ hat sich die Hansestadt und diesjährige „Umwelthauptstadt Europas“ der Seiorenfreundlichkeit verschrieben. Dabei ist die Altersstruktur der Stadt im Verhältnis noch kommod: der Anteil der BürgerInnen über 60 liegt bei unter 25%. Das sieht in anderen Städten und Gemeinden schon deutlich anders aus. Und den Prognosen der Europäischen Statistikbehörde wird sich dies aufgrund der Wachstumgsprognose für die Region kaum ändern.
Alt, dynamisch und attraktiv – nicht nur diese Traditionssegler beim Hamburger Hafengeburtstag 2011
Dem Konzept sollte eine saubere Analyse vorangehen. Dies hat auch der Hamburger Senat so gesehen und die Studie „Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg“ vorgelegt. Gewiss: eine lokale Befragung – noch dazu in einer der wohlhabensten Gemeinwesen Deutschlands. Aber auch wenn keine Repräsentativität gegeben ist, werden zwei Dinge deutlich: „Alter“ ist heute ein Etikett unter dem sich mehr Individualität und jeweilige Einzigartigkeit entdecken lässt als unter seinem Pendant „Jugend“. Die entwickelte Persönlichkeit braucht nicht mehr auf die Ansichten und Verhaltensnormen ihrer Peergroup Rücksicht zu nehmen. Zum anderen geht es den Alten gut! Natürlich nicht allen, den Armen und den sehr alten Frauen am wenigsten. Aber es geht ihnen in einem emphatischen Sinne gut, der der kollektiven Assoziation von „Alter“ eher entgegengesetzt ist: Mangel und Defizit an allem was einem früher reich gegeben war – genau diese Vorstellung haben die Hamburger Alten nicht. Und dass die Bilder im Kopf Wirklichkeit erzeugen bzw. Ziel und Richtung des eigenen Verhaltens nachhaltig beeinflussen, ist mittlerweile auch bei Alten oder Altersanfängern nachgewiesen. Auch hierzu nimmt der kluge Einleitungstext in der Hamburger Studie Stellung. Drei Fakten seien noch genannt:
78 Prozent der befragten 60-90-Jährigen bewerten ihre Lebensqualität mit sehr gut oder gut;
73 Prozent meinen, dass sie viel oder sehr viel für die eigene Gesundheit tun können.
Frauen kümmern sich (zumindest dem Selbstbild nach) erheblich mehr als Männer um gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung. Kein Wunder also, wenn sie älter als die Männer sterben.
Die Studie zeigt, wo das Individuum und wo der Staat, die Gemeinschaft Handlungsfelder haben, die sich positiv auf den weiteren Lebensverlauf auswirken. Auch das mach sie interessant!