Arme Kopisten

Jedes Buch, das zum Thema Altern erscheint, erweitert den Echoraum, sorgt für Bewußtseinsbildung. Daher begrüsse ich jede vernünftige Veröffentlichung zum Thema. Aber wenn schon beim Titel eine so grosse Einfallslosigkeit herrscht, dass es durchaus ein juristisches Gespräch wert wäre, ob „Älterwerden für Anfänger“ nun wirklich noch als Eigeneinfall durchgehen kann, dann bin ich im Bezug auf den Inhalt doch auch eher skeptisch. Armer Rowohlt Verlag!

„Alt sind nur die anderen!“

Unter diesem generationstypischen Titel ist im aktuellen SPIEGEL (Nr. 35) ab Seite 106 ein wunderbares Doppelinterview mit dem Altersforscher Hartmut Radebold und seiner Frau Hildegard veröffentlicht. Da es sich einer kurzen Zusammenstellung entzieht, kann ich nur für das selbst Lesen werben! Einen kleinen Eindruck bekommt man auch in der digitalen Ausgabe.

Mallorca ist keine gute Idee!

Die Sterblichkeit von über 60-jährigen bei Hitzewellen liegt zwischen 82% bis 92% über der der Normalbevölkerung. Die Universität von Ottawa hat sich mit diesem Phänomen eingehender beschäftigt. Die Reaktionsfähigkeit des Körpers auf  Temperaturänderungen nimmt im Alter drastisch ab. So kommen körgereigene Hilfsmassnahmen wie Schwitzen, Durstgefühl oder geänderte Blutverteilung im Körper erst verspätet und damit häufig zu spät zum Tragen. Pressetext nennt Schlaganfall, Erschöpfung oder Hitzekrämpfe als häufigste Folgen. Dies gilt auch für sonst gesunde Menschen höheren Alters. Zu trinken, wenn man eigentlich keinen Durst hat, scheint mir keine leichte Aufgabe zu sein. Mein Ferienverhalten aber darauf einzurichten, möglichst kein Opfer von Hitzewellen zu werden, erscheint mir leichter machbar. Die Gnade südlicher Wärme mag man in den klammen Wintermonaten bereisen. Ansonsten sollte ein mitteleuropäischer Sommer warm genug sein. Vielleicht gibt es ja demnächst Touristenschwärme von älteren Spaniern, Italienern und Griechen, die im Sommer unsere Städte belagern. Dann hätten wir das mediterrane Feeling auch hier bei uns.

Mit den Augen der Werber

Die Werbung ist – so sagt man – den gesellschaftlichen Trends stets ein wenig voraus. Was die Verschiebung der Kaufkraft in immer ältere Hände in Deutschland angeht, so kann man zumindest bei dieser Agentur, die sich gänzlich auf die Zielgruppe 50 + spezialisiert hat, festhalten, dass sie tatsächlich up-to-date zu sein scheint. Aber: erkennen wir uns in den dortigen Bildern wieder? Wollen wir so angesprochen werden? Was fehlt uns? Dies ist natürlich für Werbetreibende, aber auch für den Einzelnen, eine ganz interessante Frage: „Für welche Werbung und welche Produkte kann ich bei mir noch eine gewisse Werbeaffinität zugestehen?“

Die Handyfrage

Heute hat sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung der Frage nach vernünftigen Handys für ältere Menschen angenommen. Neben einem Blick auf die wichtigsten Spieler auf diesem Markt, der gemessen an der Kaufkraft seiner Zielgruppe als kaum erschlossen gelten darf,   verweist die Zeitung darauf, dass es bereits eine asketische Strömung auch unter jüngeren Handynutzern gibt. Sie wollen telefonieren und sonst gar nichts. Vielleicht wächst der Trend und führt zu einem Abschmelzen der Zahl hypernervöser Handyschüttler. Zu wünschen wäre es.

Kollektiver Reflex der Politik

Kollektiver Reflex der Politik

Wahlzeit ist Vorweihnachtszeit: Geschenke für alle! Jeder, der in diesen Wochen zum Verzicht ermahnt oder Unbezahlbarkeit anmerkt, wird von der politischen Klasse geohrfeigt und abgekanzelt. Es ist die Zeit vollmundiger Wahlversprechen! Keine Steuererhöhung! Steuererleichterungen! Mehr Geld für diese oder jene Klientel. Und: „die Rente ist sicher“. In der aktualisierten Fassung heißt das dann in etwas: An den Renten wird es keine Abstriche geben, was immer auch passiert. Kurz und gut: Es ist wieder Märchenzeit in Deutschland. Und das Wahlvolk scheint zwischen Sommerferien und Vorfreude auf die Wahlgeschnke den Bezug zur Realität zu verlieren. Selbst wenn eine ernst zu nehmende Institution wie die Bundesbank ihre Stimmer erhebt, um Warnendes zu sagen, bilden die Parteischwadroneure schnell eine Phalanx der vermeintlichen Gemeinwohlverteidiger. Konkret hat die Bundesbank die Verschiebung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre vorgeschlagen. Allerdings erst ab ca. 2060. Anstatt diesen Gedanken als Aufruf zu verstehen, in eine Diskussion über flexibilisierte Arbeitszeitmodelle – nicht fur für die Älteren, aber eben auch für sie – einzutreten, verwahren sich die Klientelschützer gegen jede Infragestellung des status quo. Und das bei einem Schuldenstand der öffentlichen Hand von ca. 1,7 Billionen Euro. Eine Sternstunde politischer Wahrhaftigkeit ist das heute gewiss nicht!

geldNatürlich: Die Rente war sicher, ist sicher und wird es immer bleiben. Ein Narr, wer hier zu diskutieren beginnt.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner