Emotionale Stabilität

„Freu Dich an dem was Du hast, denn Glück ist ein seltener Gast“ – Eine Kachel mit diesem Merkspruch hängt in der Küche meiner Mutter. Lange Zeit kam er mir bitter bescheiden vor. Nun zeigt sich: die meisten Alten brauchen solcherlei Aufrüttler gar nicht. Das Online-Wissensmagazin Scinexx berichtet über eine Studie, die belegt, dass ältere Menschen deutlich mehr in der Lage sind, sich positive Gefühle zu erhalten und zu verstärken als jüngere Menschen dies vermögen. Genau umgekehrt verhält es sich bei Pubertierenden: Sie scheinen sogar bemüht, ihre häufig auftretende „miese Stimmung“ zu verlängern. Beachtet man nun, dass im Zuge eines Umbaus der Gehirnarchitektur während der Pubertät die neuronalen Verbindung zwischen dem kognitiven Steueraggregat im frontalen Kopfbereich und der „Gemütsküche“ tief im Hirninneren sehr deutlich herabgesetzt werden, so kann  man sich einmal mehr darüber freuen, die „Flegeljahre“ hinter sich zu haben.

Warum die Fähigkeit zur positiven Selbstkonditionierung nicht gleich nach der Pubertät beginnt, sondern erst im dritten Lebensabschnitt richtig deutlich wahrnehmbar wird, ist noch unbekannt. Aber auf ein emotional lichteres Alter darf man sich ja auch ohne wissenschaftliche Begründung  freuen.

Perlchen im Netz

Im Prinzip weiss das Internet mittlerweile fast alles, was der Menschheit an Wissen insgesamt bekannt ist. Aber man kann – Suchmaschienen hin oder her – stundenlang durchs Meer der Informationen eilen, ohne das zu finden, was einem wirklich wichtig ist. Dies macht vor keiner Altersgruppe halt. Sich Mühe geben, Geduld haben, alternative Suchworte versuchen: es dauert seine Zeit. Per Zufall bin ich auf eine (wahrscheinlich neue) Seite gestoßen, die sich offensichtlich die zentrale Erfassung und Information über/von Bildungsangeboten für Ältere zum Ziel gesetzt hat.  Noch sind nicht allzu viele Institutionen und damit auch Termine verzeichnet. Ist das überhaupt sinnvoll? Wer wird sich für einen Origamikurs oder ein Internetpraktikum in eine andere Stadt bewegen? Mir scheint hier eine Erhöhung der Angebotstransparenz im Kommunal- oder Bezirksbeeich sinnvoller. Aber: besser zu viel als zu wenig Informationen.

Der zweite Blick auf die Statistik

Die demografische Entwicklung wird landauf, landab bedauert, begrüßt, besprochen – je nach Standpunkt und Marktinteresse. Ein zweites Hinschauen nutzt aber auch bei den gemeinhin als Standards gesehenen „Vor-Urteilen“: Immer mehr Menschen werden in diesem Land immer älter, also werden auch immer mehr Menschen pflegebedürftig. Nein, das ist so plan nicht richtig. Dankenswerter Weise räumt der Pflegereport der GEK mit diesem Ammenmärchen auf: „….das altersspezifische Risiko, pflegebedürftig zu werden, (ist) zwischen 2000 und 2008 bei Männern jährlich um ein Prozent und bei Frauen um 3,6 Prozent gesunken.“ Wir altern also gesünder. Der Report fasst noch eine ganze Reihe von interessanten Daten zur Pflegesituation in Deutschland, besonders aber zu ihren regionalen Unterschieden in den einzelnen Bundesländern zusammen. Jeder hat die Freiheit, sich desinteressiert zu diesem Thema zu verhalten, aber es kann keiner mehr behaupten, diese oder jene Entwicklung habe er nicht ahnen können. Die Transparenz  im gesamten Pflegebereich nimmt dankenswerter Weise schnell zu.

Zwischen Spendenaufrufen

Marzipan im Supermarkt, Weihnachtsschmuck in den Kram- und Resteläden, Spendenaufrufe im Briefkasten: wir müssen uns Weihnachten nähern. Jedes Jahr erlebe ich die packenden emotionalen Angriffe auf mein Konto. Kinderdörfer, Blinde, Taube, Gaumenspaltenleidende, Waisen und ach, so viel Elend auf dieser Welt. Zum ersten Mal und damit neu in meinem Briefkasten die Alzheimer Forschung Initiative e.V. Aber hier gibt es nicht nur den allfälligen Überweisungsvordruck, sondern auch ein paar sinnige Vorbeugungstips:

Regelmäßige körperliche Betätigung

Gesunde Ernährung (mediterrane Kost)

Stete geistige Herausforderung

soweit bekannt und auf verschiedensten Kanälen gehört und selbst gesendet. Aber für mich neu ist der letzte Punkt:

Soziale Kontakte.

„Alleinstehende haben ein doppelt so hohes Risiko, an Alzheimer zu erkranken, als Menschen in fester Bindung.“ Das ist doch wirklich erstaunlich und sollte ein Weckruf sein, seine Freund- und Bekanntschaften intensiv(er)  zu pflegen. Sie haben wohl im wahrsten Sinne eine existentielle Bedeutung!

Seniorenportale

Auch in diesem Weblog war schon häufiger zu lesen, dass die Älteren die am schnellsten wachsende Gruppe der Internetnutzer darstellen. Parallel dazu wächst das Angebot zielgruppenspezifischer Webseiten. Bei dem Begriff „Seniorenportal“ weiss jeder was gemeint ist, werblich einfühlsam erscheint mir die Benennung aber dennoch nicht. So oder so: ob nun Geschäftsinteressen dahinter stehen oder der Aufklärungs- und Informationswillen der öffentlichen Hand ist eigentlich egal. Für den Nutzer sind Qualität, Aktualität  und Vielfalt ausschlaggebend. Im Hinblick auf die kommunalen Informationsbedürfnisse scheinen mir Bremen und Bremerhaven eine wirklich gewinnende Plattform gebastelt zu haben. „Seniorenlotse Bremen“ halte ich auch für gewinnender und aussagekräftiger als das immergleiche „Portal“. Schauen Sie sich das doch mal hier an! Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere durch ein solches Beispiel animiert, Ähnliches für den eigenen Sprengel auf den Weg zu bringen. Die Nutzer werden es danken.

Alt, Älter, Parteimitglied

Dieser Tage war – ich weiss nicht mehr wo – zu lesen, dass die Linke mit einem Durchschnittsalter ihres Parteivolkes von über 62 Jahren wenigstens hier eine Spitzenposition einnimmt. Ein Gutteil davon dürfte auch schon Mitglied der Vorläuferpartei PDS gewesen sein. Platz zwei geht an die SPD mit 58 Jahren Durchschnittsalter. Die Grünen bilden mit 49 Jahren Altersdurchschnitt die „Yougster-Partei“. Tja, so ist die Jugend in die Jahre gekommen…

Nun könnte man einen beleidigten Diskurs über die Politikmüdigkeit der Jugend anfachen. Oder das Gegenteil: wenn die Jugend weder Zeit noch Engagement zu besitzen scheint, um sich parteipolitisch zu engagieren, dann macht dies doch das Feld für ältere Durchstarter frei. Das Thema „Was mache ich (nach den Ferien), wenn ich in Rente bin?“, bleibt eine aktuelle Frage. Nichts gegen Töpferkurse und Nordic-walking-Ausflüge, aber warum nicht die eigenen Erfahrungen und Ideen fruchtbar machen und die Parteienlandschaft von Innen heraus erneuern? Dass Innovation kein Jugendfach ist, ist auf diesen Seiten oft genug belegt worden. Also: auf in die Politik! Sie kann nur besser werden!

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