Immer mehr kümmern sich

Noch vor Jahresfrist stiess man eher zufällig im Internet auf Initiativen, die sich irgendwie mit dem Thema Älterwerden beschäftigten; heutzutage wird man auch in der analogen Welt immer mal wieder mit einem Flyer oder einer Werbeanzeige zum Thema konfrontiert. Das heisst: langsam sickert die Erkenntnis des demografischen Wandels und der älteren bundesrepublikanischen Arbeitsplatzbelegschaft auch in die Allgemeinheit durch. Diesmal wurde ich auf die Inqa (Initiative Neue Qualität der Arbeit) aufmerksam. Eine Initiative, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unter Einbezug des politisch korrekten Umfeldes (Gewerkschaften, Ortskrankenkasse, Länderministerien etc.)begründet wurde. Wenn ich es recht verstehe, geht es um die Bekämpfung von Vorurteilen gegenüber älteren Arbeitnehmern und die Unterstützung von Unternehmen, um mit ihrer alternden Belegschaft medizinisch wie psychologisch richtig umzugehen. Eine ganze Reihe von Flyern stehen zum kostenfreien Download bereit. Lokale Netzwerkpartner werden genannt. Arbeitgeber, die das Gefühl haben, sie muessten etwas tun, da sich auch in ihrem Haus das Durchschnittsalter der Belegschaft immer weiter gen 50 fortentwickelt, bekommen hier Anknüpfungspunkte en gros. Nur machen muss man selber. Jedenfalls schadet es nicht, auch den eigenen Arbeitgeber auf diesen Verbund hinzuweisen.

Alte denken voran

In allen Leitmedien ist heute eine Kritik der gestrigen Beckmann-Sendung zu lesen. Grund: Alt-Kanzler Helmut Schmidt (91) und der deutsch-amerikanische Historiker Fritz Stern (85) waren als Gäste im Studio. Dort, wo gemeinhin nur lauwarme Unterhaltungsbrühe serviert wird, gab es nun heisse Bewunderung für das barrierefreie Gespräch zweier Politintellektueller, denen von der Enkelgeneration höchstens…ja, wer eigentlich? das Wasser reichen könnte. Einerseits liesse sich nun trefflich über die Untiefen der Tagespolitik zwischen Westerwelle und Rüttgers lamentieren, aber man kann auch – themengemäß – „Chapeau“ sagen. Das Denken – soweit es nicht frühzeitig in einem Rentenkoma versenkt wird – ist auch im sehr hohen Alter zu einer Themen- und Anekdotenverschränkung fähig, die mit ihrer schieren Lust an Wissen und Argumentieren auch viel, viel Jüngere zu infiszieren vermag. Danke, Ihr Vorbilder!

Emotionale Stabilität

„Freu Dich an dem was Du hast, denn Glück ist ein seltener Gast“ – Eine Kachel mit diesem Merkspruch hängt in der Küche meiner Mutter. Lange Zeit kam er mir bitter bescheiden vor. Nun zeigt sich: die meisten Alten brauchen solcherlei Aufrüttler gar nicht. Das Online-Wissensmagazin Scinexx berichtet über eine Studie, die belegt, dass ältere Menschen deutlich mehr in der Lage sind, sich positive Gefühle zu erhalten und zu verstärken als jüngere Menschen dies vermögen. Genau umgekehrt verhält es sich bei Pubertierenden: Sie scheinen sogar bemüht, ihre häufig auftretende „miese Stimmung“ zu verlängern. Beachtet man nun, dass im Zuge eines Umbaus der Gehirnarchitektur während der Pubertät die neuronalen Verbindung zwischen dem kognitiven Steueraggregat im frontalen Kopfbereich und der „Gemütsküche“ tief im Hirninneren sehr deutlich herabgesetzt werden, so kann  man sich einmal mehr darüber freuen, die „Flegeljahre“ hinter sich zu haben.

Warum die Fähigkeit zur positiven Selbstkonditionierung nicht gleich nach der Pubertät beginnt, sondern erst im dritten Lebensabschnitt richtig deutlich wahrnehmbar wird, ist noch unbekannt. Aber auf ein emotional lichteres Alter darf man sich ja auch ohne wissenschaftliche Begründung  freuen.

Perlchen im Netz

Im Prinzip weiss das Internet mittlerweile fast alles, was der Menschheit an Wissen insgesamt bekannt ist. Aber man kann – Suchmaschienen hin oder her – stundenlang durchs Meer der Informationen eilen, ohne das zu finden, was einem wirklich wichtig ist. Dies macht vor keiner Altersgruppe halt. Sich Mühe geben, Geduld haben, alternative Suchworte versuchen: es dauert seine Zeit. Per Zufall bin ich auf eine (wahrscheinlich neue) Seite gestoßen, die sich offensichtlich die zentrale Erfassung und Information über/von Bildungsangeboten für Ältere zum Ziel gesetzt hat.  Noch sind nicht allzu viele Institutionen und damit auch Termine verzeichnet. Ist das überhaupt sinnvoll? Wer wird sich für einen Origamikurs oder ein Internetpraktikum in eine andere Stadt bewegen? Mir scheint hier eine Erhöhung der Angebotstransparenz im Kommunal- oder Bezirksbeeich sinnvoller. Aber: besser zu viel als zu wenig Informationen.

Der zweite Blick auf die Statistik

Die demografische Entwicklung wird landauf, landab bedauert, begrüßt, besprochen – je nach Standpunkt und Marktinteresse. Ein zweites Hinschauen nutzt aber auch bei den gemeinhin als Standards gesehenen „Vor-Urteilen“: Immer mehr Menschen werden in diesem Land immer älter, also werden auch immer mehr Menschen pflegebedürftig. Nein, das ist so plan nicht richtig. Dankenswerter Weise räumt der Pflegereport der GEK mit diesem Ammenmärchen auf: „….das altersspezifische Risiko, pflegebedürftig zu werden, (ist) zwischen 2000 und 2008 bei Männern jährlich um ein Prozent und bei Frauen um 3,6 Prozent gesunken.“ Wir altern also gesünder. Der Report fasst noch eine ganze Reihe von interessanten Daten zur Pflegesituation in Deutschland, besonders aber zu ihren regionalen Unterschieden in den einzelnen Bundesländern zusammen. Jeder hat die Freiheit, sich desinteressiert zu diesem Thema zu verhalten, aber es kann keiner mehr behaupten, diese oder jene Entwicklung habe er nicht ahnen können. Die Transparenz  im gesamten Pflegebereich nimmt dankenswerter Weise schnell zu.

Zwischen Spendenaufrufen

Marzipan im Supermarkt, Weihnachtsschmuck in den Kram- und Resteläden, Spendenaufrufe im Briefkasten: wir müssen uns Weihnachten nähern. Jedes Jahr erlebe ich die packenden emotionalen Angriffe auf mein Konto. Kinderdörfer, Blinde, Taube, Gaumenspaltenleidende, Waisen und ach, so viel Elend auf dieser Welt. Zum ersten Mal und damit neu in meinem Briefkasten die Alzheimer Forschung Initiative e.V. Aber hier gibt es nicht nur den allfälligen Überweisungsvordruck, sondern auch ein paar sinnige Vorbeugungstips:

Regelmäßige körperliche Betätigung

Gesunde Ernährung (mediterrane Kost)

Stete geistige Herausforderung

soweit bekannt und auf verschiedensten Kanälen gehört und selbst gesendet. Aber für mich neu ist der letzte Punkt:

Soziale Kontakte.

„Alleinstehende haben ein doppelt so hohes Risiko, an Alzheimer zu erkranken, als Menschen in fester Bindung.“ Das ist doch wirklich erstaunlich und sollte ein Weckruf sein, seine Freund- und Bekanntschaften intensiv(er)  zu pflegen. Sie haben wohl im wahrsten Sinne eine existentielle Bedeutung!

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