18.06.2009 | Allgemein, Demographie, Gesellschaft, Sex und Erotik, Wissenschaft
Den Begriff „Sozialisierung“ verbinden wir in erster Linie mit Kindheit und Jugend: Sozialinstanzen wie die Schule sollen die jungen Mitbürger gesellschaftsfähig machen. In den verschiedensten Richtungen. Sozialisierung hört aber nicht mit dem Schulabschluss auf. Ältere Menschen verhalten sich – in einem individuell unterschiedlichem Ausmaß – so, wie die Gesellschaft es von ihren älteren Mitmenschen eben erwartet. Exzentrik beispielsweise ist hier weniger gern gesehen als Bedachtsamkeit. Nun kommt die Frage nach Ei und Huhn: wird sich in den nächsten Jahren zunächst die Wahrnehmung alter Menschen, die Prägestöcke wie sie sich zu benehmen haben, ändern oder das Verhalten älterer Menschen selbst? Schaut man auf die jüngste Studie der Robert-Bosch-Stiftung, so sieht man, dass Journalisten mehr als die Restbevölkerung einen Wandel des Altersbildes für notwendig erachten. Dass deutet darauf hin, dass zunächst der gesellschaftliche Prägestock nachjustiert wird, dann erst die älteren Individuen sich anders als tradiert verhalten werden. Ich glaube hingegen, dass der Wandel längst begonnen hat. Nur viele sind zu engsichtig, um ihn wahr zu nehmen. Das Alter gewinnt fulminant an Selbstbewusstsein!
04.06.2009 | Allgemein, Gesellschaft, Konsum, Politik, Werbung
Seniorentage sind auch nicht mehr das was sie mal waren. Schaut man in das Programm des 9. Deutschen Seniorentages, so stoesst man auf ein unglaublich reichhaltiges Ausstellerprogramm (über 200) und auf eine offensichtlich um die Aufmerksamkeit der Zielgruppe buhlende Politikerschaft. Die Kanzlerin selber hat die Schirmherrschaft übernommen und wird eine Rede halten. Mit Muff und Staub hat das alles nichts mehr zu tun. Mehr mit der Konsumkraft der hier auch offiziell als „50+“getauften Zielgruppe. Neben Institutionen wie DGB-Reisen, dem AWO-Bundesverband oder der Deutschen Parkinson Vereinigung gibt es illustre Firmennamen, die man auf den ersten Blick nicht mit dieser Zielgruppe zusammen sehen würde: Nintendo Deutschland, AXA oder Düsseldorfer Versicherung oder Lidl-Dienstleistung. Natürlich sind Altersheime, Wohnprojekte undandere übliche Verdächtige auch vor Ort. Aber eben nicht nur. Es macht den Eindruck, als würde sich der Besuch wirklich lohnen. 8.-10 Juni in Leipzig.
06.04.2009 | Allgemein, Demographie, Design, Gesellschaft, Sport
Diesen schönen Terminus prägte der Skateboard-Pionier Titus Dittmann in einem Interview mit dem Kultur SPIEGEL. Gefragt, ob er als 60-Jähriger in der Jugendszene noch glaubwürdig sein kann, antwortet er: „Na klar, ich bin doch kein Berufsjugendlicher: Ich verkleide mich nicht und tue nicht, als ob. Ich lebe meinen Lebensstil, das kommt von innen heraus. Und außerdem: Alters cluster sind in unserer Gesellschaft nicht mehr entscheidend, es geht um ästhetische Gesinnungsgenossenschaften. Bei Rockkonzerten etwa sieht man 15-Jährige und 50-Jährige, beide nebeneinander im Matsch, und sie verstehen sich super. Weil ihre Gesinnung sie verbindet“ Wer sich das Interview durchlesen möchte: bitte hier klicken.
Dies bringt das sich wandelnde Verhältnis der Generationen untereinander auf den Punkt.
17.02.2009 | Allgemein, Gesellschaft, Sex und Erotik


Glücksfall Alter – so nennen Peter Gross und Karin Fagetti ihr 2008 im Herder Verlag erschienenes Buch. In 15 Kapiteln versammeln sie teilweise provokante, in jedem Falle diskussionswürdige Ideen rund ums „neue Altern“.
Man muss nicht ihrer Meinung sein, dass Alzheimer eine positive Möglichkeit des Sich-Verabschiedens aus dieser Welt ist, man braucht auch nicht mit ihren Geschmackshinweisen zu altersgemäßem Kleidungs- und Auftrittstil konform zu gehen (ich tue es jedenfalls nicht), trotzdem wird man das Buch bereichert aus der Hand legen. Denn es macht Mut. Mut, das Alter – gerade unter den herrschenden demografischen Entwicklungen – als zu entdeckendes Neuland zu betrachten, nicht als eingegrauten Hinterhof des Lebens. So war und ist es leider häufig auch heute noch die Regel.
Auch das Thema Alters-WG erfährt eine neue, lohnende Betrachtungsweise. Manches, wie die Gedanken zu Liebe und Erotik oder der Verriß von Reiners wunderbarem Altenfilm „Das Beste kommt zum Schluß“, fällt mir zu moralinsauer aus, aber es ist immerhin nie langweilig. Überflüssig erscheinen mir die kurzen Kapitetelzusammenfassungen, die einem auf den Gedanken bringen, die Autoren würden ihren Lesern nicht all zu viel zutrauen. Aber vielleicht hat hier auch die lektorierende Hand des Verlages zugeschlagen. Den Verlag hatte ich per Mail um ein Rezensionsexemplar gebeten. Elektronische Antwort – „wir kümmern uns sofort“ – kam sogleich; eine menschliche Antwort aber erst nach dem zweiten Nachfragen und dem Vorschlag den Emailresponder doch besser abzuschaffen, da eh nichts passiert. Die Antwort: „Rezensionsexemplare für Weblogs gibt´s bei uns nicht“. Vielleicht sollte der Herder Verlag doch noch etwas an seinem Verständnis der digitalen Moderne arbeiten…
20.10.2008 | Allgemein, Arbeitswelt, Gesellschaft, Politik
Seit Monaten liefern uns die Medien immer neue Stimmen, Bilder und Argumente rund um den amerikanischen Wahlkampf. Nachdem augenblicklich Obama mal wieder die Nase vorne hat, und das letzte der drei Kandidatenduelle vorbei ist, möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein durchaus positives Faktum lenken: Was auch immer McCain vorgeworfen wird (Keine neuen Wege / falsche Vizewahl / aggressiver Stil / Rezeptlosigkeit im Umgang mit der Finanzkrise etc.), sein Alter wurde bislang nicht wahrnehmbar thematisiert. Auch in Amerika, wo alles immer wieder neu und jung sein muss, in Amerika, das sich vor kurzem noch so lustvoll vom „Alten Europa“ abgesetzt hat, sind die 72 Lebensjahre des republikanischen Kandidaten kein Argument, ihn nicht zu wählen; oder umgekehrt: Auch ein 72jähriger kann den mächtigsten Job, den die Welt zu bieten hat, erfolgreich einnehmen. Das macht doch Mut – auch wenn man für Obama stimmen würde!
20.08.2008 | Allgemein, Gesellschaft, Sport
So desinteressert man an der Olympischen Popanzveranstaltung zu Peking sein mag: es gibt neben dem erwarteten Medaillensegen für das Gastgeberland und dem verunglückten Window Dressing eines undemokratischen und korrupten Regimes auch tatsächlich Interessantes zu vermelden. 25 Athleten dieser Spiele sind älter als 50 Jahre! Mehr denn je. Ruft man sich in Erinnerung, dass vor der Totalkommerzialisierung des Olympischen Gedankens ein Satz wie „es trifft sich die Jugend der Welt“ als Generalthema der Olympischen Spiele galt, so darf man mit Befriedigung feststellen, dass „Jugend“ ein ziemlich unbestimmter Begriff geworden ist.