Alt, Älter, Parteimitglied

Dieser Tage war – ich weiss nicht mehr wo – zu lesen, dass die Linke mit einem Durchschnittsalter ihres Parteivolkes von über 62 Jahren wenigstens hier eine Spitzenposition einnimmt. Ein Gutteil davon dürfte auch schon Mitglied der Vorläuferpartei PDS gewesen sein. Platz zwei geht an die SPD mit 58 Jahren Durchschnittsalter. Die Grünen bilden mit 49 Jahren Altersdurchschnitt die „Yougster-Partei“. Tja, so ist die Jugend in die Jahre gekommen…

Nun könnte man einen beleidigten Diskurs über die Politikmüdigkeit der Jugend anfachen. Oder das Gegenteil: wenn die Jugend weder Zeit noch Engagement zu besitzen scheint, um sich parteipolitisch zu engagieren, dann macht dies doch das Feld für ältere Durchstarter frei. Das Thema „Was mache ich (nach den Ferien), wenn ich in Rente bin?“, bleibt eine aktuelle Frage. Nichts gegen Töpferkurse und Nordic-walking-Ausflüge, aber warum nicht die eigenen Erfahrungen und Ideen fruchtbar machen und die Parteienlandschaft von Innen heraus erneuern? Dass Innovation kein Jugendfach ist, ist auf diesen Seiten oft genug belegt worden. Also: auf in die Politik! Sie kann nur besser werden!

Kollektiver Reflex der Politik

Kollektiver Reflex der Politik

Wahlzeit ist Vorweihnachtszeit: Geschenke für alle! Jeder, der in diesen Wochen zum Verzicht ermahnt oder Unbezahlbarkeit anmerkt, wird von der politischen Klasse geohrfeigt und abgekanzelt. Es ist die Zeit vollmundiger Wahlversprechen! Keine Steuererhöhung! Steuererleichterungen! Mehr Geld für diese oder jene Klientel. Und: „die Rente ist sicher“. In der aktualisierten Fassung heißt das dann in etwas: An den Renten wird es keine Abstriche geben, was immer auch passiert. Kurz und gut: Es ist wieder Märchenzeit in Deutschland. Und das Wahlvolk scheint zwischen Sommerferien und Vorfreude auf die Wahlgeschnke den Bezug zur Realität zu verlieren. Selbst wenn eine ernst zu nehmende Institution wie die Bundesbank ihre Stimmer erhebt, um Warnendes zu sagen, bilden die Parteischwadroneure schnell eine Phalanx der vermeintlichen Gemeinwohlverteidiger. Konkret hat die Bundesbank die Verschiebung des Renteneintrittsalters auf 69 Jahre vorgeschlagen. Allerdings erst ab ca. 2060. Anstatt diesen Gedanken als Aufruf zu verstehen, in eine Diskussion über flexibilisierte Arbeitszeitmodelle – nicht fur für die Älteren, aber eben auch für sie – einzutreten, verwahren sich die Klientelschützer gegen jede Infragestellung des status quo. Und das bei einem Schuldenstand der öffentlichen Hand von ca. 1,7 Billionen Euro. Eine Sternstunde politischer Wahrhaftigkeit ist das heute gewiss nicht!

geldNatürlich: Die Rente war sicher, ist sicher und wird es immer bleiben. Ein Narr, wer hier zu diskutieren beginnt.

Politisierung der Rente

Die Frage, wann jemand in Rente darf oder muss (hier gibt es ja sehr unterschiedliche Meinungen), ist leider nicht dem mündigen Bürger überlassen, sondern ist das Produkt politischer Willensbildung. Die Koalition hat das Rentenalter auf 67 Jahre hinauf gesetzt. Weniger körperliche Belastung, die demografische Situation und begleitende Hilfspakete für ältere Arbeitnehmer begründen bzw. stützen diese Entscheidung. Nun äusserte sich gerade DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in der „Leipziger Volkszeitung“ hierzu. Grundton: angesichts der Krise möge man den Rentenaufschub zurücknehmen, um Altersarbeitslosigkeit zu verhindern. Denken scheint auch in höhreren Positionen manchmal Glückssache zu sein. Die Reform tritt zum einen erst 2012 in Kraft. So viel Zeit geben auch die grössten Skeptiker der jetzigen Wirtschaftskrise nicht. Aber abgesehen davon: Im Fall von betriebsbedingten Kündigungen werden ältere Arbeitnehmer – zu Recht – eher als letzte, denn als erste „dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung gestellt“. Abgesehen von der Frage nach der Bezahlbarkeit ihres Vorschlags muesste sich Frau Buntenbach fragen lassen, für welche Schutzbefohlenen sie sich mit diesem Plädoyer eigentlich aufschwingt. Würden nicht implizit die Alten wieder als schutzwürdige Opfer dargestellt – was sie m.E. überhaupt nicht nötig haben -, könnte man die Story als ersten Vorboten des Sommerlochs verstehen. Inhaltlich kann man  jedenfalls trefflich von einem Loch sprechen. Mal sehen, was da noch auf uns zukommt…

Seniorentage – immer hipper!

Seniorentage sind auch nicht mehr das was sie mal waren. Schaut man in das Programm des 9. Deutschen Seniorentages, so stoesst man auf ein unglaublich reichhaltiges Ausstellerprogramm (über 200) und auf eine offensichtlich um die Aufmerksamkeit der Zielgruppe buhlende Politikerschaft. Die Kanzlerin selber hat die Schirmherrschaft übernommen und wird eine Rede halten. Mit Muff und Staub hat das alles nichts mehr zu tun. Mehr mit der Konsumkraft der hier auch offiziell als „50+“getauften Zielgruppe. Neben Institutionen wie DGB-Reisen, dem AWO-Bundesverband oder der Deutschen Parkinson Vereinigung gibt es illustre Firmennamen, die man auf den ersten Blick nicht mit dieser Zielgruppe zusammen sehen würde: Nintendo Deutschland, AXA oder Düsseldorfer Versicherung oder Lidl-Dienstleistung. Natürlich sind Altersheime, Wohnprojekte undandere übliche Verdächtige auch vor Ort. Aber eben nicht nur. Es macht den Eindruck, als würde sich der Besuch wirklich lohnen. 8.-10 Juni in Leipzig.

Im amerikanischen Wahlkampf

Seit Monaten liefern uns die Medien immer neue Stimmen, Bilder und Argumente rund um den amerikanischen Wahlkampf. Nachdem augenblicklich Obama mal wieder die Nase vorne hat, und das letzte der drei Kandidatenduelle vorbei ist, möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein durchaus positives Faktum lenken: Was auch immer McCain vorgeworfen wird (Keine neuen Wege / falsche Vizewahl / aggressiver Stil / Rezeptlosigkeit im Umgang mit der Finanzkrise etc.), sein Alter wurde bislang nicht wahrnehmbar thematisiert. Auch in Amerika, wo alles immer wieder neu und jung sein muss, in Amerika, das sich vor kurzem noch so lustvoll vom „Alten Europa“ abgesetzt hat, sind die 72 Lebensjahre des republikanischen Kandidaten kein Argument, ihn nicht zu wählen; oder umgekehrt: Auch ein 72jähriger kann den mächtigsten Job, den die Welt zu bieten hat, erfolgreich einnehmen. Das macht doch Mut – auch wenn man für Obama stimmen würde!

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