30.03.2012 | Allgemein, Gesellschaft, Wohlbefinden, Wohnen
Im letzten Beitrag war von der großen Mehrheit die Rede, die lieber zu Hause bleiben möchte. Aber es gibt auch die anderen: jene, die aus Weitsicht oder Komfortbedürfnis oder …(es gibt wohl Hunderte von Gründen) sich doch für die Aufgabe der eigenen Wohnung, des eigenen Hauses entscheiden. Welche Auswahlkriterien können helfen, bei der Wahl des neuen Zuhauses die richtige Entscheidung zu treffen? Möchte man in eine Wohngemeinschaft? Oder in ein Mehrgenerationenhaus? Oder doch lieber in eine Seniorenresidenz? Oder doch erst mal nur „Betreutes Wohnen“? Es ist nicht so, dass wir keine Auswahl hätten; man kann sich auch nicht über mangelnde Informationen (zumal im Internet) beklagen. Im Gegenteil: Wir drohen eher im Informationsdschungel unterzugehen.
Die Bewertung von Alten- und Pflegeheimen bietet zumindest ein ernst zu nehmendes Kriterium. Natürlich können die offiziellen Beurteilungskriterien nicht immer die persönlichen Schwerpunkte abbilden. Aber in der Tendenz wird schon deutlich, ob es sich um ein gut oder schlechter geführtes Haus handelt. Vielleicht ist die Nähe zum alten sozialen Umfeld wichtig? Man kennt doch seinen Kiez, und viele wollen ihn nicht verlassen. Früher gab es den Drang hinaus ins Grüne. „Haus Waldesruh“ war der Inbegriff des Altenheims traditionellen Zuschnitts. Heute drängen die Alten eher in die Städte. Görlitz hat sich als Altenresidenz genau so einen Namen gemacht wie Wiesbaden. Egal ob Kultur oder Ärztedichte: Städte bieten einfach entscheidende Versorgungsvorteile gegenüber dem platten Land. Auch in der Hauptstadt scheint es mittlerweile einen überproprtionalen Zuzug der Alten vom Lande zu geben.
Blick ins Berliner Getümmel
Das in seiner Vielfalt wohl unschlagbare Angebot der Hauptstadt ist eine plausible Erklärung dafür. Allerdings haben die Berliner Alten es mit ihrer Wohin-Entscheidung leichter als die Bewohner vieler anderer Städte. Ein pfiffig gemachter Führer zeigt unter dem Titel „Seniorenresidenz Berlin“ die ganze Vielfalt des Berliner Seniorenwohnangebotes auf. Und: man kann sich von einem Wunschstandort (s.o.) aus die nächstgelegenen Angebote zeigen lassen. Wie mir scheint handelt es sich hier um eine recht brauchbare Schneise durch den Informationsdschungel.
26.03.2012 | Allgemein, Design, Konsum, Pflege, Wohlbefinden, Wohnen
Bei allen Bemühungen, die Seniorenheime attraktiv erscheinen zu lassen: offensichtlich möchte die grosse Mehrheit der Alten und Ältesten am liebsten zu Hause bleiben. Die immensen Kosten, die ein Heimtag im Schnitt kostet, sind dabei natürlich ein Kopfargument, aber vor allem der Bauch möchte dort bleiben, wo man lebt und wahrscheinlich auch sozial verankert ist. Manche sehen es natürlich anders, und manchmal lässt sich ein längerer Aufenthalt zu Hause einfach nicht realisieren. So ist z. B. meine Mutter zwar fest entschlossen, zu Hause zu sterben, aber ohne meine Betreuungsbesuche wäre dieser Wunsch schon jetzt nicht realisierbar. In jedem Fall gilt es, die eigene Wohnung, das eigene Haus rechtzeitig altengerecht einzurichten oder umzubauen. Dies wird immer Geld kosten, aber gemessen an den Sätzen der Altenheime scheinen dies allermeist gut angelegte Investitionen zu sein.

Hier liegt die erste Barriere schon im Flur
Aber auf was muss man achten? Natürlich gibt es auch zu dieser Frage eine DIN-Norm, die sich mit dem Thema „barrierefreies Wohnen“ beschäftigt (in verschiedenen Spielarten). Etwas allgemeinverständlicher und auf die Schnelle auch lebenspraktischer sind die Tips, die man hier nachlesen kann. Die ersten Schritte zur „Umrüstung“ fallen wahrscheinlich leichter, wenn man sich nicht gleich mit einem ganzen Aktenordner voll tiefschürfender Erkenntnisse konfrontiert sieht.
25.01.2012 | Allgemein, Arbeitswelt, Demographie, Gesellschaft, Rente, Wohlbefinden
Während es jetzt den ersten Jahrgag „erwischt“ hat, der einen Monat später in Rente gehen darf, flammt die Diskussion erneut auf, ob die Rente mit 67 eine Zumutung darstellt (so einige Gewerkschaften) oder im Gegenteil noch nicht weit genug gedacht ist (so z.B. Allianz-VV Michael Diekmann). Diese Diskussion wird es sich m. E. auf absehbare Zeit im öffentlichen Raum bequem machen und – wie beispielsweise die Diskussion um Abgeordnetendiäten – immer wieder „hoch poppen“. Zuwandererrate, Rentenkassenstand etc. bieten immer wiederkehrende Möglichkeiten hierzu. Wesentlich origineller und auch beachtenswerter ist das Plädoyer von Hans Magnus Enzensberger in einer der letzten SPIEGEL-Ausgaben: er fordert das Ende des staatlichen Rentendiktats und die Vertragsfreiheit unter den Beteiligten. Angesichts der Buntheit der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit hat jede Abkehr von Generalnormen (vom Strafrecht einmal abgesehen) etwas wohlig realistisches an sich. Manch einer muss heute länger „buckeln“ als er möchte; andere müssen wider ihren eigenen Willen durch staatliche Zwangsbeglückung ihren geschätzten oder gar geliebten Job (ja, das gibt es!) vorzeitig an den Nagel hängen. Wie demokratisch vernünftig wirkt da die Option einer selbstbestimmten Entscheidung! Und es scheint mir keineswegs ausgemachte Sache zu sein, dass die Rentenkasse unter einer solchen Individualisierung leiden müsste!

Die definitive Rentengrenze bleibt bis auf weiteres im Nebel
11.10.2011 | Allgemein, Gesellschaft, Wohlbefinden
Machen wir uns nichts vor: auf den Ruhestand freut sich der eine oder die andere. Und oft geschieht dies ja auch zu Recht, aber auf das Altern selbst freuen sich oft nur Menschen, die hoffen, mit einer quergestriegelten Meinung mal in die Medien zu kommen. Hat aber nun die Angst vor dem Alter im Lauf der letzten Jahre zu- oder abgenommen? Mein Bauchgefühl sagt: „abgenommen“. Im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeiung ist das bestimmt von Vorteil. Wissenschaftliche Fortschritte in vielen relevanten Bereichen (Gelenkprothesen, Herzschrittmacher, Selbstfahr-Rollstühle, Seniorenhandys etc.) liefern gute Begründungen. Was spricht gegen angstfreie Entspanntheit angesichts zunehmender Altersringe? Vielleicht die Aussicht, mit ganz vielen ähnlich alten Menschen zu tun zu haben? Nun, das Zuviel der ähnlich Alten hat den meisten Babyboomern weder die Kindheit noch das Erwerbsleben verdorben. Ausserdem kann man seinen Umgang mit anderen Generationen im fortgeschrittenen Alter freier bestimmen als je zuvor: in der Schule, Ausbildung und Uni ist man mit Gleichaltrigen zusammen; der Betrieb lässt einem meist keine Alterswahlchance zwischen verschiedenen alten KollegInnen. Aber danach hat man die statistisch grösste Wahlfreiheit bezüglich des eigenen Umgangs. Wer nun immer noch nicht überzeugt ist, dass das mit der Angst vor dem Alter eher eine unreife Maulwurfstaktik ist, schaue sich mal die wunderbaren Portraits von Über-Hundertjährigen an, die der Stern zu einem Buch zusammengestellt hat. Einen Blick kann man hier riskieren. Die Bilder sollten manche Ängstlichkeit zu neutralisieren helfen.
27.05.2011 | Allgemein, Ernährung, Gesellschaft, Konsum, Staat, Wohlbefinden
Neben dem Konzept der „wachsenden Metropole“ hat sich die Hansestadt und diesjährige „Umwelthauptstadt Europas“ der Seiorenfreundlichkeit verschrieben. Dabei ist die Altersstruktur der Stadt im Verhältnis noch kommod: der Anteil der BürgerInnen über 60 liegt bei unter 25%. Das sieht in anderen Städten und Gemeinden schon deutlich anders aus. Und den Prognosen der Europäischen Statistikbehörde wird sich dies aufgrund der Wachstumgsprognose für die Region kaum ändern.
Alt, dynamisch und attraktiv – nicht nur diese Traditionssegler beim Hamburger Hafengeburtstag 2011
Dem Konzept sollte eine saubere Analyse vorangehen. Dies hat auch der Hamburger Senat so gesehen und die Studie „Die Gesundheit älterer Menschen in Hamburg“ vorgelegt. Gewiss: eine lokale Befragung – noch dazu in einer der wohlhabensten Gemeinwesen Deutschlands. Aber auch wenn keine Repräsentativität gegeben ist, werden zwei Dinge deutlich: „Alter“ ist heute ein Etikett unter dem sich mehr Individualität und jeweilige Einzigartigkeit entdecken lässt als unter seinem Pendant „Jugend“. Die entwickelte Persönlichkeit braucht nicht mehr auf die Ansichten und Verhaltensnormen ihrer Peergroup Rücksicht zu nehmen. Zum anderen geht es den Alten gut! Natürlich nicht allen, den Armen und den sehr alten Frauen am wenigsten. Aber es geht ihnen in einem emphatischen Sinne gut, der der kollektiven Assoziation von „Alter“ eher entgegengesetzt ist: Mangel und Defizit an allem was einem früher reich gegeben war – genau diese Vorstellung haben die Hamburger Alten nicht. Und dass die Bilder im Kopf Wirklichkeit erzeugen bzw. Ziel und Richtung des eigenen Verhaltens nachhaltig beeinflussen, ist mittlerweile auch bei Alten oder Altersanfängern nachgewiesen. Auch hierzu nimmt der kluge Einleitungstext in der Hamburger Studie Stellung. Drei Fakten seien noch genannt:
78 Prozent der befragten 60-90-Jährigen bewerten ihre Lebensqualität mit sehr gut oder gut;
73 Prozent meinen, dass sie viel oder sehr viel für die eigene Gesundheit tun können.
Frauen kümmern sich (zumindest dem Selbstbild nach) erheblich mehr als Männer um gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung. Kein Wunder also, wenn sie älter als die Männer sterben.
Die Studie zeigt, wo das Individuum und wo der Staat, die Gemeinschaft Handlungsfelder haben, die sich positiv auf den weiteren Lebensverlauf auswirken. Auch das mach sie interessant!
21.03.2011 | Allgemein, Arbeitswelt, Bildung, Demographie, Gesellschaft, Rente, Wohlbefinden
Die alte Gretchefrage, ob nun das Sein das Bewußtsein bestimmt oder ob das Gegenteil nicht doch treffender ist, soll hier nicht geklärt werden. Aber „Sprüche“ und Volksweisheiten als Essenzen kolltektiver Annahmen oder Unterstellungen haben eine erstaunliche Lebensdauer. Und sie prägen mit Sicherheit Einstellungen zu verschiedenen Herausforderungen des Lebens. Die aktuelle Hochglanz-Formulierung vom „lebenslangen Lernen“ steht der noch immer tief in vielen Gemütern verankerte Annahme, Hans könne nicht mehr erlernen, was Hänschen nicht bereits gelernt hat, entgegen.

Die zunehmenden Nachfragen älterer und alter Bürger nach Fernstudiengängen sind ein Beleg für die Aufweichung des alten „Glaubensbekenntnisses“. Früher hatten die sogenannten „Seniorenstudiengänge“ immer ein wenig den Beigeschmack der staatlich finanzierten Beschäftigungstherapie. Angesichts drohenden Fachkräftemangels und verlängerter Lebenszeiten sieht das heute ganz anders aus. Natürlich nicht für alle, aber die Zahl volkswirtschaftlich relevanter alter „Neustudenten“, die ihre Entscheidung mit Blick auf die Möglichkeiten des Arbeitsmarktes trifft, wird in den nächsten Jahren sicherlich erheblich zunehmen. Zwar ist die Studiengangswelt für diese Zielgruppe noch übersichtlicher als bei den Jungstudenten, aber das Angebot wird auch für die Alten immer größer. Womöglich kommen wir über kurz oder lang dahin, Seniorstudenten gar nicht mehr extra aufzuführen. Dann muesste sich niemeand mehr die Frage stellen, ob Seniorenstudiengängen nicht doch etwas Altersdiskriminierendes an sich haben. Aber gemach: die Zukunft braucht ihre Zeit. Im Bereich der Fernstudien gibt es jedenfalls heute eine beachtenswerte und hilfreiche Übersicht auf den Seiten der Initiative lebenslanges Lernen. Unter dem Reiter „Weiterbildung“: …“für Senioren“ finden sich hier ein paar wichtige Grundinformationen für all jene, die sich mit dem Gedanken tragen, der Hochglanzformulierung zumindest im eigenen Leben reale Bedeutung zu geben. Wobei auch die nicht-altenspezifischen Hinweise lesenswert erscheinen.