12.09.2013 | Allgemein, Pflege, Wohlbefinden, Wohnen
Vor einem guten Jahr war hier schon einmal von der erleichterten Suche nach einem geeigneten Heimplatz die Rede, allerdings fokussiert auf Berlin. Nun weiß ich, dass es derartige Unterstützung mittlerweile bundesweit gibt. Gerade wnn man sich bei einem Verwandten, der nicht in der näheren Umgaebung wohnt, Gedanken macht, wie wohl PlanB aussehen könnte. Das heißt, was man machen muesste, wenn der Wunsch der oder des Verwandten in den eigenen vier Wänden zu bleiben, gesundheitlich nicht mehr verantwortbar erscheint. Wie findet man auf die Schnelle ein passendes Heim? Es reicht ja nicht, „Altenheim“ und die Postleitzahl ins Netz zu geben, denn man sieht sich mit den Hochglanzselbstaussagen der Anbieter konfrontiert. Und ist meist so schlau wie zuvor. Eine bundesweite Altersheim Übersicht gibt einem nun wenigstens einige Lösungen, die man nach Größe, Lage und Attraktivitätsindex sondieren kann. Auch wenn die angebotenen Entfernungen nicht immer stimmen, is es doch ein gutes Remedium gegen die eigene Unkenntnis. Eine auf der Seite integrierte kostenfreie Telefonberatung wird einem bestimmt helfen, den Kreis der Lösungen weiter einzuengen.Und zum Schluß gibt es ja noch die Chance, dass der der oder die Verwandte doch jemanden kennt, der hier oder dort untergebracht ist. Was im Allgemeinen, die Bereitschaft, doch in eine Einrichtung zu ziehen, deutlich erleichtert.
29.07.2013 | Allgemein, Kultur, Wohlbefinden
Zugegeben: der Begriff ist nicht ganz neu, aber in den diesjährigen Sommerlochwochen fällt er mir häufiger auf als zuvor. Vielleicht sollte man die Floskel von der „Überalterung unserer Gesellschaft“ nicht einfach still und miesepetrig nickend zur Kenntnis nehmen, sondern sie sich einmal langsam auf der Zunge zergehen lassen. Die Vorsilbe „über-“ hat im Deutschen keinen guten Leumund: Übertreibung, Übereifer, überstrapazieren, Übermaß. Zuviel des Guten. Dieses „über-“ bezieht sich auf einen imaginären gesellschaftlichen Kompromißpunkt, an dem noch alles ok ist. Der Body-Maß-Index weiß, wann Untergewicht und wann Übergewicht herrschen. Viele Mediziner und eine Reihe von Studien erlauben uns aber, die Gültigkeit dieses Null-Meridians in Frage zu stellen. Viele Dicke werden gesünder alt als viele „Idealgewichtler“. So einfach ist es also nicht.
Bei der „Überalterung“ sieht es eigentlich genauso fragwürdig aus. Dennoch ist der Begriff en vogue. Noch.
So, dann fragen wir doch mal, wo denn nun die politisch und habituell korrekte „Alterung“ steht. Bei einem Landesaltersdurchschnitt von 20 Jahren? Einige nordafrikanische Nationen können damit aufwarten? Oder bei der Maßzahl der USA? Frankreich und Polen sind auch jünger. Na und? Die Feststellung einer „alternden Gesellschaft“ trifft auf Deutschland zu. Unser nationales Durchschnittsalter steigt seit Jahren. Aber dass es sich dabei um eine „Überalterung“ handelt, ist ein konservatives Geschmacksurteil. Früher war alles besser. Sogar die Menschen waren jünger. Im Durchschnitt.
Man könnte sich den griesgrämigen Beigeschmack der „Überalterung“ versuchsweise einfach mal schenken und feststellen: Deutschland ist unterwegs auf einem spannenden Weg, dessen Begleiterscheinungen und Ziel überhaupt noch nicht absehbar sind. Schön, wir brauchen wohl mehr Pflegekräfte undundund. Aber diese Beobachtungen stehen fast immer unter dem Vorzeichen des deutschen Alarmismus: „Vorsicht, es ändert sich etwas. Alle Mann in den Graben und gemeinsam Trauergesänge anstimmen.“
Ich plädiere für den gleichen Glauben an ausreichende Kompetenz und fähige Organisation in unserem Lande, die die Energiewende zum Erstaunen der Restwelt möglich erscheinen lassen. Sicher bildet das kollektive Altern kein nationales Wunschziel, aber die Chancen – trotz mancher Hindernisse auf dem Weg – klüger zu werden und sich in vieler Hinsicht gesellschaftlich neu zu definieren, sind hier ebenfalls gegeben.
In diesem Sinne trinke ich auf die Alterung unseres Landes!
04.04.2013 | Arbeitswelt, Demographie, Geschäftsinteresse, Staat, Testimonials, Wohlbefinden
Der gestern durch die Medien gereichte Zuwachs der Beschäftigten über 60 Jahre ist zunächst mal eine Tatsache. Interessant ist, was man aus ihr machen kann! Ich habe mich spontan gefreut, dass mehr Ältere die Chance haben, Sinniges zu tun. Dass dies der Fall ist, verdankt sich nicht einer neuen Seniorenfreundlichkeit der Arbeitgeber, sondern der demographischen Notwendigkeit. Aber dies lässt sich meines Erachtens durchaus als Win/Win-Situation interpretieren.
Aus Gewerkschaftskreisen ist zu hören, dass es noch immer zu viele Arbeitssuchende jenseits der 60 gibt und dass diese – die Bundesanstalt für Arbeit bestätigt dies – deutlich länger brauchen, um einen neuen Job zu finden als Jüngere. Hieraus lese ich, dass die Arbeitgeber ihren eigenen älteren und alten Mitarbeitern vertrauen, da sie sie über Jahre hinweg als wichtige Ressource schätzen gelernt haben. Aber den unbekannten Alten gegenüber herrscht auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor eine bedauerlich zu hohe Skepsis. Im aktuellen IAB-Newsletter (Institut fuer Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur fuer Arbeit) ist zu lesen, dass gerade Frauen im Osten Deutschlands, die die 60 überschritten haben, kein Zutrauen haben, eine neue Stelle zu finden. Sie ziehen sich einfach aus dem Pool der Arbeitssuchenden zurück. Skepsis und mangelnde Beratungsexpertise bei den Jobcentern werden als Gründe dafür aufgeführt. Hier bleibt also noch einiges zu tun.
Dann kann man bei den Leserkommentaren der BILD-Zeitung Aversion, ja Zorn ob dieser Meldung nachlesen. Die Geknechteten werden um den verdienten Ruhestand gebracht – so der Tenor – und von Politik und bösartigen Arbeitgebern bis aufs Blut ausgesaugt. Die Möglichkeit, dass jemand gerne arbeiten WILL, und nicht or allem MUSS, kommt hier schlichtweg nicht vor. Man kann auch an diesem Beispiel wunderbar sehen, welch unterschiedliche Reflexe von einer unschuldigen Information ausgelöst werden können.
17.01.2013 | Allgemein, Gesundheit, Pflege, Wohlbefinden
Als dieser Blog vor rund fünf Jahren gestartet wurde, war Altern kein Thema, das wirklich im öffentlichen Bewußtsein Platz gegriffen hätte. Sieht man sich heute die Vielzahl von Symposien, Büchern, Webseiten und Aktionen verschiedener politischer Akteure (EU, Familienministerium, Länder- und Kommunalinitiativen) an, so kann man einen radikalen Wandel feststellen: das Alter ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das ist zunächst einmal erfreulich, aber wie stets wird relativ schnell deutlich, dass auch hier die Münze eine zweite Seite hat: der Informationsüberfluß, der dem weltweiten Netz eigen ist, hat nun auch das Themenfeld „Altern“ erreicht. Gefragt sind dann Portale, die relevante Informationen vom Infomüll trennen und in eine ansprechende und leicht nachvollziehbare Ordnung bringen. Dies scheint mir für ein Segment besonders gut gelungen zu sein: der potentielle Pflegefall von Angehörigen. Es geht wohl nicht nur mir so: im Hinterkopf weiß man, dass die Situation in nicht allzu weiter Ferne auf einen wartet. Aber genötigt von den Notwendigkeiten des „normalen“ Lebens, schiebt man die inhaltliche Vorbereitung des Tages X in der eigenen Agenda immer wieder nach hinten. Doof, aber so ist der Mensch – oder zumindest ich. Und dann überstürzen sich die Ereignisse und man weiß nicht mehr ein noch aus. Allen, denen es ählich geht, lege ich www.senporta.de sehr ans Herz! Aus eigener leidvoller Erfahrung hat der Gründer die Kraft bezogen, es anderen leichter machen zu wollen. Näheres übr diese Entstehung lässt sich auch in der Wirtschaftszeitung BRAND EINS, Heft 1, 2013 (nur analog) nachlesen. Also: nicht verzweifeln, durchatmen, den Link kontaktieren, dann wird zumindest einiges leichter…
26.09.2012 | Allgemein, Arbeitswelt, Bildung, Gesellschaft, Philosophie, Politik, Wohlbefinden
Das Alter zum Thema machen. Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit: meine Großeltern waren die einzigen betagten Menschen, mit denen ich Umgang hatte.

Der Autor und sein Großvater, Ender der 60er Jahre
Die anderen gab es natürlich, aber sie spielten in meinem Leben keine Rolle. Aber auch in der sogenannten veröffentlichten Meinung gab es eher ein schwarzes Loch als eine Infoflut über ältere Mitbürger. Der Verdacht, diese hätten bei den Nazis mitgetan oder wenigstens von ihnen profitiert, stärkte diesen öffentlichen Hang zum Totschweigen. Später, in den 80er und 90er Jahren sank der Verdachtsdruck, aber das führte nicht dazu, dass Altern und Alter den Kreis des Privaten verlassen häten. Dass wir nun Land auf Land ab über Stiftungsinitiativen (hier ein sehr schönes Beispiel: die Körber-Stiftung), Konfernzen, Lehrstühle und Fernsehbeiträge stolpern, die alle das ehemals Totgeschwiegene thematisieren, ist wohl vor allem der Tatsache geschuldet, daß es bald die Mehrheit ist, über die hier gesprochen wird und die nun selbst das Mikrofon in eigener Sache in die Hand nimmt. Anregungen zum Neu-Denken gibt es mehr als genug. Die (Selbst-) Aktivierung der Älteren ist per se ein Zeichen des Wandels. Wer in den jüngeren Jahren der Bundesrepublik alt war, ruhte aus und sagte nichts mehr – zumindest im statistischen Durchschnitt. Heute ist es Teil des sich wandelnden Altersverständnisses, dass nicht nur über das Alter und die Alten gesprochen und diskutiert wird, sondern dass die Betroffenen mehr und mehr die Debatte zu der ihren machen. Hier meldet sich ein Selbstbild des älteren Mitbürgers zu Wort, der sich bewußt von den vorangegangenen Generationen abzusetzen bemüht ist. Bestimmt ist hier auch der letzte revolutionäre Furor der 68er zu studieren. Aber sicherer, kollektiv geteilter Grund für das neue Altersbild ist noch lange nicht in Sicht. Außer vielleicht, dass die Begeisterung für individuelle Wege gerade hier spürbar wird. Die Jungen hadern mit der Verschulung der Universitätsausbildung und der damit einhergehenden Schubladisierung ihrer Generation. Die Alten zerbröseln hingegen alle tradierten Bilder von Rente, Rückzug und Resignation.
24.07.2012 | Allgemein, Humor, Kultur, Wohlbefinden
Leicht, ironisch, aber mit dunklem Hintergrund kommt „Alte Liebe“ daher. Ein höchst unterhaltsames So-einfach-mal-weglese-Buch, das man jedoch ohne Anflüge von Melancholie kaum zu Ende bringen wird. Elke Heindenreich und Bernd Schroeder haben den Alltag eines Alt-68 Ehepaares ausgeleuchtet: die kleinen und doch so prägenden Aufgaben des Tages, die Erinnerungen und die familiären Großereignisse wie eine frisch anstehende Hochzeit der Tochter und ein Besuch der digital desorientierten Enkel-Zicke ergeben eine Zusammenstellung, die an Kadinskys Bild „Das bunte Leben“ erinnert. Harry und Lore – die Protagonisten – wechseln sich mit ihren Blicken auf das Geschehen nach ein paar Seiten jeweils ab. Diese kunstvolle Form des indirekten Dialogs trägt Erhebliches zum Lektüreglück bei. Frohes Lesen!

Elke Heidenreich / Bernd Schroeder: Alte Liebe. Carl Hanser Verlag, München 2009.