Nackte Zahlen

Das Statistische Bundesamt stellt in der vergangenen Woche die neueste Pflegestatistik vor.  Aus den vielen Zahlen scheinen einige besonders interessant: Die Zahl der Menschen, die in Pflegeheimen wohnen (764.000), ist langsamer gewachsen als die der ambulant Gepflegten (1.860.000). Und unter diesen ist wiederum der Anteil jener, die durch Familienangehörige versorgt werden, erneut überproportional gestiegen. Das heisst, dass die von vielen Alarmisten ausgerufene Verkühlung des sozialen Miteinanders zumindest an dieser Stelle nichts als eine Legende ist.
Interessant finde ichauch, dass bei den Pflegediensten 62% Teilzeitkräfte arbeiten. Was auch immer man ggen die noch nicht vollständige gesellschaftliche Anerkennung dieser Berufsgruppe sagen kann, zumindest erlaubt sie offensichtlich vielen  eine familienfreundliche Arbeitsgestaltung. Schade, dass der Männeranteil nur 15% beträgt. Und dies angesichts der vielfach körperlich herausfordernden Arbeitsateile.

„Es ist wichtig, noch bis ins hohe Alter etwas zu tun zu haben.“

„Es ist wichtig, noch bis ins hohe Alter etwas zu tun zu haben.“

Henning Scherf – ehenaliger Bürgmermeister Bremens – war einer der ersten, der den dempgraphischen Wandel öffentlichkeitswirksm angesprochen hat. Und: er zog frühzeitig mit seiner Frau und Freunden zu einer Alter-WG zusammen. Heute nichts Besonderes mehr, aber dass die Zwangslogik `wenn es zu Hause nicht geht, dann eben im Heim´ aufgebrochen wurde, ist auch Henning Scherfs Verdienst.

IMG_1137

Von ihm hat der Herder-Verlag nun ALTERSREISE herausgegeben. Scherf berichtet von seinen Reisen durch Deutschland: Wohngemeinschaften, Seniorenheime, Demenzprojekte, Stifte und vieles mehr. Es ist ein buntes Bild der späten Jahre, das er dem Leser vorstellt. Stets im Dialog mit seiner eigenen inneren Stimme bzw. der eigenen Verfaßtheit. Offen spricht er über Gewichtszunahme und schwindende Kräfte bei sich selbst. Dieser Wechsel zwischen Fremd-Beobachtetem und Beobachtungen an sich selber verleiht dem Buch einen sympathisch handfesten Charakter. Es geht Scherf nicht um statistische Wahrheiten, sondern um die richtigen Schlüsse aus dem Selbst-Erlebten. Dabei lässt er seine Beobachtungen nicht unkommentiert: er zeigt sich als pointierter Gegner von Heimunterbringung, plädiert für überschaubare Größen des Zusammenlebens und wehrt sich vehement gegen die (Selbst-)Zuschreibung älterer Bürger, „nichts mehr zu nutzen“. Die Würde des Menschen – egal in welcher Verfassung er sich befindet – ist Scherf entscheidend wichtig. Eine zweite Botschaft, die ich hier als Überschrift gewählt habe, entspricht den landläufigen Erkenntnissen der Gerontologie: etwas tun – und wenn es nur das angeleitete Schälen einer Möhre ist – ist immer bessesr als das Nichtstun. Denn dem Nichtstun folgt der Gedanke der Nutzlosigkeit und damit die potentielle Altersdepression auf dem Fuße.

Altenheim – aber bitte welches?

Vor einem guten Jahr war hier schon einmal von der erleichterten Suche nach einem geeigneten Heimplatz die Rede, allerdings fokussiert auf Berlin. Nun weiß ich, dass es derartige Unterstützung mittlerweile bundesweit gibt. Gerade wnn man sich bei einem Verwandten, der nicht in der näheren Umgaebung wohnt, Gedanken macht, wie wohl PlanB aussehen könnte. Das heißt, was man machen muesste, wenn der Wunsch der oder des Verwandten in den eigenen vier Wänden zu bleiben, gesundheitlich nicht mehr verantwortbar erscheint. Wie findet man auf die Schnelle ein passendes Heim? Es reicht ja nicht, „Altenheim“ und die Postleitzahl ins Netz zu geben, denn man sieht sich mit den Hochglanzselbstaussagen der Anbieter konfrontiert. Und ist meist so schlau wie zuvor. Eine bundesweite Altersheim Übersicht gibt einem nun wenigstens einige Lösungen, die man nach Größe, Lage und Attraktivitätsindex sondieren kann.  Auch wenn die angebotenen Entfernungen nicht immer stimmen, is es doch ein gutes Remedium gegen die eigene Unkenntnis. Eine auf der Seite integrierte kostenfreie Telefonberatung wird einem bestimmt helfen, den Kreis der Lösungen weiter einzuengen.Und zum Schluß gibt es ja noch die Chance, dass der der oder die Verwandte doch jemanden kennt, der hier oder dort untergebracht ist. Was im Allgemeinen, die Bereitschaft, doch in eine Einrichtung zu ziehen, deutlich erleichtert.

Freiheit UND Sicherheit

Wenn ich im Kreis meiner Familie, aber auch bei den Eltern von Freunden und Freundinnen die Debatte um die richtige Wahl des vermutlich letzten Wohnortes zusammenfasse, dann geht es genau um diese (scheinbaren) Antipoden: Freiheit und Sicherheit. Auch von den mir bekannten Witwern und Witwen möchten die wenigsten vorzeitig die Freiheit des alten und bekannten Wohnsitzes aufgeben, um der Sicherheit in einem neuen Alten- oder Pflegeheim teilhaftig zu werden. Nein, die Waagschale neigt sich stets auf die Seite der Freiheit. „Meine Wonung“, „mein Umfeld“, „mein Garten“, „meine Nachbarn“…Das Bekannte und Gewohnte bildet die entscheidenden  Kriterien aus, die zu einem Festhalten um fast jeden Preis am angestammten Wohnsitz führen. Nur Unzufriedenheit mit baulichen Änderungen, Wegzug von verlässlichen Nachbarn oder Ausfälle im weiteren sozialen Netz – zum Beispiel der arbeitsbedingte Wegzug von Kindern – kann zu einer nicht aus der Not geborenen Entscheidung für einen Umzug in – im weitesten Sinne – eine Art betreuten Wohnens führen.

In der Regel pendelt die Waagschale erst dann weg von der Feiheit und hin zur Sicherheit, wenn existentielle Ängste einsetzen: „ich schaff´es nicht zur Toilette“, „und wenn ich nicht mehr aus dem Bett komme?“, „sollte ich hinfallen, komme ich wohl nicht mehr alleine hoch“. Und die so aus solcher Not geborenen Entscheidungen für das Verlassen des vertrauten Heims führen verständlicher Weise nicht gerade zur Vorfreude auf die neuen vier Wände.

Mittlerweile scheinen aber auf technischem Gebiet so zuverlässige Melde- und Notknopfysteme entwickelt worden zu sein, dass der Abschied aus den vertrauten Räumlichkeiten durchaus noch aufgeschoben werden kann. Eine gute Übersicht über ein beispielhaftes Leistungsspektrum aus diesem Bereich kann man sich hier einmal ansehen. Die Kosten dafür sind in jedem Fall deutlich niedriger als das Wohnen in einer wie auch immer ausgestatteten Einrichtung. Dass nun sogar die Pflegekassen diese Kosten übernehmen, sehe ich durchaus als Beleg für die Verläßlichkeit solcher Meldesysteme. Also im Zeifel erst einmal Freit UND Sicherheit wählen!

Wir kommen ins Kino!

Wir kommen ins Kino!

Schnell mal im Kopf die persönlichen Kinohighlights durchsehen: gibt es das Filme mit älteren bis alte Hauptdarstellern? Ja klar. Harold und Maude fällt mir ein; Sag niemals Nie, in dem Sean Connery nochmals den James Bond gibt, Verfilmungen von Shakespeares Sturm, Mrs. Marple und Hercule Poirot von Agatha Christie, Charles Laughton als Richter…  und ein paar weitere würden einem bei scharfem Nachdenken sicherlich noch in den Sinn kommen.  Aber angesichts der tausenden von Filmen, die fast jeder konsumiert hat, fällt das kaum in Gewicht. Und nun sind wir diese Woche gleich mit zwei Publikumsfilmen konfrontiert, die sich mit einer wichtigen Zäsur im Leben – der Suche nach der letzten Bleibe – widmen. In „Und wenn wir alle zusammenziehen“ prüfen u.a. Jane Fonda, Pierre Richard und Geraldine Chaplin die Chancen für eine Alten-WG. In „Best Exotic Marigold Hotel“ bauen betagte Engländer auf eine Seniorenresidenz im Empire-Stil in der alten Kolonie Indien. Hier wirkt unter anderen die von mir heiß verehrte Julie Dench (Chefin des M6 in den letzten Bond-Filmen) mit. Es folgen nun keine Filmrezensionen, sondern lediglich ein Ausrufungszeichen! Die Zeiten ändern sich. Die Alten und ihre Sorgen und Aufgaben sind offensichtlich kinofähig geworden. Die langsam alternde Besucherschaft hat nicht ununterbrochen Lust, sich die Stories der nachfolgenden Generationen anzusehen. Das Schöne ist, dass dieser Trend nicht auf Kunst- und Studentenkinos beschränkt bleibt, sondern die cineastische Öffentlichkeit zu becircen sucht. Stärken wir die (noch) Wagemutigen. Gehen wir ins Kino!

Und wenn ich es doch anders möchte?

Und wenn ich es doch anders möchte?

Im letzten Beitrag war von der großen Mehrheit die Rede, die lieber zu Hause bleiben möchte. Aber es gibt auch die anderen: jene, die aus Weitsicht oder Komfortbedürfnis oder …(es gibt wohl Hunderte von Gründen) sich doch für die Aufgabe der eigenen Wohnung, des eigenen Hauses entscheiden. Welche Auswahlkriterien können helfen, bei der Wahl des neuen Zuhauses die richtige Entscheidung zu treffen? Möchte man in eine Wohngemeinschaft? Oder in ein Mehrgenerationenhaus? Oder doch lieber in eine Seniorenresidenz? Oder doch erst mal nur „Betreutes Wohnen“? Es ist nicht so, dass wir keine Auswahl hätten; man kann sich auch nicht über mangelnde Informationen (zumal im Internet) beklagen. Im Gegenteil: Wir drohen eher im Informationsdschungel unterzugehen.

Die Bewertung von Alten- und Pflegeheimen bietet zumindest ein ernst zu nehmendes Kriterium. Natürlich können die offiziellen Beurteilungskriterien nicht immer die persönlichen Schwerpunkte abbilden. Aber in der Tendenz wird schon deutlich, ob es sich um ein gut oder schlechter geführtes Haus handelt. Vielleicht ist die Nähe zum alten sozialen Umfeld wichtig? Man kennt doch seinen Kiez, und viele wollen ihn nicht verlassen. Früher gab es den Drang hinaus ins Grüne. „Haus Waldesruh“ war der Inbegriff des Altenheims traditionellen Zuschnitts. Heute drängen die Alten eher in die Städte. Görlitz hat sich als Altenresidenz genau so einen Namen gemacht wie Wiesbaden. Egal ob Kultur oder Ärztedichte: Städte bieten einfach entscheidende Versorgungsvorteile gegenüber dem platten Land. Auch in der Hauptstadt scheint es mittlerweile einen überproprtionalen Zuzug der Alten vom Lande zu geben.

                                                                                                                                                                   Blick ins Berliner Getümmel

Das in seiner Vielfalt wohl unschlagbare Angebot der Hauptstadt ist eine plausible Erklärung dafür. Allerdings haben die Berliner Alten es mit ihrer Wohin-Entscheidung leichter als die Bewohner vieler anderer Städte. Ein pfiffig gemachter Führer zeigt unter dem Titel „Seniorenresidenz Berlin“ die ganze Vielfalt des Berliner Seniorenwohnangebotes auf. Und: man kann sich von einem Wunschstandort (s.o.) aus die nächstgelegenen Angebote zeigen lassen. Wie mir scheint handelt es sich hier um eine recht brauchbare Schneise durch den Informationsdschungel.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen