Gute Rockmusik ist alt!

Was ich bei Pete Townnshend (s.u.) noch als Besonderheit gesehen habe – noch immer in der Öffentlichkeit präsenter Rockmusiker – wird zunehmend zum Normalfall: nachdem The Police nach zwanzig Jahren einen fulminant erfolgreichen Start ihrer Union-Tournee in Kanada hingelegt haben, kündigten nun auch Genesis, Van Halen und die Eagles für diesen Sommer Reunion-Konzerte an.

Wahrscheinlich gibt es demnächst die meisten Bandneugründungen auch im Alterssegment über 50.

Alte! Jetzt Unternehmen gründen!

Das wortreiche Wirtschaftsmagazin brand eins erkennt die Notwendigkeit, mehr Ältere im Gründungspool für neue Unternehmen vertreten zu sehen: „Sollte es bei der aktuellen Altersverteilung unter Existenzgründern bleiben – mehr als 70 Prozent sind zum Zeitpunkt ihrer Firmengründung jünger als 44 Jahre -, bedeutet das nichts anderes, als dass die Anzahl der Unternehmer in Deutschland in Zukunft überproportional schrumpfen wird. Mit anderen Worten: Alte Gründer braucht das Land, und zwar schnell.
Weiterführende Details gibt es hier zu lesen.

Lost in fashion

Aktuell sehe ich Frauen – gut in den Vierzigern – in turnschuhähnlichem Geläuf ohne Schnürsenkel in den dafür vorgesehenen Ösen promenieren. Banal? Ja, aber in der Banalität des Alltags offenbaren sich oft grundsätzliche Einstellungswandlungen. Bei Kindern und Jugendlichen – zumindest in den Großstädten der Republik – ist dies disfunktionale Schuhwerk im Augenblick „angesagt“. Es gibt dafür natürlich auch eine eigene Begrifflichkeit, die ich ein Stockwerk höher bei meinen Kindern erfragen könnte. Aber der Name spielt keine Rolle. Wenn nun reife Mütter auf ästhetischen Kuschelkurs mit ihren Söhnen und Töchtern gehen, kann man den Willen zur freundschaftlichen Anverwandlung darin erblicken. Aber auch die Unfähigkeit, den Altersabstand zur nachrückenden Generation zu akzeptieren. Schwarz oder weiß, kein Grau? Nun gut, noch einmal differenzierter: Angefangen bei den gelben Hosen von Goethes Werther war und ist es ein Vorrecht der Jugend, sich durch eigene Kleidung von den Älteren abzusetzen. Nur selten aber wird jugendliches Outfit gemeinsam mit seinen Trägern überzeugend älter. Eigentlich fällt mir nur die Jeans ein. Auch ein Siebzigjähriger, der sich in Garten oder Garage zu schaffen macht, ist mit der richtigen Jeans akurat gekleidet. Warum? Jeans folgen dem Diktum form follows function. Das kann die meiste Jugendbekleidung eben nicht von sich behaupten. Daher bleibt es im Allgemeinen Medienfigürchen wie Lagerfeld vorbehalten, demonstrativ die Kinderbekleidung nachfolgender Generationen aufzutragen. So gesehen bleibe ich dabei: forever young funktioniert nicht auf der Basis des Garderobenmundraubs bei den eigenen Kindern. Die lächerliche Figur der komischen Alten ist hier vorgestanzt.

Pete Townshend 62

Letzte Woche (19.5.) wurde der ehemalige Frontman von The Who 62 Jahre alt. Berühmt wurde er zum einen durch seine innovative Akustikgitarrentechnik, zum zweiten durch seine hübsche Gewohnheit, nach den Konzerten einen Teil der Instrumente mit großer Geste klein zu schlagen. Aber da war noch etwas: wir verdanken ihm den stilbildenden Satz „Hope I die before I get old“. Dieser „Forever young-Habitus“, den u.a. ja auch die Stones pflegten, wurde zum Grundcharakteristikum – jenseits aller musikstilistischen Unterschiede – der ersten und zweiten Rockmusikergeneration. Heute ist Townshend alt – und kregel. Er versucht seine Gitarrentechnik mit digitaler Hilfe zu popularisieren und bloggt sich durch die eigene Existenz. Insofern ist es ja erfreulich, dass sein Jugendwunsch nicht in Erfüllung gegangen ist. Ach ja: Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Sozialer Austausch ist auch Gehirnschmierstoff

In einer Studie des Berliner Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung wurde nun erstmals empirisch der Beweis geliefert: Menschen, die auch im hohen Alter – die Sozialaktivitäten von 516 Personen zwischen 70 und 100 Jahren wurden ausgewertet – sozial aktiv und vielschichtig interessiert sind, können in höherem Maße den alterungsbedingten Rückgang der „Mechanik der Intelligen“ aufhalten. Das Dichterwort „niemand ist eine Insel“ gilt also erst recht im Alter.

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