Tja, die Alten sind einfach nicht mehr brav

Tja, die Alten sind einfach nicht mehr brav

Die Zeiten, da im gediegenen Alter Anzüglichkeiten und politisch unkorrekte Späßchen gar nicht gingen, sind glücklicher Weise vorbei. Dass es mit der Jugend abwärts geht, ist ja nun  ein 3000 Jahre alter Topos. Und seit 3000 Jahren ist er falsch. Aber dass es mit den Alten immer langweiliger wurde, stimmte leider doch. Dies scheint sich aber nun auch langsam zu ändern. In summe: die Jungen sind nicht mehr ganz so aufmüpfig, die Alten nicht mehr ganz so bieder. Das erhöht die Chance, dass der Gesprächsfaden zwischen den Generationen nicht abreißt. Und davon haben ja eigentlich alle etwas.

opaimlab

Copyright: Matthias Henrici,Web Arts AG 2010

Immer mehr kümmern sich

Noch vor Jahresfrist stiess man eher zufällig im Internet auf Initiativen, die sich irgendwie mit dem Thema Älterwerden beschäftigten; heutzutage wird man auch in der analogen Welt immer mal wieder mit einem Flyer oder einer Werbeanzeige zum Thema konfrontiert. Das heisst: langsam sickert die Erkenntnis des demografischen Wandels und der älteren bundesrepublikanischen Arbeitsplatzbelegschaft auch in die Allgemeinheit durch. Diesmal wurde ich auf die Inqa (Initiative Neue Qualität der Arbeit) aufmerksam. Eine Initiative, die von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unter Einbezug des politisch korrekten Umfeldes (Gewerkschaften, Ortskrankenkasse, Länderministerien etc.)begründet wurde. Wenn ich es recht verstehe, geht es um die Bekämpfung von Vorurteilen gegenüber älteren Arbeitnehmern und die Unterstützung von Unternehmen, um mit ihrer alternden Belegschaft medizinisch wie psychologisch richtig umzugehen. Eine ganze Reihe von Flyern stehen zum kostenfreien Download bereit. Lokale Netzwerkpartner werden genannt. Arbeitgeber, die das Gefühl haben, sie muessten etwas tun, da sich auch in ihrem Haus das Durchschnittsalter der Belegschaft immer weiter gen 50 fortentwickelt, bekommen hier Anknüpfungspunkte en gros. Nur machen muss man selber. Jedenfalls schadet es nicht, auch den eigenen Arbeitgeber auf diesen Verbund hinzuweisen.

Alte denken voran

In allen Leitmedien ist heute eine Kritik der gestrigen Beckmann-Sendung zu lesen. Grund: Alt-Kanzler Helmut Schmidt (91) und der deutsch-amerikanische Historiker Fritz Stern (85) waren als Gäste im Studio. Dort, wo gemeinhin nur lauwarme Unterhaltungsbrühe serviert wird, gab es nun heisse Bewunderung für das barrierefreie Gespräch zweier Politintellektueller, denen von der Enkelgeneration höchstens…ja, wer eigentlich? das Wasser reichen könnte. Einerseits liesse sich nun trefflich über die Untiefen der Tagespolitik zwischen Westerwelle und Rüttgers lamentieren, aber man kann auch – themengemäß – „Chapeau“ sagen. Das Denken – soweit es nicht frühzeitig in einem Rentenkoma versenkt wird – ist auch im sehr hohen Alter zu einer Themen- und Anekdotenverschränkung fähig, die mit ihrer schieren Lust an Wissen und Argumentieren auch viel, viel Jüngere zu infiszieren vermag. Danke, Ihr Vorbilder!

Zwischen Spendenaufrufen

Marzipan im Supermarkt, Weihnachtsschmuck in den Kram- und Resteläden, Spendenaufrufe im Briefkasten: wir müssen uns Weihnachten nähern. Jedes Jahr erlebe ich die packenden emotionalen Angriffe auf mein Konto. Kinderdörfer, Blinde, Taube, Gaumenspaltenleidende, Waisen und ach, so viel Elend auf dieser Welt. Zum ersten Mal und damit neu in meinem Briefkasten die Alzheimer Forschung Initiative e.V. Aber hier gibt es nicht nur den allfälligen Überweisungsvordruck, sondern auch ein paar sinnige Vorbeugungstips:

Regelmäßige körperliche Betätigung

Gesunde Ernährung (mediterrane Kost)

Stete geistige Herausforderung

soweit bekannt und auf verschiedensten Kanälen gehört und selbst gesendet. Aber für mich neu ist der letzte Punkt:

Soziale Kontakte.

„Alleinstehende haben ein doppelt so hohes Risiko, an Alzheimer zu erkranken, als Menschen in fester Bindung.“ Das ist doch wirklich erstaunlich und sollte ein Weckruf sein, seine Freund- und Bekanntschaften intensiv(er)  zu pflegen. Sie haben wohl im wahrsten Sinne eine existentielle Bedeutung!

Seniorenportale

Auch in diesem Weblog war schon häufiger zu lesen, dass die Älteren die am schnellsten wachsende Gruppe der Internetnutzer darstellen. Parallel dazu wächst das Angebot zielgruppenspezifischer Webseiten. Bei dem Begriff „Seniorenportal“ weiss jeder was gemeint ist, werblich einfühlsam erscheint mir die Benennung aber dennoch nicht. So oder so: ob nun Geschäftsinteressen dahinter stehen oder der Aufklärungs- und Informationswillen der öffentlichen Hand ist eigentlich egal. Für den Nutzer sind Qualität, Aktualität  und Vielfalt ausschlaggebend. Im Hinblick auf die kommunalen Informationsbedürfnisse scheinen mir Bremen und Bremerhaven eine wirklich gewinnende Plattform gebastelt zu haben. „Seniorenlotse Bremen“ halte ich auch für gewinnender und aussagekräftiger als das immergleiche „Portal“. Schauen Sie sich das doch mal hier an! Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere durch ein solches Beispiel animiert, Ähnliches für den eigenen Sprengel auf den Weg zu bringen. Die Nutzer werden es danken.

Alt, Älter, Parteimitglied

Dieser Tage war – ich weiss nicht mehr wo – zu lesen, dass die Linke mit einem Durchschnittsalter ihres Parteivolkes von über 62 Jahren wenigstens hier eine Spitzenposition einnimmt. Ein Gutteil davon dürfte auch schon Mitglied der Vorläuferpartei PDS gewesen sein. Platz zwei geht an die SPD mit 58 Jahren Durchschnittsalter. Die Grünen bilden mit 49 Jahren Altersdurchschnitt die „Yougster-Partei“. Tja, so ist die Jugend in die Jahre gekommen…

Nun könnte man einen beleidigten Diskurs über die Politikmüdigkeit der Jugend anfachen. Oder das Gegenteil: wenn die Jugend weder Zeit noch Engagement zu besitzen scheint, um sich parteipolitisch zu engagieren, dann macht dies doch das Feld für ältere Durchstarter frei. Das Thema „Was mache ich (nach den Ferien), wenn ich in Rente bin?“, bleibt eine aktuelle Frage. Nichts gegen Töpferkurse und Nordic-walking-Ausflüge, aber warum nicht die eigenen Erfahrungen und Ideen fruchtbar machen und die Parteienlandschaft von Innen heraus erneuern? Dass Innovation kein Jugendfach ist, ist auf diesen Seiten oft genug belegt worden. Also: auf in die Politik! Sie kann nur besser werden!

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner