Statistische Schnellschlüsse

Dass der Schnellschluss von statistischen Zahlen auf verursachende Gründe und anzuwendende Heilmittel oft ein Kurzschluß ist, macht die neue Ausgabe des Informationsblattes Demografische Forschung deutlich. Geradezu lehrbuchhaft. Eine in dieser Ausgabe entzaubertes, auf statistischer Auswertung basierendes Vorurteil ist dieses: Unternehmen mit älteren Beschäftigten haben eine niedrigere Produktivität. Nein, das ist so nicht richtig: zum einen ist dies nur in kleineren Unternehmen nachweisbar. Zum anderen bietet sich beispielweise eine Erklärung an, die den Befund im anderen Licht erscheinen lässt: „Denn dieser negative Zusammenhang könnte etwa daran liegen, dass Firmen mit geringerer Produktivität weniger junge Arbeitnehmer aufnehmen.“ Tja, so leicht lässt sich ein statistisches Urteil hinterfragen. Wobei auch Lesarten zu Ungunsten der Leistungsfähigkeit von älteren Beschäftigten denkbar sind. Aber hier noch eins pro Oldies: die Tatsache, dass in größeren Unternehmen kein Produktivitätsnachteil durch eine höhere Zahl älterer Mitarbeiter feststellbar ist, könnte damit zusammenhängen, dass „die stärkere Ausdifferenzierung der Aufgaben in großen Firmen ein altersgerechteres Einsetzen von Beschäftigten ermöglichen.“ So läuft das ganze auf eine salomonische Schlußformel hinaus: „Sie (die Studie) zeigt jedoch, dass der negative Zusammenhang zwischen dem Anteil älterer Arbeitnehmer und der Firmenproduktivität auch durch Charakteristika der Unternehmen, beispielsweise ihre Größe, erklärt werden kann.

Sozialer Austausch ist auch Gehirnschmierstoff

In einer Studie des Berliner Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung wurde nun erstmals empirisch der Beweis geliefert: Menschen, die auch im hohen Alter – die Sozialaktivitäten von 516 Personen zwischen 70 und 100 Jahren wurden ausgewertet – sozial aktiv und vielschichtig interessiert sind, können in höherem Maße den alterungsbedingten Rückgang der „Mechanik der Intelligen“ aufhalten. Das Dichterwort „niemand ist eine Insel“ gilt also erst recht im Alter.

„Wir bleiben länger jung,

…als unsere Geburtstage anzeigen
Das Alter aus der Perspektive der verbleibenden Jahre“
Unter diesem schönen Titel kann man mit den Augen des Demografen auf die statistische Altersperspektive von Schweizern, Österreichern und Deutschen blicken.

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