Das Altern stoppen?

Unwillkürlich,  ja automatisch bewegt man sich in eine Grauzone hinein, sobald man darüber nachdenkt, ob und wie man den eigenen Alterungsprozess verlangsamen, anhalten oder gar zurückdrehen kann. Bewegung, Ernährung, innere Einstellung: an den drei Hebeln kann man guten Gewissens zum eigenen Vorteil zu drehen versuchen. Und wie sieht es mit medizinischer Unterstützung aus? Hier ein wenig Botox in die Lippen, dort ein wenig Fett absaugen, hier eine Hormonkur: wo liegen die Grenzen? Jüngst hat eine Untersuchung ergeben, dass die so genannten Anti-Faltencremes allesamt – egal ob für drei Euronen beim Discounter oder für 300 in Paris erstanden wurden –  ihre Versprechen nicht halten können. Schade, aber es gibt ja immer mehr Mediziner, die es den Wunderheilern, Quacksalbern, Demiurgen oder Allchemisten früherer Zeiten nachmachen und dem Alter nachhaltige Schnippchen schlagen bzw. spritzen, schneiden oder injizieren wollen. Ein Beispiel? Bitte sehr, klicken Sie mal hier. Diese Angebote nehmen zu. Der nachfragende Markt wahrscheinlich auch. Aber der Tod ist uns gewiß. Vielleicht lernen wir ihn leichter zu nehmen, wenn wir selbstbewusst sein Kommen erwarten und nicht wegzulaufen versuchen. Er hot uns ja doch ein. Benjamin Button bleibt eine Hollywoodfabel. Am Ende hat es bei allem medizinischen Fortschritt wohl vor allem mit dem je eigenen Verständnis von Würde zu tun, was wir medizinisch mit uns machen lassen.

Wer rastet der rostet

Ein so alter Spruch! Und doch hat nun eine Forschergruppe vom Institut für Psychatrie am King´s College zu London seine Richtigkeit erneut belegen können. Demenz und Alzheimer verschieben sich weiter nach „hinten“, wenn sich die Lebensarbeitszeit ebenfalls weiter nach „hinten“, also ins höhere Alter hinein erstreckt. Die Auswertung der Akten von 1320 Demenzkranken legt diesen Schluß nahe. Generell gilt höhere Bildung, die ohne das gewisse mehr an geistiger Tätigkeit nun einmal nicht zuerwerben ist, als demenzlindernd bzw. verschiebend. In Summe lässt sich das Rostansetzen natürlich auch ohne berufliche Verpflichtungen erreichen.   Hier hängt vieles von dem Selbstbild ab, das man von sich als „Rentner“ entwickelt. Nicht erst im „Ernstfall“, sondern planerisch in den Jahren davor.

Weg mit der Selbstblockade!

Die Online-Ausgabe der Tagesschau beschäftigt sich heute mit lebenslangem Lernen. Der Bremer Bildungsforscher Christian Roßnagel macht im Interview deutlich, dass 60-Jährige im Prinzip genau so lernen wie 25-Jährige. Statistisch betrachtet. Individuelle Unterschiede gibt  es natürlich immer. Das einzige Handicap, mit dem die Jüngeren nicht zu kämpfen haben, ist das Selbstbewußtsein: die Älteren haben immer noch an der Botschaft zu knabbern, die man ihnen in der Jugend eingeflüstert hat: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Ganz schnell vergessen! Der einzige Lernwiderstand ist der im eigenen Kopf! Details kann man hier nachlesen.

Auch ältere Gehirne können wachsen

Eine Pressemitteilung der Hamburger Universitätsklinik belegt, dass die sogenannte „Neuroplastizität“ auch älteren Gehirnen gegeben ist. In einer Studie am Institut für systemische Neurowissenschaften wurde Probanden zwischen 50 und 67 Jahren das Jonglieren beigebracht. Der Fortschritt wurde im Kernspin auf seine anatomischen Veränderungen hin untersucht. Und tatsächlich: im Gegensatz zur Kontrollgruppe waren Erweiterungen am sogenannten  „visuellen Assoziationscortex“ erkennen. Diese Gehirnregion ist darauf spezialisiert, Bewegung im Raum wahrzunehmen.  Aber es gab auch Veränderungen im Hippocampus, der Hirnregion, die für das Lernen wichtig ist, sowie Vergrößerungen im „Nucleus accumbens“, der zum hirneigenen Belohnungssystem gehört.
Prof. Dr. Arne May bewertet das Ergebnis seiner Studie so: „Das Ergebnis zeigt, dass die Veränderungen nicht nur auf das jugendliche Gehirn beschränkt sind, sondern dass sich die anatomische Struktur des erwachsenen Gehirns selbst im Alter noch signifikant verändern kann. Auch und gerade für ältere Menschen ist es daher wichtig, neue Herausforderungen zu meistern und Neues zu lernen.“

Also, wer jetzt noch behauptet, er könne dies oder das nicht mehr lernen, versteckt nur seine Faulheit! Der Geist ist wohl fähig, wahrscheinlich das Fleisch aber schwach.

Sitzen macht alt

OK: dass Bewegung besser ist als ewig den Hosenboden zu scheuern, ist uns allen längst bekannt. Nun hat aber eine Zwillingsstudie am Londoner King´s College gezeigt, in welchem Ausmass Bewegungsvermeidung den Menschen vor der Zeit genetisch altern lässt. Das Indiz dafür war nicht der schöne Schein, sondern die Anzahl bzw. die Länge der Telomere – das sind die Endstücke der Chromosomen. Schon länger wird gemutmasst, dass hier der Schlüssel für den Alterungsprozess insgesamt verborgen liegt. Jedenfalls weisen die bewegungsfreudigen Zwillinge in der genannten Studie im Vergleich mit ihren stubenhockerischen Ebenbildern bis zu zehn Jahre Altersunterschied auf – im Hinblick auf die Länge ihrer Telomere. Sie wirken also nachhaltig jünger. Und jetzt? Vielleicht wenigstens mal einen Spaziergang machen?

Selbstdisziplin könnte Alzheimer-Risiko vermindern

Studie an katholischen Priestern und Nonnen mit erstaunlichem Ergebnis
Chicago (pte/02.10.2007/13:55) – Menschen, die ein gutes Maß an Selbstdisziplin aufweisen, erkranken einer neuen Studie zufolge wesentlich seltener an Alzheimer. Das Forscherteam um Robert Wilson vom Rush University Medical Center in Chicago hat dies in einer Untersuchung an knapp 1.000 katholischen Priestern und Nonnen herausgefunden. Die Studie erschien in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Archives of General Psychiatry, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe. Im Zeitraum zwischen 1994 und 2006 hatte das Forscherteam 997 gesunde Priester, Nonnen und christliche Brüder untersucht. Zu Beginn der Studie mussten die Probanden einen Persönlichkeitstest durchführen, in dem unter anderem auch nach der Produktivität gefragt wurde. Der Satz „Ich bin eine produktive Person, die immer ihre Arbeit macht“ musste anhand einer Skala von Null für nicht-produktiv bis 48 für sehr produktiv bewertet werden. Durchschnittlich lag der Wert der Freiwilligen bei 34. Zudem wurden auch noch neurologische Untersuchungen und kognitive Tests durchgeführt. Insgesamt erkrankten 176 der Untersuchten während der zwölfjährigen Studiendauer an Alzheimer. Deutlich konnten die Forscher anhand der Testergebnisse erkennen, dass jene, die im Persönlichkeitstest mit Werten von 40 oder darüber abschnitten um 89 Prozent seltener an Alzheimer erkrankten als jene, deren Testergebnisse den Wert 28 und darunter aufwiesen. „Das sind Menschen, die Impulse kontrollieren und Normen und Regeln folgen“, erklärt Wilson. Bereits vorhergehende Studien machten deutlich, dass Übung und intellektuelle Stimulation das Risiko der Demenzerkrankung senken können. Eine Verbindung zwischen Selbstdisziplin und einem reduzierten Erkrankungsrisiko, konnten Wissenschaftler hingegen bis jetzt noch nicht feststellen. Die Studienergebnisse wären aber sehr eindeutig.
Wilson glaubt, dass die umsichtigeren und zielstrebigeren Menschen allerdings aktivere frontale Hirnregionen aufweisen. Möglicherweise können diese Regionen Schwächen in anderen Hirnbereichen, die schneller abbauen, kompensieren.

Quelle: www.pressetext.de

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