28.02.2007 | Allgemein, Testimonials, Wohnen
Bremens Ex-Bürgermeister Scherf ist sicher einer der prominentesten Alten-WG-Bewohner der Republik. Und er macht dem Interessierten Mut, den dritten Lebensabschnitt nicht als Verschwinden zu interpretieren. Aber, so Scherf, das Aktivbleiben kommt nicht von alleine. Man muss es wollen und tun. Und rechtzeitig damit anfangen, Kompetenzen aufzubauen, die jenseits des Berufslebens gefragt sein werdne. In einem Interview mit dem magazin a tempo (Märzausgabe, aber im Internet ist bislang nur das Februarheft zu sehen) zitiert er Bremens ersten Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen: „Das Dümmste, was Ihr in der Rente machen könnt, ist, die Hände in den Schoß zu legen und zu warten, bis Euch jemand abholt.“ Nun, Kaisen ist vielleicht auch Dank dieser Einstellung 92 Jahre alt geworden. Seine Botschaft hat jedenfalls an Aktualität eher noch gewonnen.
25.02.2007 | Wohnen
In der Süddeutschen Zeitung von diesem Wochenende wird berichtet, dass die Bertelsmann Stiftung das Nachbarschaftszentrum Meinolfstrasse in Bielefeld mit einem ersten Preis ausgezeichnet hat. Dort wird auf vorbildliche Weise altengerechtes und familiengerechtes Wohnen integrierend möglich gemacht. Ein wunderbarer Beleg dafür, dass altengerechtes Wohnen nicht automatisch heißen muss, dass die Alten unter sich zu bleiben haben. Das Nachbarschaftszentrum Meinolfstraße hat alle Entscheidungen unter Einbindung der Bewohner getroffen. Also keine Paradiesdefinition von oben herab. Die Bertelsmann Stiftung erforscht unter dem TItel „Neues Altern in der Stadt (NAIS)“ die Veränderungsnotwendigkeiten für zentrale Quartiere, um zu einer besseren Durchmischung der Altersstruktur zu gelangen. Möchte man sich also über alternative Wohnformen informieren, so gibt es mittlerweile tatsächlich genügend Anknüpfungspunkte.
08.02.2007 | Allgemein
Für das gefühlte „Länger-jung-Bleiben“ gibt es auch ein Äquivalent in der harten Welt der Fakten: die Sterbetafeln. Hier wird mit akribischer Rechenkunst für jeden Jahrgang die statistisch noch verbleibende Lebenszeit angegeben. Mit den Änderungen zur Vorgängeredition. Dem Vernehmen nach werden diese Tafeln mittlerweile häufiger aktualisiert, da sich die Lebenserwartung dynamisch entwickelt.
08.02.2007 | Werbung
Auch in der Industrie zeigen sich die ersten Lichter: Die Seifenfirma Dove will für die Einführung der neuen Produktserie „pro-age“ (eben nicht das dämliche „anti-age“) auf „Models“ jenseits der 50 und 60 bauen. Auch in Fernsehspots. Älterwerden soll nicht länger als negative Entwicklung wahrgenommen werden. „Besonders Frauen ab 50 sollen dazu inspiriert werden, sich schön zu fühlen.“
Wenn man bedenkt, dass der Jugendwahn sich maßgeblich den Ambitionen der Werbeindustrie verdankt, kann es einen nur optimistisch stimmen, wenn die Werber nun auch ältere Menschen zu Modellcharacteren erheben.
05.02.2007 | Allgemein
Wenn es um defizitäre Begleiterscheinungen des Alterns geht, dann denke ich zunächst immer an die Augen: Zwar trage ich seit meinem fünften Lebensjahr eine Brille; aber der Eindruck der Angewiesenheit ist noch recht neu. Mein Uhrarmband war aus der Fassung gehüpft; eine Viertelstunde lang versuchte ich vergebens – mit vorgerückter Brille – den dünnen Metallstift wieder in die Fassung zu bekommen. Dann bat ich meinen Sohn mir zu helfen. Für ihn war es eine Sache von zwei Minuten. Bestimmt hätte ich das irgendwann auch noch geschafft – oder meine ich das nur?