Weiterbildung ja – aber noch nicht genug

In der heutigen Süddeutschen Zeitung beschäftigt sich ein großer Artikel zu Beginn der Beilage „Beruf und Karriere“ mit den Chancen älterer Mitarbeiter. Einerseits wird fest gehalten, ist die Zahl der Arbeitssuchenden über 55 Jahre um 173.000 gesunken, aber andererseits bestehen in vielen Unternehmen noch immer Vorurteile bezüglich des Einsatzes von Älteren. Bei aller Klarheit der demographischen Situation ist wohl das Leiden vieler Unternehmen noch nicht groß genug, um sich intensiver um die Älteren zu kümmern. Nun, das wird die Zeit mit Sicherheit richten.

Tagesgedanke

„Die Mensche hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sondern sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen.“

Oliver Wendell Holmes (1809 – 1894)

Selbstdisziplin könnte Alzheimer-Risiko vermindern

Studie an katholischen Priestern und Nonnen mit erstaunlichem Ergebnis
Chicago (pte/02.10.2007/13:55) – Menschen, die ein gutes Maß an Selbstdisziplin aufweisen, erkranken einer neuen Studie zufolge wesentlich seltener an Alzheimer. Das Forscherteam um Robert Wilson vom Rush University Medical Center in Chicago hat dies in einer Untersuchung an knapp 1.000 katholischen Priestern und Nonnen herausgefunden. Die Studie erschien in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Archives of General Psychiatry, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe. Im Zeitraum zwischen 1994 und 2006 hatte das Forscherteam 997 gesunde Priester, Nonnen und christliche Brüder untersucht. Zu Beginn der Studie mussten die Probanden einen Persönlichkeitstest durchführen, in dem unter anderem auch nach der Produktivität gefragt wurde. Der Satz „Ich bin eine produktive Person, die immer ihre Arbeit macht“ musste anhand einer Skala von Null für nicht-produktiv bis 48 für sehr produktiv bewertet werden. Durchschnittlich lag der Wert der Freiwilligen bei 34. Zudem wurden auch noch neurologische Untersuchungen und kognitive Tests durchgeführt. Insgesamt erkrankten 176 der Untersuchten während der zwölfjährigen Studiendauer an Alzheimer. Deutlich konnten die Forscher anhand der Testergebnisse erkennen, dass jene, die im Persönlichkeitstest mit Werten von 40 oder darüber abschnitten um 89 Prozent seltener an Alzheimer erkrankten als jene, deren Testergebnisse den Wert 28 und darunter aufwiesen. „Das sind Menschen, die Impulse kontrollieren und Normen und Regeln folgen“, erklärt Wilson. Bereits vorhergehende Studien machten deutlich, dass Übung und intellektuelle Stimulation das Risiko der Demenzerkrankung senken können. Eine Verbindung zwischen Selbstdisziplin und einem reduzierten Erkrankungsrisiko, konnten Wissenschaftler hingegen bis jetzt noch nicht feststellen. Die Studienergebnisse wären aber sehr eindeutig.
Wilson glaubt, dass die umsichtigeren und zielstrebigeren Menschen allerdings aktivere frontale Hirnregionen aufweisen. Möglicherweise können diese Regionen Schwächen in anderen Hirnbereichen, die schneller abbauen, kompensieren.

Quelle: www.pressetext.de

Statistische Schnellschlüsse

Dass der Schnellschluss von statistischen Zahlen auf verursachende Gründe und anzuwendende Heilmittel oft ein Kurzschluß ist, macht die neue Ausgabe des Informationsblattes Demografische Forschung deutlich. Geradezu lehrbuchhaft. Eine in dieser Ausgabe entzaubertes, auf statistischer Auswertung basierendes Vorurteil ist dieses: Unternehmen mit älteren Beschäftigten haben eine niedrigere Produktivität. Nein, das ist so nicht richtig: zum einen ist dies nur in kleineren Unternehmen nachweisbar. Zum anderen bietet sich beispielweise eine Erklärung an, die den Befund im anderen Licht erscheinen lässt: „Denn dieser negative Zusammenhang könnte etwa daran liegen, dass Firmen mit geringerer Produktivität weniger junge Arbeitnehmer aufnehmen.“ Tja, so leicht lässt sich ein statistisches Urteil hinterfragen. Wobei auch Lesarten zu Ungunsten der Leistungsfähigkeit von älteren Beschäftigten denkbar sind. Aber hier noch eins pro Oldies: die Tatsache, dass in größeren Unternehmen kein Produktivitätsnachteil durch eine höhere Zahl älterer Mitarbeiter feststellbar ist, könnte damit zusammenhängen, dass „die stärkere Ausdifferenzierung der Aufgaben in großen Firmen ein altersgerechteres Einsetzen von Beschäftigten ermöglichen.“ So läuft das ganze auf eine salomonische Schlußformel hinaus: „Sie (die Studie) zeigt jedoch, dass der negative Zusammenhang zwischen dem Anteil älterer Arbeitnehmer und der Firmenproduktivität auch durch Charakteristika der Unternehmen, beispielsweise ihre Größe, erklärt werden kann.

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