Den Tod mit denken

Oder vielleicht besser: nicht die Todesgewissheit leugnen! Gerade kurz nach einer Trauerfeier eines guten Bekannten geht mir durch den Kopf, dass es bei der Gestaltung – „Bewältigung“ klingt mir zu affektiert – des Alters der Einbezug des Todes nicht fehlen darf. Er kommt in jedem Fall. Oft früher als erwartet. Auch wenn man – wie im heutigen Fall – schlank, bis vor kurzem gesund, Vegetarier und mit einer intakten Familie beschenkt ist, kann er, z.B. im Gewand des Bauchspeicheldrüsenkrebses, an die Tür klopfen.
Carpe diem – fang den Tag! Und mach das Dir gegeben Beste daraus! Und Gott dabei um Hilfe zu bitten, kann gewiß nicht schaden. Ohnehin: unsere kulturell errichtete Mauer des Schweigens rund um das Thema zeigt uns doch, wie weit uns andere Kulturen voraus sind, die Leben und Tod als Bestandteile der menschlichen Existenz anerkennen und dementsprechend zu leben verstehen.

Cobain und die Rentner

In der TAZ vom 26. Juni berichtet Erik Heier von einem Beliner Theaterprojekt. Ähnlichkeiten zur Neufassung von The Who´s „hope to die before I get old“ durch eine 70+ Band sind nicht von der Hand zu weisen: Generationenstreit oder Generationenbrücke? Eine Reihe von Amateurschauspielern jenseits der 60 setzt sich szenisch mit Kurt Cobain auseinander. Das war jener junge Mann, der sich 1994 auf dem Höhepunkt seiner rock-musikalischen Karriere mit 27 Jahren im Rausch mit einer Schrotflinte ins Gesicht schoß. Das ist der Stoff, aus dem Mythen gewebt werden. Die Alten nun haben durchgehalten, nicht gekniffen, obwohl es ihnren Viten auch Mancherlei gab, das wahrlich zum Weglaufen war. Was aus so unterschiedlichen Lebensläufen darzustellen ist, kann man im Theaterhaus Mitte in Berlin zumindest heute und morgen ab 20.00 Uhr entdecken. Später möchte Regisseurin Sylvia Moss die Einspielung als Video auf Reisen schicken.

„My generation“

Der heutige SPIEGEL ONLINE berichtet – mit your tube-Video (sehr sehenswert!)  – über die englische Sängergruppe The Zimmers, die mit 40 Männern und Frauen im Gesamtalter von 3000 Jahren den The Who-Song „My Generation“ gecovered haben. Augenblicklich steht der Titel auf Platz 30 der Charts.
Meine Herren: die Jungen müssen sich langsam echt anstrengen!

Zitat des Tages

„Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“
Franz Kafka

Medizintourismus

Vor zehn Jahren tauchte dieser Begriff wohl noch in keinem Wörterbuch auf. Seit ein paar Jahren hört man immer häufiger von Menschen, die nach Polen oder Ungarn reisen, um dort ihre Zähne zu vertretbaren Preisen sanieren zu lassen. Aber nun bekommt diese Sonderform von Tourismus eine neue Facette – oder soll man besser sagen: schliesst an die uralten Träume von der ewigen Jugend an? Galt ehedem die Suche dem heiligen Gral oder anderen wunderversprechenden Wässerchen und Tinkturen, so zielen die reisenden Begehrlichkeiten heute auf Stammzellenkuren mit Anti-Aging-Wirkung. Ob Costa Rica oder ehemalige GUS-Staaten: Auf dort blitzartig entstehenden „Refreshing-Farmen“ meint so mancher Erstweltbewohner seinem Schicksal eine Nase drehen zu können. Hier gibt es noch ein paar Details mehr. Aber absurd bleibt es dennoch.

Alt? Wie fühlt sich das an?

Ob Gebrauchsanweisungen oder Tastaturen von technischen Geräten: allzuoft hat man das Gefühl, dass ältere Nutzer bei der Produktentwicklung überhaupt nicht im Focus stehen. Ganz aktuell freue ich mich einerseits über unsere neue Heizung, die eine weitaus höhere Energieeffizienz aufweist als ihre Vorgängerin. Aber um etwas einzustellen, muss ich mit dem Vergrößerungsglas in den Keller. Lästig! Und es muss nicht sein: unter der – blöderweise wieder englischen – Adresse https://age-explorer.de findet man Hinweise, wie sich Produktentwickler spezielle Helme und Anzüge anpassen lassen könnten, um mit diesen die potentiellen Einschränkungen des älteren Konsumenten nachzuempfinden. Würden alle Entwicklungsabteilungen dies Angebot nutzen, wäre die Welt auch für die Alten deutlich „bedienungsfreundlicher“.

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