09.09.2007 | Allgemein
In der August-Ausgabe der Zeitschrift brand 1 ist folgende hübsche Anekdote zu lesen:
Als ich zum ersten Mal im Wartezimmer meines neuen Zahnarztes saß, sah ich auf einer Urkunde an der Wand seinen vollständigen Namen. Ich erinnerte mich, dass ein schlanker, fleißiger Junge gleichen Namens vor gut 30 Jahren in meiner Klasse war. Doch als ich den Arzt sah, verwarf ich den Gedanken. Dieser glatzköpfige, weißbärtige Mann mit den tiefen Falten war viel zu alt, um in meiner Klasse gewesen zu sein. Nachdem er meine Zähne untersucht hatte, fragte ich ihn trotzdem, ob er das örtliche Gymnasium besucht hätte.
„Ja“, antwortete er.
„Wann haben Sie Abi gemacht?“
„1972, warum?“
„Sie waren in meiner Klasse“, antwortete ich.
Er betrachtete mich aufmerksam und fragte dann: „Was haben Sie unterrichtet?“
Quelle: am Nebentisch mitgehört
21.08.2007 | Allgemein, Konsum
Auch im Internet werden die Älteren nun als eigene Zielgruppe bedient: unter www.seniorenland.com kann man nicht nur Fußsprudler oder Seniorentelefone erwerben. Möbel, Altershilfen, Ernährung lauten einige der orientierungsspendenden Reiter. Das andere Verkaufsverständnis wird hier deutlich „...bisher werden Produkte für Senioren immer mit „Krankheit“ in Verbindung gebracht – das wollen wir aufbrechen und versuchen Normalität in diesen irgendwann jeden Menschen betreffenden Teil des Lebens zu bringen.“ Richtig so. Mal vorbeischauen…
16.08.2007 | Allgemein, Konsum
Auch bei der Spielzeugindustrie ist die Kenntnis der geänderten Lebenserwartung angekommen: momentan werden kleine Würfel aus Schaumstoff vertrieben, die – analog zum alten Zauberwürfel aus den 80er Jahren – auf verschiedenem Niveau das Verschieben der Segmente hin zu einer einheitlichen Farbfläche pro Würfelseite zum Ziel haben. Also ein nettes Remake für Kinder. Aber anders als früher – wir erinnern uns – steht hier nicht mehr von 9-99; sondern in der schwersten Variante: „von 9 bis 125“. Hat doch was!
13.08.2007 | Allgemein
Ist ein solcher Begriff eigentlich noch haltbar? Die meisten Menschen, die jetzt 40 Jahre alt werden und damit potentiell über kurz oder lang zu Opfern der mit 40 beginnenden „Altersweitsichtigkeit“ werden, müßten gegen den Begriff eigentlich aufbegehren: statistisch kaum die zweite Lebenshälfte errreicht und nun das? Vielleicht wäre „Erwachsenenweitsichtigkeit“ treffender?
18.07.2007 | Allgemein, Kultur, Philosophie
Oder vielleicht besser: nicht die Todesgewissheit leugnen! Gerade kurz nach einer Trauerfeier eines guten Bekannten geht mir durch den Kopf, dass es bei der Gestaltung – „Bewältigung“ klingt mir zu affektiert – des Alters der Einbezug des Todes nicht fehlen darf. Er kommt in jedem Fall. Oft früher als erwartet. Auch wenn man – wie im heutigen Fall – schlank, bis vor kurzem gesund, Vegetarier und mit einer intakten Familie beschenkt ist, kann er, z.B. im Gewand des Bauchspeicheldrüsenkrebses, an die Tür klopfen.
Carpe diem – fang den Tag! Und mach das Dir gegeben Beste daraus! Und Gott dabei um Hilfe zu bitten, kann gewiß nicht schaden. Ohnehin: unsere kulturell errichtete Mauer des Schweigens rund um das Thema zeigt uns doch, wie weit uns andere Kulturen voraus sind, die Leben und Tod als Bestandteile der menschlichen Existenz anerkennen und dementsprechend zu leben verstehen.
27.06.2007 | Allgemein, Konsum
In der TAZ vom 26. Juni berichtet Erik Heier von einem Beliner Theaterprojekt. Ähnlichkeiten zur Neufassung von The Who´s „hope to die before I get old“ durch eine 70+ Band sind nicht von der Hand zu weisen: Generationenstreit oder Generationenbrücke? Eine Reihe von Amateurschauspielern jenseits der 60 setzt sich szenisch mit Kurt Cobain auseinander. Das war jener junge Mann, der sich 1994 auf dem Höhepunkt seiner rock-musikalischen Karriere mit 27 Jahren im Rausch mit einer Schrotflinte ins Gesicht schoß. Das ist der Stoff, aus dem Mythen gewebt werden. Die Alten nun haben durchgehalten, nicht gekniffen, obwohl es ihnren Viten auch Mancherlei gab, das wahrlich zum Weglaufen war. Was aus so unterschiedlichen Lebensläufen darzustellen ist, kann man im Theaterhaus Mitte in Berlin zumindest heute und morgen ab 20.00 Uhr entdecken. Später möchte Regisseurin Sylvia Moss die Einspielung als Video auf Reisen schicken.