09.05.2007 | Allgemein, Gesellschaft
Ein schon leicht gebeugter Herr mit weißmeliertem Haar schiebt seinen Getränkewagen mit zwei Kisten stillem Mineralwasser am Bionade-Aufbau vorbei. „Gehen Sie nur durch, junger Mann“ ruft ihm der vielleicht 40jährige Fahrer des um die Ecke stehenden Gabelstaplers zu. Er trägt keine Brille und macht auch sonst keinen verhuschten Eindruck. Wie interpretieren wir dies?
1. Der Gebelstaplerfahrer besitzt keine Manieren und hat sich deshalb im Wort vergriffen – auch wenn sein Ton und seine Begleitgestik durchaus freundlich-heiter ausgefallen ist.
2. Der Jugendlichkeitswahn ist vereinzelt so weit fortgeschritten, dass es als höflich erscheint, auch den älteren Teil der Gesamtbevölkerung dem großen postpubertären Wartesaal zuzuweisen.
3. Die Ironisierung und das In-Frage-Stellen der klassischen Altersbilder sind mittlerweile so weit verbreitet, dass man gefahrlos von altersspezifischen Höflichkeitsbezeugungen Abstand halten darf.
04.05.2007 | Allgemein, Ernährung
Längst bekannt: Kalorienreduktion bringt Lebensjahre. Aber wer will das schon? Nun haben Forscher beim Fadenwurm ein Gen gefunden, das seinem typologischen Erscheinungsbild nach auch bei Säugetieren zu finden ist. Noch ist es zu früh, von der Übertragbarkeit der Erkenntnisse und damit erneut vom „Altersgen“ zu fabulieren. Aber lesen Sie weiter, der SPIEGEL macht Hoffnung.
03.05.2007 | Allgemein
Als ich jung war, sage man: Warte nur, bis du fünfzig bist, dann wirst du schon sehen! Jetzt bin ich fünfzig und sehe absolut nichts.
Ernest Hemingway
27.04.2007 | Allgemein, Wissenschaft
…als unsere Geburtstage anzeigen
Das Alter aus der Perspektive der verbleibenden Jahre“
Unter diesem schönen Titel kann man mit den Augen des Demografen auf die statistische Altersperspektive von Schweizern, Österreichern und Deutschen blicken.
24.04.2007 | Allgemein, Philosophie
Der ehemalige Präsident der Max-Planck-Gesellschaft Hubert Markl ruft uns in seinem Beitrag im aktuellen Merkur in Erinnerung, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Und dass unsere aktuelle Verdrängungskultur ihm ausweicht – zu unser aller Nachteil. Denn der Tod kommt trotzdem und dann unangenehm überraschend. Dies ist ein Nachteil, der nicht der westlichen Welt per se anhängt und ihren Vorsprung gegenüber wirtschaftlich schwächeren Kulturen in dieser Frage tatsächlich in Frage stellt. Wir haben es in den letzten Jahrzehnten geschaftt, das Sterben aus dem Leben wegzudenken. Man blättere durch die großen Roman des 19. Jahrhinderts: immer wieder versammeln sich die Sippen – oft aus ganz anderen europäischen Ländern kommend – am Sterbebett der oder des Altvorderen. Einübung ins Sterbegeschehen für die nachrückenden Generationen. Aber auch: oft opulent inszeniertes Abschiednehmen als integraler Bestandteil des Lebens als solchem. Wir haben mit unserer verdrucksten Wegschaukultur noch eine ganze Menge wieder neu zu lernen. Dabei konnten wir Europäer es doch schon so viel besser… Mit Markl gesprochen „Erlernen des Lebens, Erziehung zum Leben kann daher immer nur zugleich bedeuten, das sichere Ende mitzudenken, zu bejahen und ins Leben einzubeziehen.“(Merkur 696, S. 317)
22.04.2007 | Allgemein, Konsum
In der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (leider online nur gegen Geld einsehbar) schreibt Titus Arnu über die grösste Seniorenmesse Deutschlands. Senta Berger als Frontfrau in Sachen Athritis, Krabbelkäfer für Entspannung im Nackenbereich und Mobilität zwischen den Supermarktregalen: das Bild wandelt sich. Selbst eine „Altenmesse“ ist nicht mehr das was sie war – wenn es sie im nennenswerten Umfang denn überhaupt früher schon geggeben hat. Zitat: „Die Senioren von heute sind nicht nur viel fitter als vergleichbare alte Menschen früherer Generationen, sie sind auch aktiver und kosumfreudigern, sie reisen mehr und sind zunehmend an Produkten der Unternhaltungselektronik interessiert.“ Wollen wir dabei etwas bekritteln? Ja: Drei Tage Messe sind etwas dürftig.