Der Boxer als Wiedergänger

Ist das ein Zufall? Im Kino ist just Rocki Balboa gelaufen, Sylvester Stallones Spätwerk, das auf ungeahnt sensible Weise das Thema des alten Boxers, der doch wieder in den Ring muss, thematisiert. Und nun zog es Henry Maske mit 43 Jahren nach zehn Jahren Boxabstinenz wie Balboa ebenfalls zurück zwischen die Seile. Balboa ist älter, aber immerhin lässt Stallone ihn den Kampf nicht gewinnen. Maske hat – wider alle Erwartungen – einstimmig nach Punkten gewonnen. Seiner Frau versprach er, dass dies der einzige Auftritt im Ring bleiben werde. Ging es ihm ums Geld? Um die Selbstdarstellung? Um die Gewissheit, nicht zum alten Boxeisen zu gehören? In jedem Fall kann man ihm zu der Selbstüberwindungsdisziplin gratulieren, die den Fight überhaupt erst möglich gemacht hat – egal, ob man nun für Boxästhetik schwärmt oder nicht. Eines aber sollte man aber nicht vergessen: sein Gegner Virgil Hill zählt ebenfalls bereits 43 Lenze.

Dreht sich der Arbeitsmarkt?

In der heutigen Ausgabe des Hamburger Abendblattes gibt es Hinweise für eine Tendenzwende, die auch „ältere Arbeitnehmer“ – wo fängt „älter“ eigentlich an? – wieder hoffnungsvoller auf den Arbeitsmarkt blicken läßt.

Im Gespräch

Anläßlich eines Netzwerktreffens sprach ich gestern mit einem etwas älteren Soziologen, der im ländlich-kommunalen Bereich unter anderem für die Kapazitätsplanung von Altenheimen zuständig ist. Er wartete mit der These auf, dass die Sterbetafeln bald wieder korrigiert werden müssten – nach unten! Seiner Ansicht nach ist die statistische Single-Generation der Babyboomer nicht in der Lage, familienähnliche Verbände zu gründen, um der Altersvereinsamung und -depression entgegenzuarbeiten. Traurig und vereinsamt werden sie statistisch früher von dieser Erde scheiden als ihre Vorgänger. Ich halte dagegen unsere Generation – im statistischen Mittel – für schlau genug, um beizeiten aus dem Lebensvorbild der Elterngeneration die nötigen Schlüsse zu ziehen: wo man nicht im Familiekontext älter werden kann, wird man es im Zusammenspiel mit Freunden schaffen müssen. Denn das Bild des Altenheimbewohners wird kaum an Attraktivität gewinnen.

Wer mit der Zeit geht…

Mit 90 anderen Skifahrern in einer Gondel. Nur ein Paar andere Skier ist länger als die meinen. Der Rest fährt mittlerweile Carver. „Ist viel einfacher“ „Macht viel mehr Spaß!“ Bin ich ein Fossil? Rückständig? Dem Neuen abgewandt? Nein! Auch gute Carver kommen an die Eleganz geübter Skifahrer nicht heran. Viele – nicht nur Jugendliche – carven viel zu schnell über die Pisten und gefährden sich und andere mehr als dies angetrunkene Skifahrer früher taten. Rasen zu können ohne sich aufs Bremsen zu verstehen fällt dem Carver leichter als dem Skifahrer.
Ich glaube, es macht Spaß und ist richtig, sich hin und wieder auf der Basis durchdachter Argumente einem Trend nicht anzuschliessen und schlichtweg beim Alten zu bleiben. Immer nur Mitzumachen hält nicht jung! Ausserdem: Irgendwann wird die Industrie fast jedem einen Carver angedreht haben und dann ohnehin die langen Latten wieder ins Programm hieven. Schließlich werden ja auch zunehmend wieder Vinylschallplatten gepreßt.

Scherf macht´s vor

Bremens Ex-Bürgermeister Scherf ist sicher einer der prominentesten Alten-WG-Bewohner der Republik. Und er macht dem Interessierten Mut, den dritten Lebensabschnitt nicht als Verschwinden zu interpretieren. Aber, so Scherf, das Aktivbleiben kommt nicht von alleine. Man muss es wollen und tun. Und rechtzeitig damit anfangen, Kompetenzen aufzubauen, die jenseits des Berufslebens gefragt sein werdne. In einem Interview mit dem magazin a tempo (Märzausgabe, aber im Internet ist bislang nur das Februarheft zu sehen) zitiert er Bremens ersten Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen: „Das Dümmste, was Ihr in der Rente machen könnt, ist, die Hände in den Schoß zu legen und zu warten, bis Euch jemand abholt.“ Nun, Kaisen ist vielleicht auch Dank dieser Einstellung 92 Jahre alt geworden. Seine Botschaft hat jedenfalls an Aktualität eher noch gewonnen.

Statistik und Psychologie

Für das gefühlte „Länger-jung-Bleiben“ gibt es auch ein Äquivalent in der harten Welt der Fakten: die Sterbetafeln. Hier wird mit akribischer Rechenkunst für jeden Jahrgang die statistisch noch verbleibende Lebenszeit angegeben. Mit den Änderungen zur Vorgängeredition. Dem Vernehmen nach werden diese Tafeln mittlerweile häufiger aktualisiert, da sich die Lebenserwartung dynamisch entwickelt.

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