02.06.2007 | Allgemein, Konsum
Vor zehn Jahren tauchte dieser Begriff wohl noch in keinem Wörterbuch auf. Seit ein paar Jahren hört man immer häufiger von Menschen, die nach Polen oder Ungarn reisen, um dort ihre Zähne zu vertretbaren Preisen sanieren zu lassen. Aber nun bekommt diese Sonderform von Tourismus eine neue Facette – oder soll man besser sagen: schliesst an die uralten Träume von der ewigen Jugend an? Galt ehedem die Suche dem heiligen Gral oder anderen wunderversprechenden Wässerchen und Tinkturen, so zielen die reisenden Begehrlichkeiten heute auf Stammzellenkuren mit Anti-Aging-Wirkung. Ob Costa Rica oder ehemalige GUS-Staaten: Auf dort blitzartig entstehenden „Refreshing-Farmen“ meint so mancher Erstweltbewohner seinem Schicksal eine Nase drehen zu können. Hier gibt es noch ein paar Details mehr. Aber absurd bleibt es dennoch.
01.06.2007 | Allgemein, Konsum, Technik, Werbung
Ob Gebrauchsanweisungen oder Tastaturen von technischen Geräten: allzuoft hat man das Gefühl, dass ältere Nutzer bei der Produktentwicklung überhaupt nicht im Focus stehen. Ganz aktuell freue ich mich einerseits über unsere neue Heizung, die eine weitaus höhere Energieeffizienz aufweist als ihre Vorgängerin. Aber um etwas einzustellen, muss ich mit dem Vergrößerungsglas in den Keller. Lästig! Und es muss nicht sein: unter der – blöderweise wieder englischen – Adresse https://age-explorer.de findet man Hinweise, wie sich Produktentwickler spezielle Helme und Anzüge anpassen lassen könnten, um mit diesen die potentiellen Einschränkungen des älteren Konsumenten nachzuempfinden. Würden alle Entwicklungsabteilungen dies Angebot nutzen, wäre die Welt auch für die Alten deutlich „bedienungsfreundlicher“.
26.05.2007 | Gesellschaft, Konsum, Kultur
Aktuell sehe ich Frauen – gut in den Vierzigern – in turnschuhähnlichem Geläuf ohne Schnürsenkel in den dafür vorgesehenen Ösen promenieren. Banal? Ja, aber in der Banalität des Alltags offenbaren sich oft grundsätzliche Einstellungswandlungen. Bei Kindern und Jugendlichen – zumindest in den Großstädten der Republik – ist dies disfunktionale Schuhwerk im Augenblick „angesagt“. Es gibt dafür natürlich auch eine eigene Begrifflichkeit, die ich ein Stockwerk höher bei meinen Kindern erfragen könnte. Aber der Name spielt keine Rolle. Wenn nun reife Mütter auf ästhetischen Kuschelkurs mit ihren Söhnen und Töchtern gehen, kann man den Willen zur freundschaftlichen Anverwandlung darin erblicken. Aber auch die Unfähigkeit, den Altersabstand zur nachrückenden Generation zu akzeptieren. Schwarz oder weiß, kein Grau? Nun gut, noch einmal differenzierter: Angefangen bei den gelben Hosen von Goethes Werther war und ist es ein Vorrecht der Jugend, sich durch eigene Kleidung von den Älteren abzusetzen. Nur selten aber wird jugendliches Outfit gemeinsam mit seinen Trägern überzeugend älter. Eigentlich fällt mir nur die Jeans ein. Auch ein Siebzigjähriger, der sich in Garten oder Garage zu schaffen macht, ist mit der richtigen Jeans akurat gekleidet. Warum? Jeans folgen dem Diktum form follows function. Das kann die meiste Jugendbekleidung eben nicht von sich behaupten. Daher bleibt es im Allgemeinen Medienfigürchen wie Lagerfeld vorbehalten, demonstrativ die Kinderbekleidung nachfolgender Generationen aufzutragen. So gesehen bleibe ich dabei: forever young funktioniert nicht auf der Basis des Garderobenmundraubs bei den eigenen Kindern. Die lächerliche Figur der komischen Alten ist hier vorgestanzt.
21.05.2007 | Allgemein, Konsum, Technik
Dass man auf Geräte, die vor allem für ältere Menschen gedacht sind, nicht mit einer „Senioren…“ Aufschrift bewerben darf, ist mittlerweile schon fast ein alter Hut. Aber dass vor der Frage nach einem korrekten „altengerechten Marketing“ die Untersuchung ihrer Bedürfnisse – in diesem Fall an technische Geräte – zu stehen hat, setzt sich erfreulicher Weise nun doch allmählich durch. Auch in der gemeinhin jungen und jugendorientierten PC-Welt. Zu den bislang wenig erfolgreichen Versuchen von Siemens-Fujitsu (u.a.) lohnt es sich, bei Heise weiterzulesen.
22.04.2007 | Allgemein, Konsum
In der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (leider online nur gegen Geld einsehbar) schreibt Titus Arnu über die grösste Seniorenmesse Deutschlands. Senta Berger als Frontfrau in Sachen Athritis, Krabbelkäfer für Entspannung im Nackenbereich und Mobilität zwischen den Supermarktregalen: das Bild wandelt sich. Selbst eine „Altenmesse“ ist nicht mehr das was sie war – wenn es sie im nennenswerten Umfang denn überhaupt früher schon geggeben hat. Zitat: „Die Senioren von heute sind nicht nur viel fitter als vergleichbare alte Menschen früherer Generationen, sie sind auch aktiver und kosumfreudigern, sie reisen mehr und sind zunehmend an Produkten der Unternhaltungselektronik interessiert.“ Wollen wir dabei etwas bekritteln? Ja: Drei Tage Messe sind etwas dürftig.