21.09.2014 | Allgemein, Arbeitswelt, Gesundheit, Wissenschaft
Wir wissen, dass jeder Tag uns altern lässt. Aber nicht die Wiederholung des gleichen Tagesablaufs, sondern winzige Änderungen in unserer Zellstruktur erzeugen die physischen und psychischen Veränderungen, die nach einer Weile zu dem erstaunten Ausruf „Mann, ist die alt geworden“ Anlaß geben. Der genetische Ort des Geschehens sind die Abschlußkappen der Chromosomen, Telomere genannt. Mit jeder Zellteilung verkürzen sie sich ein Stückchen. So lange, bis eine verjüngende Zellteilung nicht mehr möglich ist. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Sport und Bewegung nicht nur gut für das Herz-Kreislaufsystem und die Muskelbildung sind, sondern auch gerade hier den Verkürzungsprozess der Telomere streckt.

Der Stuhl: unser unheimlicher Feind!
Im aktuellen Ärzteblatt wird nun über eine Studie berichtet, die diesem Gedanken ein Fragezeichen anhängt: nicht die Bewegung, sondern das Nicht-Sitzen reicht, um die Telomere besser in Schuß zu halten. Die Studie der Universität Umeá bedarf sicher weiterer Stützung von anderen Forschern, aber die mögliche Erkenntnis, dass nicht zuförderst der Bewegungsmangel das Leben verkürzt, sondern die das Ausmaß der sitzend verbrachten Lebenszeit. Bis das abschliessend geklärt ist, könnte man sich mit dem Gedanken des sparsameren Sitzens befreunden…
25.08.2014 | Allgemein, Arbeitswelt, Pflege, Wissenschaft
In der Wochenend-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (23./24. August) macht sich Professor Görres für eine Aufwertung der Ausbildung in der Altenpflege stark. Ein zentrales Thema, wenn man bedenkt, dass zwischen 300.000 und 500.000 zusätzliche Altenpfeger/innen in den kommenden 20 Jahren gebraucht werden. Die Schätzungen gehen noch ziemlich weit auseinander. Die japanische Lösung, vor allem auf Robotik-Unterstützung in der Pflege zu bauen, ist bei uns wohl kulturell kaum durchsetzbar. Also brauchen wir mehr menschliche Helfer, also muss der Beruf finanziell und qua Status attraktiver werden. Eine mögliche Karriereentwicklung gehört dazu. Aber lesen Sie selbst: auf diesen Seiten des Instituts ist das Interview veröffentlich. So erfreulich es ist, dass sich nun bereits mehrere Universitäten um die Akademisierung der Pflege kümmern und damit die Aufwertung des Berufsstandes betreiben, so bedauerlich ist die denglische Angeber-Fassade, die dafür aus der Taufe gehoben wurde: „Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)“. Nun ja…
03.08.2014 | Allgemein, Arbeitswelt, Bildung, Demographie, Europa, Wissenschaft
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat vor der Sommerpause seinen 4. Fortschrittsreport zum o.g. Thema mit folgendem Untertitel geschmückt: „Lebenslanges Lernen und betriebliche Weiterbildung“.
Auf gut 50 Seiten werden einem viele – ja zu viele – Daten aus dem Kontext Altern, Arbeit, Weiterbildung, Renteneintritt serviert. Man kann sich Stunden damit beschäftigen, eine persönliche Bedeutungsessenz aus dem Datenkonvolut herauszufiltern. Aber in Summe stimmen die Daten optimistisch: Es bestätigt sich – zumindest für Deutschland – dass Weiterbildung für ältere Arbeitnehmer ein wichtiger Faktor für den längeren Verbleib im Unternehmen darstellt. Große Unternehmen haben dies mehrheitlich begriffen und bieten gezielt mehr Fachweiterbildung für ihre älteren Mitarbeiter an. KMU tun sich erfahrungsgemäss schwerer mit diesem Thema, können aber (wie Beispiele in der Publikation belegen) immer mehr auf Unterstützung durch Fachinstitutionen bauen.
Ein paar besonders sprechende Daten seien genannt: die Quote der Mitarbeiter zwischen 60 und 64 Jahren, die an betrieblichen Weiterbldungsmaßnahmen teilnahm, stieg von 2007 bis 2012 von 23,5% auf 35,3 %. Ein Teil wird der demographischen Gesamtlage zuzurechnen sein, aber es bleibt dennoch ein positiver Quantensprung übrig. (S. 22)
Im EU-Kontext können nur Schweden, Luxemburg und Dänemark eine höhere Weiterbildungsbeteiligung im Segment der 55 bis 64-Jährigen vorweisen. „Mitgliedstaaten mit einer überdurchschnittlichen Erwerbstätigenquote Älterer haben tendenziell auch eine hohe Weiterbildungsbeteiligung.“ (S. 26)
Die Arbeitslosenquote aller Erwerbstätigen sank von April 2013 zu April 2014 um o,3 %-Punkte; die der 55 bis 64-Jährigen sogar um 0,4 %! (S. 48)
Die Rentnerquote bei den 60-65-Jährigen lag im Jahre 2000 bei 61,8 %. Im Jahre 2012 war sie bis auf 40,3 % gefallen. Das umgekehrte Bild zeigt sich in der Erwerbstätigenquote.
Das sind viele Zahlen. Aber sie belegen doch, dass die Altersdiskriminierung im Arbeitsleben wahrnehmbar sinkt. Und das ist erfreulich!
Das nicht alle Spaß daran haben, länger zu arbeiten, ist klar. Aber ebenso klar ist, dass viele, die gerne länger gearbeitet hätten, dies altersbedingt nicht realisieren konnten. Die Trendumkehr auf diesem Feld ist glücklicher Weise nicht mehr negierbar. Wer sich im Hinblick auf sein Alter gemobbt fühlt, kann aus diesem Bericht womöglich Kraft zum Widerstand ziehen…
11.10.2013 | Arbeitswelt, Geschäftsinteresse, Gesellschaft, Politik, Staat, Wissenschaft, Wohlbefinden
Gemeinhin ist es in Deutschland ja Volkssport über die Politik und ihre Akteure herzuziehen. Wenn wir unser Land im Vergleich mit anderen betrachten, scheint es mir fragwürdig, dass nicht auch die Politik mit dem guten Abschneiden zu tun haben könnte. Aber zum Thema: Während Schwarz, Rot und Grün noch „sondieren“, geht die Arbeit an den Ministerien ungebremst voran. Und ich muss gestehen, es macht Freude, sich mit den Ergebnissen auseinander zu setzen. So hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales soeben den 3. Fortschrittsbericht „Altersgerechte Arbeitswelt“ veröffentlicht. Selten habe ich in einem halbwegs knappen Papier (59 Seiten) so viele Informationen, Daten und Anregungen zu lesen bekommen, die zwar wissenschaftlich fundiert sind, nicht aber im krausen Wissenschaftlerfachsprech daher kommen. Das ist auch heute nicht die Regel. Es lohnt sich für Arbeitnehmer, die sich fragen, ob ihr Arbeitgeber wirklich das Richtige für den Erhalt seiner älteren MitarbeiterInnen tut, genau so wie für Arbeitgeber, die gerne tätig werden wollen – oder spüren, dass sie tätig werden müssen. Keiner kann jetzt sagen, er hätte nichts gewußt. Ein paar wirklich überraschende Daten in Kürze:
1960 bezog man nach Eintritt ins Rentenalter durchschnittlich noch 9,9 Jahre lang Rente. Im zurückliegenden Jahr beläuft sich der Zeitraum auf 19 Jahre!
Die Erwerbstätigenquote unter den 60 bis 64jährigen lag im Jahre 2000 bei 19,9 %. Im Jahr 2012 ist sie bis auf 46,4 % geklettert. Apropos: die vorgeschlagene Nachfolgerin für Bernanke als Chefin der Amerikanischen Fed ist 74 Jahre alt! Erfahrung setzt sich immer mehr durch.
Die Zahl der psychischen Erkrankungen und Verhaltensstörungen lag im Jahr 2000 bei 15,3% der Krankmeldungen; im Jahr 2012 bereits bei 19,3%. Herz-Kreislauf- und Muskel-Sklett-Bindegewebserkrankungen nahmen dagegen ab.
Das spiegelt sich auch in den meldepflichtigen Arbeitsunfällen wider: auf 1000 VollarbeitnehmerInnen kamen Anfang der 60er Jahre fast 120 Unfälle; 2010 waren es nur noch gut 20.
Sie sehen: diese Zusammenstellung macht tatsächlich schlauer. Bitte lesen!
08.08.2012 | Allgemein, Arbeitswelt, Demographie, Wissenschaft
Auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes kann man immer wieder interessante Neuigkeiten finden. So liest man dort, dass die Bevölkerung zwischen 60 und 65 Lebensjahren von 14,163 Mio im Jahre 2000 über 15,855 Mio. im Jahre 2005 auf 17.145 Mio im Jahre 2010 angewachsen ist. Im letzten Jahr war ein kleiner Rückgang zu beobachten. Na ja, das mit der demografischen Änderung hat ja nun mittlerweile fast jeder mitbekommenn.
Kleine Statistik zur Illustration, aber ohne inhaltliche Verbindung zum Thema
Ok, aber richtig spannend werden diese Daten, wenn man die Zahl der Erwerbspersonen bzw. ihre Entwicklung über den genannten Zeitraum dagegen hält:
2000 – 372.000 Erwerbspersonen
2005 – 520.000 Ep.
2010 – 668.000 Ep.
und jetzt kommt der Knüller:
2011 – 763.000 Ep.! Das heisst, die Bevölkerung zwischen 60 und 65 Jahren stieg um runde 12% in den ersten und runde 8% in den zweiten fünf Jahren des Jahrzehntes. Aber die Zahl der Erwerbspersonen wuchs um 40 % in den ersten, 28% in den zweiten fünf Jahren und nochmals um 14% allein von 2010 bis 2011.
Mehr Alte. Das wussten wir, aber dass die Zahl der Erwerbswilligen unter ihnen so geschwind zugenommen hat, erstaunt doch. Die Gründe hierfür benennt auch das schlaue Statistische Bundesamt nicht. Meine Vermutung: auch sie haben auf verschiedenste Weise zugenommen.
07.07.2012 | Bildung, Geschäftsinteresse, Kultur, Wissenschaft
Seit Jahren ist die Gruppe der Alten und Ältesten jene mit der am schnellsten steigenden Beteiligung am Internet. Die Inhalte des WWW sind aber noch immer tendenzielle jugendlastig. Kein Wunder: zwischen den Fähigkeiten eigenständig zu surfen und Inhalte gewinnend im Netz präsentieren zu können klafft eine beachtliche Lücke. Angesichts von zig Millionen Netz-Seiten wird wohl niemand mit Sicherheit sagen können, wann und in welchem Ausmaß sich dies Verhältnis ändert. Aus dem Alten-Marketing lässt sich aber lernen, dass die Alten eben nicht als besondere Zielgruppe angesprochen werden wollen, denn es gilt immer stärker: „Alt sind nur die anderen!“ So hat sich manches Angebot, das gezielt die Alten im Fokus hatte, aus dem Markt wieder verabschiedet oder wurde grundlegend umgestellt; ein Beispiel können Sie hier nachlesen.

Platon beim Tagesgeschäft: dialogisieren
Erfolgreicher sind jene Seiten, die Überblick über verschiedene Märkte verschaffen. In diesem Sinne ist die academia matura ein hoffnungsfroher Neuling im Netz. Hier werden Wissens- und Kulturangebote gezielt gesammelt und optisch ansprechend aufbereitet. Was den universitären Bereich angeht, so wird man als Nutzer mit konkreten Ansprechpartnern, Vorbedingungen und Details zu evtl. Studienbestrebungen in verschiedenen deutschen Städten versorgt. Das schafft für den Interessierten durchaus Erleichterung. Die kulturellen Angebote sind hingegen noch entwicklungsfähig. Sie lesen sich wie von der Tourismusbehörde der jeweiligen Kommune abkopiert. Und dass man in Hamburg eine Hafenrundfahrt machen kann und in München ein Zoo zu besichtigen ist, verraten dem Reisewilligen auch die entsprechenden Stadtportale. Ein bisschen Spezifischer darf´s hier also durchaus noch weden. Aber für die alten Erst- oder Zweitakademiker bietet sich ein Besuch der Seite nachhaltig an. Denn wir wissen es: Hans lernt etwas anders, aber nicht minder erfolgreich als Hänschen es getan hat.