Im amerikanischen Wahlkampf

Seit Monaten liefern uns die Medien immer neue Stimmen, Bilder und Argumente rund um den amerikanischen Wahlkampf. Nachdem augenblicklich Obama mal wieder die Nase vorne hat, und das letzte der drei Kandidatenduelle vorbei ist, möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein durchaus positives Faktum lenken: Was auch immer McCain vorgeworfen wird (Keine neuen Wege / falsche Vizewahl / aggressiver Stil / Rezeptlosigkeit im Umgang mit der Finanzkrise etc.), sein Alter wurde bislang nicht wahrnehmbar thematisiert. Auch in Amerika, wo alles immer wieder neu und jung sein muss, in Amerika, das sich vor kurzem noch so lustvoll vom „Alten Europa“ abgesetzt hat, sind die 72 Lebensjahre des republikanischen Kandidaten kein Argument, ihn nicht zu wählen; oder umgekehrt: Auch ein 72jähriger kann den mächtigsten Job, den die Welt zu bieten hat, erfolgreich einnehmen. Das macht doch Mut – auch wenn man für Obama stimmen würde!

Generation „Erfahrung“ statt Generation „Sorge“

Wenn man sich mit dem Thema Altern beschäftigt, kann man nicht in Abrede stellen, dass auch die Politik die Brisanz des Themenkomplexes erkannt hat und vielfältige Initiativen fördert oder selbst ins Leben ruft. Da hier primär volkswirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, muss man auch nicht gleich den Gedanken an Zielgruppenmarketing vertiefen – wobei das ja auch per se nicht schlimm wäre. Bei der Initiative Alter schafft Neues geht es um ehrenamtliche Arbeit. Natürlich muss der Staat, der im Zuge finanzieller Engpässe immer mehr Stellen gestrichen hat und damit wohl auch noch nicht zu Ende ist, Aufgaben möglichst kostengünstig auslagern. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Vielen Älteren (ich denke auch an meine eigene Familie) gehen mit dem Ende des Berufslebens Lebenssinn und Herausforderung verloren. Wer anderen hilft, hilft tatsächlich auch sich selbst. Insofern sind Freiwilligenbörsen, die Arbeits- und damit auch Sinnangebote machen, sehr zu begrüßen.

Milliadäre arbeiten länger

Die Frankfurter Finanzwelt geriet in ungewohnte Erregung: dieser Tage gab Warren Buffett, der neuerdings reichste Mann der Erde, eine Audienz. Ziel der Veranstaltung: „Ruft mich an“ war sein Aufruf an mittelständische Unternehmen. Und er meinte vor allem die deutschen. Er sucht nun in Europa die eine oder andere Anlagemöglichkeit, die den Schatz der 76 Unternehmen, die seine Berkshire Hathaway-Holding führt, noch erweitern könnte. Nicht weiter erstaunlich? Doch! Warren Buffett ist 76 Jahre alt und hat genug Geld auf seiner Mount Everest-hohen Kante, um nie wieder einen Finger rühren zu müssen. Und warum tut er es trotzdem? Warum tut er sich den Tort einer Interkontinentalreise an? Weil keine dämliche Zwangsverrentung ihn vom Sinnstrom seiner Existenz abnabelt! Es geht ihm wohl kaum um ein paar Millionen mehr, sondern darum, das zu tun, was er seit Jahrzehnten erfolgrich betreibt. Tot ist man ohnehin lange genug. Egal, ob arm oder reich. Bis dahin sollte man nach Möglichkeit das weiter machen, was man gut kann. Milliardäre können durchaus schlau sein.

Arbeitgebereinstellung im Wandel

Die Chancen auf Wiederbeschäftigung für über 50 Jährige steigen. Das Ministerium für Arbeit und Soziales gibt einen Newsletter mit dem schönen Titel „Pespektive 50 PLUS“ heraus. Man konnte ihn auch auf der Ministeriumsseite (leider etwas verschlafen) abholen. In der aktuellen Ausgabe wird aus Nordrhein- Westfalen berichtet: „Eine Betriebsbefragung in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2007 ergab, dass sich das Einstellungsverhalten von Unternehmen gegenüber Älteren in den letzten vier Jahren deutlich verbessert hat. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen sind bereit, ältere Bewerberinnen und Bewerber für vorhandene offene Stellen einzustellen.“ Allerdings mangelt es an BewerberInnen. So liegt der Schluss nahe, dass viele sich nicht mehr trauen, Bewerbungen los zu schicken. Das muss sich – nicht nur im volkswirtschaftlichen Interesse – ändern!

„Heute lebe ich nach der Maxime, dass die Langeweile der Feind eines gesunden Alterns ist.“

Jutta Limbach, deren überschriftstiftendes Statement hier nachlesbar ist, ist -einstweilen- am Ende ihrer offiziellen Karriere angelangt. Gestern übergab sie die Leitung des Goethe-Institutes an ihren Nachfolger. Nachdem sie altersbedingt (ja, auch dort greift Väterchen Staat mit strenger Hand in den Lauf den Dinge ein) den Vorsitz des Bundesverfassungsgerichtes niederlegen musste, machte sie auch ihrem neuen Amt Ehre, brachte die Neusortierung des Goethe-Insitutes weit voran. Dass diese großartige Dame nun mit 74 Jahren die Hände in den Schoß legen wird, ist unwahrscheinlich. Wie schön! Ach: drei Kinder hat sie „nebenbei“ auch noch erfolgreich groß gezogen. Chapeau, Madame!

Mit 101: lieber Arbeit als Langeweile

In der taz vom 6. März findet sich auf Seite 2 folgende Information: „…Als Vater von 17 Kindern hatte Martin seinen Ruhestand 99-jährig beendet, um wieder drei Tage die Woche in einer Klempnerei-Firma arbeiten zu gehen. Zu Hause langweilte sich der Rentner.“ Dass er ausserdem bekannt gab, beim nächsten London Marathon mitlaufen zu wollen, schlägt dem Faß die Krone aus – oder eben auch nicht. Es geht eben viel mehr als so mancher denkt! Ach so: Bruster Martin ist nun 101 jahre alt.

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