Pete Townshend 62

Letzte Woche (19.5.) wurde der ehemalige Frontman von The Who 62 Jahre alt. Berühmt wurde er zum einen durch seine innovative Akustikgitarrentechnik, zum zweiten durch seine hübsche Gewohnheit, nach den Konzerten einen Teil der Instrumente mit großer Geste klein zu schlagen. Aber da war noch etwas: wir verdanken ihm den stilbildenden Satz „Hope I die before I get old“. Dieser „Forever young-Habitus“, den u.a. ja auch die Stones pflegten, wurde zum Grundcharakteristikum – jenseits aller musikstilistischen Unterschiede – der ersten und zweiten Rockmusikergeneration. Heute ist Townshend alt – und kregel. Er versucht seine Gitarrentechnik mit digitaler Hilfe zu popularisieren und bloggt sich durch die eigene Existenz. Insofern ist es ja erfreulich, dass sein Jugendwunsch nicht in Erfüllung gegangen ist. Ach ja: Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Sozialer Austausch ist auch Gehirnschmierstoff

In einer Studie des Berliner Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung wurde nun erstmals empirisch der Beweis geliefert: Menschen, die auch im hohen Alter – die Sozialaktivitäten von 516 Personen zwischen 70 und 100 Jahren wurden ausgewertet – sozial aktiv und vielschichtig interessiert sind, können in höherem Maße den alterungsbedingten Rückgang der „Mechanik der Intelligen“ aufhalten. Das Dichterwort „niemand ist eine Insel“ gilt also erst recht im Alter.

Unruhestand wird populär

Im heute erschienenen SPIEGEL 21/21.05.07 – leider nur in der Papierausgabe, S. 76ff – wird unter dem Titel „Renaissance der Alten“ auf die steigende Zahl reaktivierter Fach- und Führungskräfte hingewiesen. Einerseits bestärkt das abnehmende Angebot jüngerer Gleichqualifizierter diesen Trend, andererseits spricht sich eben langsam die Erkenntnis herum, dass die Alten bei weitem mehr können, als man ihnen in vielen Personalabteilungen heute zutraut. Daher wagt der SPIEGEL auch nicht viel, wenn er einen zunehmenden Trend in diese Richtung prognostiziert. Interessant ist noch der Hinweis auf eine Internet-Plattform, die sich der Vermittlung von alten Fach- und Führungskräften an Unternehmen verschrieben hat.

Die Alten machen die Politik

Zum ersten Einzug der Linkspartei in ein westdeutsches Parlament (Bremen) merkt der SPIEGEL zunächst an, dass die Vertreter dieser Partei deutlich jenseits der Lebensmitte stehen und der ehedem jugendliche Gestus des sozialen Aufbruchs nun sichtbar ergraut ist. Die weiteren Gedanken zum Thema führen zur Einsicht, dass politische Impulse generell künftig eher von der ergrauenden Babyboomergeneration zu erwarten sein werden.
Das kann einen zu der Frage führen, wie weit die jüngere Generation sich überhaupt in der bundesdeutschen Parteienlandschaft repräsentiert fühlt. Weichen vielleicht immer mehr Jüngere in NGO-Gruppierungen wie ATTAC  aus? Auch wenn die Alten das Zepter fester in der Hand halten denn je: das bißchen Nachwuchs, was zu gewinnen ist, sollte nicht vergessen werden! Dieser Aufgabe sollten sich alle demokratischen Parteien intensiver widmen.

Heute im Getränkemarkt

Ein schon leicht gebeugter Herr mit weißmeliertem Haar schiebt seinen Getränkewagen mit zwei Kisten stillem Mineralwasser am Bionade-Aufbau vorbei. „Gehen Sie nur durch, junger Mann“ ruft ihm der vielleicht 40jährige Fahrer des um die Ecke stehenden Gabelstaplers zu. Er trägt keine Brille und macht auch sonst keinen verhuschten Eindruck. Wie interpretieren wir dies?
1. Der Gebelstaplerfahrer besitzt keine Manieren und hat sich deshalb im Wort vergriffen – auch wenn sein Ton und seine Begleitgestik durchaus freundlich-heiter ausgefallen ist.

2. Der Jugendlichkeitswahn ist vereinzelt so weit fortgeschritten, dass es als höflich erscheint, auch den älteren Teil der Gesamtbevölkerung dem großen postpubertären Wartesaal zuzuweisen.

3. Die Ironisierung und das In-Frage-Stellen der klassischen Altersbilder sind mittlerweile so weit verbreitet, dass man gefahrlos von altersspezifischen Höflichkeitsbezeugungen Abstand halten darf.

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